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Vesania: Deus Ex Machina

Vesania DeusExMachinaLabel: Metal Blade Records

Spielzeit: 51:02 Min.

Genre: Symphonic Black Metal/Industrial Metal

Info: Facebook

CD kaufen: Amazon

Hörprobe: Youtube

VÖ-Datum: bereits erschienen

 

Eine Black-Metal-Band aus Polen - diese Musikrichtung führt in unserem östlichen Nachbarland tatsächlich immer noch ein Nischendasein. Denn anders als in Norwegen, Schweden, Finnland, aber auch Deutschland, Frankreich und den USA, wo sich überall Gruppen profilieren konnten, die sich einen Namen gemacht und gleichzeitig kontinuierlich Platten veröffentlicht hatten, sucht man diese in Polen vergeblich (unbedingt abchecken: Mgla und Furia - Sven) . Aber Vesania ist eine dieser Bands, die das Potenzial haben, eben diesen Status für sich beanspruchen zu können. Seit nunmehr 18 Jahren existiert die Gruppe und konnte dadurch auf sich aufmerksam machen, dass Schlagzeuger Daray sich zwischendurch auch bei Vader und später dann bei Dimmu Borgir ausgetobt hatte. Also CD reingeschmiss..., äääh, Download angeschmissen und ab geht die Post!

,,Halflight" ist ein sehr starker Opener, in dem das Schlagzeug mit maschinengewehrartiger Geschwindigkeit beginnt, bevor man direkt danach innehält, sich erneut aufbaut und man in schönem Doublebass-Midtempo durchbangt. Der Wechsel zwischen blutrünstigem Gekrächze und Pink-Floyd-artigen, sphärischen Gesängen sorgt, genauso wie die dramaturgischen Orchester-Elemente für zusätzliche Dramaturgie, ohne in das Kitschige abzudriften. Am Ende wird die Nummer wieder schneller und schließt mit einem tollen Gitarrensolo ab.

,,Innocence" beginnt mit dem Einstöpseln einer Gitarre, einem bedrohlichen Riff und filmmusikartigen Streicher-Passagen. Die 6/8-Nummer treibt ordentlich nach vorne und der Sänger verbindet sein Gekrächze mit einer Art Geknurre, wie man es von Rammsteins Till Lindemann in den härteren Passagen kennt. Der Song lebt von seinen Tempowechseln, wobei die 6/8-Taktart durchgehend beibehalten wird. Von Langeweile auf jeden Fall keine Spur, können VESANIA von sich doch behaupten, ihrem Stil hier den ganz persönlichen Stempel aufzudrücken, sodass die Gruppe nicht allzu beliebig klingt, wie das heutzutage im Black Metal leider Gottes nicht unüblich ist.

,,Disillusion" hält den eingeschlagenen Weg aus sinfonischer Schwermut und kompromisslosem Metal-Geschreddere bei, wobei die Hintergrund-Streicher in fast schon impressionistische Gefilde vordringen. Für die nötige Prise Rotz mit punkiger Fuck-Off-Attitüde sorgt ein schnellerer Uffta-Zwischenteil. Und wer denkt, dass Bassisten im Symphonic-Black-Metal vernachlässigt werden, soll sich die groovige Bassarbeit am Ende des Songs anhören. Diese unterstreicht die Melodiosität und Dramaturgie der Platte zusätzlich.

,,Vortex", der mit dem ehemaligen Bassisten und Sänger von Dummi Borgir nichts zu tun hat, klingt da schon moderner und besticht mit abgehackten Gitarrenriffs und komplexem Doublebass-Getrommele, wo ein spiritueller, an Sepultura erinnernder Tribal-Zwischenpart mit viel Percussion vorzeigt, dass Überraschungen im Black Metal immer zu haben sind, wenn man möchte (wer erinnert sich noch daran, wie Hoest bei seinem vorletzten Taake-Album auch Western-Elemente mit Banjo einbrachte?)

,,Dismay" fällt da im Gesamtkontext ein bisschen ab. Das Tempo ist ein bisschen lahm, die Streicher sind zu vordergründig plaziert und Behemoth's Orion versucht hier, mit uninspiriertem Gegrummele irgendwie düsterer und Gothic-lastiger zu werden. Auch, wenn das Lied dann doch immer wieder etwas Fahrt aufnimmt und sogar Mariachi-Trompeten einsetzt, kann es mich letztendlich nicht überzeugen. Die erste richtige Enttäuschung auf dem Album.

