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Orden Ogan: Ravenhead

ORDEN OGAN   RAVENHEADLabel: AFM Records

Spielzeit: 48:24 Min.

Genre: Power Metal

Info: Facebook

CD kaufen: Amazon

Hörprobe: Youtube

VÖ-Datum: 16. Januar 2015

 

Beeinflusst von Genrevorreitern Blind Guardian, Running Wild und anderen deutschen Power-Metal-Bands, schufen Orden Ogan ihren ganz eigenen Sound und lieferten bislang kein schlechtes Album ab. Im Gegenteil, sowohl „Vale", „Easton Hope" als auch „To The End" dürfen zum Besten gezählt werden, was die (deutsche) Power-Metal-Szene in diesem Jahrtausend hervorgebracht hat.
Mit „Ravenhead" steigern sich Orden Ogan nun noch ein weiteres Mal und veröffentlichen ihr wohl ausgefeiltestes, in sich schlüssigstes Album, auf dem sie ihren Stil perfektionieren.

Verschlug einen der Vorgänger noch in eine endzeitliche Eiswüste, hat man diesmal eine bedrohlich-düstere Sumpflandschaft als „Konzept-Setting" gewählt. Schon das bildgewaltige Artwork von Andreas Marschall schafft eine unheimliche und gefährliche Atmosphäre. Kein generisches, völlig austauschbares Cover eines gewissen anderen „Künstlers", auf das zu viele Bands mittlerweile setzen. Nein, so wie „Ravenhead" hat ein Cover auszusehen!

Das eponymische Intro beginnt zunächst ruhig, steigert sich im Verlauf, um in epischer Weise die Bühne für das folgende Album zu bereiten. Ein summender Mönchsorden, der „Orden Ogan", führt den Hörer tief in den Sumpf hinein, wo verborgen das Kloster „Ravenhead" wartet.
Der Titeltrack fegt einem mit fetten Riffs und nach vorne preschenden Drums dann auch gleich mal die Kopfhörer von den Ohren. Eine unbändige Power-Metal-Hymne, die in einem herausragenden mehrstimmigen Refrain mündet! Nach einem langen und verspielten Instrumentalteil, greift der Song am Schluss noch einmal das Intro samt Mönchsgesang auf, bevor dieser langsam verstummt. Willkommen in „Ravenhead"!
Ein verzerrtes altes Klavier ertönt und ein Chor stimmt den Refrain von „F.E.V.E.R" an, der aufgrund seiner Struktur einen gewissen „Wishmaster"-Vibe versprüht. Bald legen Gitarren und Schlagzeug richtig los. Im Mittelteil wird aus der Nummer dann sogar ein amtlicher Headbanger. Ganz groß!
Auf dem Weg zum Kloster kam man im Opener an einem See vorbei, dessen Geheimnis in „The Lake" gelüftet wird. Hier lebt die auf dem Cover gezeigte Frau und fristet ihr verfluchtes Dasein. Plastik-Keyboards lassen anfangs die Befürchtung von allzu viel Kitsch aufkommen, die sich zum Glück nicht bewahrheitet. Stattdessen bekommt man ein typisches, kraftvoll-melancholisches Orden-Ogan-Stück zu hören, das von Seebs Gesang geprägt wird und erneut in einem dieser bemerkenswerten Refrains gipfelt.
Richtig gruselig wird es danach, wenn plötzlich die Stimme einer alten Frau erklingt. Nur von einer Flöte und leisen Klavierklängen begleitet, stimmt sie „Evil Lies in Every Man" an, in dem der tragische Hintergrund der Dame aus dem See beleuchtet wird. Musikalisch eines der facettenreichsten Stücke auf dem Album, bekommt man hier neben schwerem Power Metal auch groteske Jahrmarktklänge und eine gezupfte Akustikgitarre zu hören. Eines der ganz großen Highlights des Albums!
Aggressiv-chaotisch beginnt im Anschluss „Here at the End of the World". Ein sehr guter Song, der aber das bisherige überragende Niveau nicht ganz halten kann. In der Bridge taucht dann das Wort „Reaper" auf, weswegen man natürlich Chris Boltendahl als Gastsänger verpflichtet hat. Ein nettes Gimmick, das es aber nicht zwingend gebraucht hätte. Dafür ist das schreddende Solo von Tobi Kersting umso eindrucksvoller.
Eine kurze Atempause bietet das zunächst ruhig beginnende „A Reason to Give", in dem sich dann doch noch ein paar Folk-Elemente wiederfinden. Wenn die Stromgitarre einsetzt, entwickelt sich ein schwerer, monumentaler Sound. 1:20 vor Ende gibt es einen Bruch im Stück, dem ein unfassbar epischer Instrumentalteil folgt, der mit den Chören und der Melodie zu einem der großen Höhepunkte des Albums wird. Gigantisch!
Dann erklingt wieder das verzerrte Klavier, das „Deaf Among the Blind" einleitet. Ein heftiger Stampfer, der zum Kopfschütteln einlädt. Ein hervorragender Song, der im Vergleich zum bisherigen Material aber auch etwas abfällt. Mit unheimlicher Geräuschkulisse leitet er schließlich in den Mega-Hit „Sorrow is Your Tale" über.
Heulender Wind, Hammerschläge, lauter werdende Drums. Dann spielt eine Orgel die alles überragende Melodie. Mehr braucht man hier nicht zu sagen. Ja, ok, Hammerfalls Joacim Cans hat einen Gastauftritt und der ohne Soli auskommende Instrumentalpart ist auch wirklich mitreißend, dennoch... Diese Melodie!
In leicht abgeänderter Form wird eben jene dann im Outro „In Grief and Chains" wieder aufgegriffen, das das Sumpfkapitel beschließt und hervorragend abrundet.

