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Therapy? – Disquiet

therapy disquiet smLabel: Amazing Record Co.

Spielzeit: 42:05 Min.

Genre: Alternative Metal

Info: Facebook

CD kaufen: Amazon

Hörprobe: Youtube

VÖ-Datum: 20. März 2015

 

Therapy? werden in diesem Leben sicher nie mehr an den Erfolg von „Troublegum" (1994) anknüpfen und wohl auch kein Album von der Güte eines „Infernal Love" (1995) mehr veröffentlichen. Zum Glück bedeutet das aber noch lange nicht, dass die Band nun Mist veröffentlichen würde – auch, wenn Andy Cairns zu Beginn von „Idiot Cousin" die Zeilen: „Trust us / To fuck it all up" singt. Das scheußliche Albumcover steht dem nicht minder grässlichen von „Troublegum" jedoch nicht nach, ist gar schlimmer. Unruhe (= „Disquiet") verspüre ich aber zum Glück nicht, wenn die Musik ertönt. Es ist einfach ungemein erfrischend und belebend, wenn eine Band aus alten Tagen nach langer Zeit wieder mit einem Album aufwartet, welches zwar kein Meisterwerk ist, aber schlicht und ergreifend riesigen Spaß macht.

Andy Cairns – Kopf und Gesicht der Band – ist ein Mann, der mal ganz oben stand und richtig tief gefallen ist. Das hat Narben hinterlassen, die sich zu den auch damals reichlich vorhandenen (wenn man den alten Texten Glauben schenken mag) hinzugesellt haben. Und diese Verzweiflung, diese Hilflosigkeit, dieser Unglaube an das, was das Leben mit ihm angestellt hat, das gießt er noch immer in solch treffend gewählte und direkt auf den Hörer überspringende Worte, dass es fast schon unheimlich ist. Ich erinnere mich, dass in den Neunzigern irgendwo sinngemäß zu lesen war, dass Andy Cairns der nagenden Verzweiflung im Herzen eines Mannes die passenden Worte, die passende Stimme verleihen würde. Und da ist was dran; war es schon immer. Seine Stimme ist klar und melodisch, verfällt aber nicht ins Selbstmitleid, sondern hat immer eine gewisse Grundwut, ein drohendes, lauerndes Knarzen mitschwingen. Und seine Worte, die sind klar und prägnant und können eigentlich nicht ungehört verhallen.

Das Album beginnt bereits im großartigen Opener „Still Hurts" mit den Zeilen: „Help me / I'm stuck / The room inside my skull / I can't escape / A prison I can't break" und deutet das Unvermögen an, die eigenen Gefühle und Ängste überhaupt noch angemessen artikulieren zu können (oder wollen!). Anschließend wird übergeleitet in das selbstquälerische Gefühl, dass die großen Tage des eigenen Lebens vorbei sind und man immer mehr hinter den Rest der (vermeintlich) glücklichen Mitmenschen zurückfällt: „I think my ship has sailed / I can't see tomorrow / (...) / These tides / Leaving me behind / Day by day by day". Aber auch ein verzweifelter Aufschrei, der Wunsch nach erneuter Zugehörigkeit, ertönt: „Please don't let me fall behind / Please don't let me be / Another casualty" („Fall Behind"). Auch Songtitel wie „Helpless Still Lost", „Insecurity", „Words Fail Me" oder „Torment Sorrow Misery And Strife" sprechen Bände.

Man kann das als Zuhörer für sich selbst auf jeden Sturz des eigenen Lebens ummünzen und unmittelbar zu seinen eigenen Worten, zu seinen eigenen Liedern machen. Und da stört es dann auch deutlich weniger, dass zwei, drei Songs ohne diesen großartigen Überbau insgesamt etwas gewöhnlicher geraten sind – aber dennoch rede ich diese Songs damit nicht schön, denn tatsächlich sind sie alle mindestens gut. Und in der Überzahl eben tatsächlich sehr gut bis großartig („Still Hurts", „Tides").

Zudem wirkt das Klagen bei Therapy? direkter und wütender, lebendiger und aggressiver als etwa bei den Grunge-Bands der Neunziger (was keine Kritik sein soll, denn ich liebe sie alle!) und sollte damit tatsächlich kaum als „Gejammer", sondern als ehrlicher und ungeschminkter Einblick in das Innenleben eines aus der Bahn geratenen Lebens verstanden werden. Nur derjenige, der immer nur Glück hatte (oder schlicht und ergreifend kein Herz in seiner Brust trägt!) sollte dafür unempfänglich sein.

Musikalisch betrachtet ist dies Therapy?, wie man sie aus den großen Tagen kennt – knackiger, eingängiger, punkiger Alternative mit ganz wenigen Noise-Einlagen; etwas abgeklärter als damals zwar, insgesamt auch mit etwas weniger Durchschlagskraft versehen – aber immer toll und absolut hörenswert.

Das mit einer regelrechten Dampfwalze beginnende „Fall Behind" hat ein (leider nur) sehr kurzes, dafür fast schon außerweltliches Solo, in welchem die Gitarre sehr offen und flächig regelrecht sphärische Lautmalereien konstruiert. Fast schon amüsiert und nostalgisch ergriffen bin ich hingegen bei den Strophen von „Helpless Still Lost", welche vom Rhythmus her an „Hey Man Nice Shot" von Filter erinnern, und die naheliegende Assoziation beim Songtitel „Vulgar Display Of Powder" muss ich sicher nicht näher erläutern. Ungewöhnlich ist das abschließende, nahezu sludgige, gar schon retro-rockige „Deathstimate" mit seinem zähen und schroffen Hauptriff.

Therapy? schreiben heute keine komplett unwiderstehlichen Melodien vom Schlage eines „Jude The Obscene" mehr, die großen Zeiten der Band liegen sowohl im künstlerischen als auch im kommerziellen Sinn mittlerweile ziemlich genau zwanzig Jahre zurück. Trotzdem ist es gut, dass die Band noch unter uns weilt. Ein wenig mehr Arschtritt ab und an könnte aber für die Zukunft nicht schaden (und ebenso auch das andere Extrem - endlich mal wieder eine lodernde Ballade wie „A Moment Of Clarity"!). Das beherrscht die Band nämlich noch besser als das hier überwiegend vertretene Midtempo.

Trotz dieser kleinen Kritik - ich hatte im Laufe der Jahre komplett vergessen, wie unwiderstehlich diese Band sein kann. Und ich merke, ich habe die Stimme von Andy Cairns und seine großartigen Texte wirklich wieder gebraucht. Tolle Band, tolles Spätwerk - absolut empfehlenswert. Ich zücke für „Disquiet" das denkbar stärkste „L", welches sogar ganz vehement an der Haustür von „XL" klopft.

Daniel Lofgren

XXL WertungL

Tracklist:

1. Still Hurts
2. Tides
3. Good News Is No News
4. Fall Behind
5. Idiot Cousin
6. Helpless Still Lost
7. Insecurity
8. Vulgar Display Of Powder
9. Words Fail Me
10. Torment Sorrow Misery Strife
11. Deathstimate

XXL-Tipp

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