Dann kommt ,,Glare" und die Hoffnung ist groß, dass ,,Dismay" ein einmaliger Ausrutscher geblieben ist. Und siehe da, mit einem lauten Schrei und dissonanten Gitarren beginnt ein sehr interessant und experimentell gehaltenes Breitwand-Opus, das Vergleiche mit Deathspell Omega nicht zu scheuen braucht. Auch der Einsatz von Klavierharmonien in den Blastbeat-Einsätzen macht Spaß, bevor cleane Gesänge immer für die nötige Prise Abwechslung sorgen. Lediglich Orion's Krächzgesang erinnert mich hier manchmal zu sehr an Shagrath von Dimmu Borgir, aber das ist hier natürlich Jammern auf sehr hohem Niveau.

Das folgende ,,Notion" beginnt mit Unterwasser-Ambient-Geräuschen, bevor indianische Kriegstrommeln und Dream-Theater-lastige Keyboard-Spielereien das Stück langsam aufbauen und in einen hammerhart schnellen Nackenbrecher münden, der sehr gekonnt Wut und Aggressivität mit schönen Harmonien kombiniert. Im folgenden Breakdown wird den Harmonien und den Streichersamples mehr Raum gelassen und dann immer wieder stärker mit schnellen Passagen vermischt. Das Gitarrensolo im Mittelteil macht ebenfalls sehr viel Spaß und zeigt, dass technisches Können alleine nicht nötig ist, um gute Gitarrenarbeit abzuliefern. Simpel gespielt, aber mit viel Seele, geht es auch.

Was man bei ,,Disgrace" leider nicht sagen kann. Die Streicherpassagen stehen hier zu sehr im Vordergrund, die Melodie klingt belanglos und der Gesang routiniert. Selbst der cleane Gesang im Refrain wirkt schwachbrüstig und auch der danach folgende Versuch, auf Teufel komm raus böse klingen zu wollen wirkt im Gesamtkontext mit den bisherigen Highlights einfach schwach. Da helfen dann auch die vielen Tempowechsel nicht mehr. Glücklicherweise kann die zweite Hälfte des Songs aber dann doch noch ein bisschen Spannung erzeugen. Aber ob ich ,,Disgrace" jemals zu meinen Lieblingsstücken von VESANIA zählen kann, sei mal dahin gestellt.

,,Fading" schließlich fängt dann sehr verstört und futuristisch an und zeigt, dass Black Metal nicht immer mit dunkler Lagerfeuer-Romantik zu tun haben muss. Ein komplexer Rhythmus, dezent im Hintergrund plazierte Samples und einen besser klingenden Orion machen das Stück zu einem weiteren Highlight des Albums.

Den Abschluss dieses immerhin 51 Minuten langen Monolithen macht dann ,,Scar". Bedenkt man, wie viele Bands im Black Metal nur knapp 30minütige Platten veröffentlichen, ist diese Spieldauer schon fast rekordverdächtig!!! Das Lied hat dann glücklicherweise dann auch nichts mit der gleichnamigen Figur aus König der Löwen zu tun, sondern setzt sich viel mehr mit den Narben auseinander, die uns das Leben gegeben hat, die WIR uns gegeben haben, weil wir oft nicht unser Leben so gestalten, wie wir es gerne machen würden. In Sachen Texte schreiben laufen Vesania hier fast schon zu Höchstform auf und erzählen hier eine Geschichte, die die Protagonistin mit sich selber ausmacht. Hier bleibt es dann auch bei dem einzigen Gastauftritt auf der Platte, die zeigt, dass Wielebna von den Sludgern Obscure Sphinx mit ihrem variablen Gesang, den sie in dem Lied komplett alleine übernimmt, nicht von schlechten Eltern ist.
In musikalischer Hinsicht fühle ich mich hier dann tatsächlich auch an die unrühmlichen gewordenen Genesis in ihrer besten Progressiv-Phase erinnert. Die Keyboards klingen crazy, der Rhythmus ist stampfend und die Frauengesänge sorgen zusammen mit deren Wehen- und Schmerzgeräusche für zusätzliche..., ähm, Atmosphäre.

Damit bekommt ,,Deus ex Machina" abzüglich der beiden Ausfälle und aufgrund der Tatsache, dass ich mit dem Sound nicht so zufrieden bin (etwas drucklos, zu wenig Rotz, nicht so markant, dafür aber etwas steril), von mir nur ein L-Bewertung. Hier sei allerdings noch von mir angemerkt, dass diese Bewertung nur für das Schaffen von Vesania gilt und wir es hier mit Anwärtern zu tun haben, die den polnischen Black-Metal-Thron besteigen könnten. Je andere, beliebigere Gruppe hätte von mir da mindestens eine XL-Bewertung bekommen, aber für eine Gruppe wie Vesania, die das Potenzial haben, zu den ,,Vader des Black Metal" zu avancieren ist da auf jeden Fall noch Luft nach oben.

Domenic Saheb Djavaher

XXL WertungL

Tracklist:

Halflight
Innocence
Desillusion
Vortex
Dismay
Glare
Notion
Disgrace
Fading
Scar

XXL-Tipp

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