Mit „Too Soon" folgt noch eine Ballade im Stil von „Requiem". Wummernde Synthiesounds erzeugen eine schwermütige Atmosphäre über die sich der ruhige Gesang von Seeb legt. Nett, im Rahmen des Albums allerdings verzichtbar, weswegen der Song in den mitgelieferten Songtexten wohl auch als Bonus Track gekennzeichnet ist.

(An dieser Stelle möchte ich mal ein dickes Lob an AFM aussprechen, die uns Reviewer immer mit umfangreichem Material – diesmal sogar inkl. Lyrics! – versorgen, das eine ausführliche Besprechung ermöglicht. Vorbildlich!)

Das den Namen der Band tragende Intro mag vielleicht als Indiz dafür gesehen werden, dass die Band selbst „Ravenhead" als ihr bisheriges Meisterstück ansieht, das den angestrebten Sound genau auf den Punkt bringt. Seebs Aussage „Mehr Metal, mehr Refrains, mehr Orden Ogan" beschreibt das Album jedenfalls perfekt.
Progressive („Easton Hope") wie auch folkloristische („Testimonium A.D.") Elemente sind fast gänzlich aus dem Sound der Arnsberger verschwunden. Dafür herrscht schnörkelloser Power Metal, der Dank einer ausgewogenen und modernen Produktion von Seeb selbst in das richtige, druckvolle Klanggewand gepackt wird. Vom Cover über Musik, Lyrics und Songwriting bis hin zur einmaligen Atmosphäre eine absolut runde Sache!

Kurz und knapp:
Orden Ogan legen mit „Ravenhead" ihr bis dato bestes Album vor und nehmen endgültig den Platz an der Spitze des (deutschen) Power Metals ein. Diese Vorlage müssen die Vorbilder aus Krefeld in zwei Wochen erstmal erreichen.

Christian Schrübbers

XXL WertungXXL

Tracklist:

01. Orden Ogan
02. Ravenhead
03. F.E.V.E.R
04. The Lake
05. Evil Lies in Every Man
06. Here at the End of the World
07. A Reason to Give
08. Deaf Among the Blind
09. Sorrow is Your Tale
10. In Grief and Chains
11. Too Soon

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