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Motor Sister: Ride

Motor Sister  RideLabel: Metal Blade Records

Spielzeit: 44:50 Min.

Genre: Hard Rock

Info: Facebook

CD kaufen: Amazon

Hörprobe: Youtube

VÖ-Datum: bereits erschienen

 

Blues hier, Southern Rock da... Diese Schlagworte lese ich im Zusammenhang mit diesem ersten Motor Sister-Album immer wieder, und so falsch ist das auch gar nicht. Aber in erster Linie ist dies hier ein 1-A-Früh-90er-Jahre-Album. Wenn man die eher heavy agierenden Grunge-Bands wie Alice In Chains, My Sister's Machine und Soundgarden (aber in gemäßigtem Tempo, ich rede nicht von Songs wie „Jesus Christ Pose") mit The Almighty, Circus Of Power, Warrior Soul sowie bluesigen Aerosmith und den King's X der „Dogman"-Phase vermengt hätte, wäre wohl so etwas wie „Ride" dabei herausgekommen. Sofern man lieber aktuelle Releases als Anhaltspunkt heranziehen möchte, dann mag man sich einen Hybrid aus den letztjährigen Platten der Black Label Society, California Breed und Kamchatka vorstellen – mit noch besseren Songs.

Hier ist also eine Band am Werke, die richtig eingängige, melodische Songs mit klassisch gutem, lebensbejahenden Punch und dennoch angemessen düsterer Schlagseite auf Lager hat – heutzutage gibt es zwar nach wie vor haufenweise gute Musik, doch diese formidable Mixtur ist leider eher die Ausnahme von der Regel geworden. Wobei natürlich erwähnt werden muss, dass „Ride" ein Album mit neu eingespielten Songs der Band Mother Superior ist und kein eigenes, neues Material enthält.

Von Mother Superior habe ich mir nie etwas gekauft, und vielleicht funktioniert „Ride" bei mir deshalb so gut. Immerhin ist das Album mehr oder weniger eine „Best Of" des Schaffens dieser Band – insofern verwundert es nicht, dass kein Song abfällt oder auch nur ansatzweise schlecht ist. Jim Wilson, der ehemalige Mother Superior-Sänger, ist auch bei Motor Sister mit an Bord, und an seiner stimmlichen Darbietung gibt es nichts zu mäkeln. Ganz im Gegenteil, sie ist großartig und wertet alles hier präsentierte zusätzlich auf. Die restliche musikalische Leistung ist ebenfalls makellos – jeder dürfte wahrscheinlich mitbekommen haben, dass hier Scott Ian, Joey Vera und John Tempesta mitwirken.

Wie gesagt, die Songs bewegen sich zwischen den bereits genannten musikalischen Fixpunkten. Sie passen zum bierseligen Abend ebenso wie zum alleine erlebten, entspannten Hören unter dem Kopfhörer, da sie gleichermaßen Euphorie und Energie als auch Nachdenklichkeit und Emotionalität transportieren. Manche Gitarrenparts, etwa das Solo in „This Song Reminds Me Of You", hätten auch auf dem jede Wertungsskala sprengenden „Ten" von Pearl Jam stehen können. Als absolute Highlights haben sich bei mir das treibende „This Song Reminds Me Of You", die heimliche Bandhymne „Little Motor Sister" sowie die unglaublich schöne Ballade „Devil Wind" herauskristallisiert. Aber das sind nur Anspieltipps – „Ride" ist eine kompakte und ungemein stimmige Einheit, welche insgesamt entdeckt und geliebt werden möchte.

Das Ganze ist zudem noch großartig produziert – „Ride" ist druckvoll, dynamisch und tatsächlich irgendwie aus der Zeit gefallen. Im denkbar positiven Sinne!

Von daher ist dies ein mehr als nur erfreulicher Frühling für alle Freunde der farbenprächtigen, aber druckvollen alten Tage von vor über 20 Jahren – Prong sind wieder auf Kurs, Therapy? sehr viel stärker als erwartet, Stabbing Westward unter neuem Namen (The Dreaming) zurück und Motor Sister stellen in diesem illustren Reigen das komplett unerwartete Highlight.

Abschließend sei noch angemerkt: in allen großen Musikmagazinen der frühen Neunziger Jahre wären alle diese Platten definitiv ganz weit vorne in den Redaktionscharts gelandet. Ergo: absoluter Kaufzwang für die hiervon angesprochene Zielgruppe!

Daniel Lofgren

XXL WertungXXL

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Was wünscht sich ein erfolgreicher Musiker, der wahrscheinlich schon alles hat, was er braucht zu seinem 50. Geburtstag? Einen Auftritt seiner Lieblingsband! Cool! Doch leider existiert diese Band schon geraume Zeit nicht mehr. Uncool! Was nun? Man krallt sich den damaligen Sänger und Bandleader, verpflichtet mal eben seine Frau und ein paar Freunde und spielt sich quasi selber ein Ständchen.

Die Rede ist natürlich von Anthrax Flitzefinger Scott Ian, der sich zusammen mit seiner besseren Hälfte Pearl Aday, Joey Vera (Fates Warning, Armored Saint) und John Tempesta (White Zombie, The Cult) auf die Bühne gestellt hat und gemeinsam mit Sänger Jim Wilson Songs dessen alter Band "Mother Superior" gespielt hat. Das fanden alle Beteiligten total dufte und man entschied sich, dass auch der Rest der Welt von dieser "All-Star-Band" profitieren sollte.

Also rein ins Studio und in ein paar Tagen hatte man 12 Mother Superior Songs eingespielt und lässt diese nun unter dem feschen Namen "Motor Sister" auf die Menschheit los. Inwieweit die Songs Neuinterpretationen sind, oder einfach nur fröhlich nachgespielt wurden, kann ich leider nicht sagen, da ich die Originale nicht kenne. Fakt ist aber, dass die Band hervorragend harmoniert und man den Spaß, den die Musiker bei diesem Projekt hatten deutlich hören kann. Musikalisch ist das Ganze ein netter Mix aus Classic Rock mit ordentlich Southern und Country Einflüssen und macht Spaß beim Hören.

Ansonsten sind die Songs eher mittelprächtig, zwar schön erdig und ehrlich gespielt, aber so richtige Knaller sind nicht dabei. Die Sache lebt natürlich von den prominenten Namen, aber das ist nun mal nicht alles. Trotzdem kein komplett schlechtes Album, aber für 'nen zeitlosen Klassiker reicht es natürlich nicht. Solide gemachtes Teil für ne gut gelaunte Dreiviertel Stunde Rock'n'Roll.

Christian Hemmer

XXL WertungL

Tracklist:

A Hole
This Song Reminds Me of You
Beg Borrow Steal
Fool Around
Get That Girl
Head Hanging Low
Fork In The Road
Little Motor Sister
Pretty In The Morning
Whore
Doghouse
Devil Wind

XXL-Tipp

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