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Lalu – Atomic Ark

Lalu  Atomic ArkLabel: Sensory Records/ Alive

Spielzeit: 51:43 Min.

Genre: Progressive Metal

Info: Facebook

CD kaufen: Amazon

Hörprobe: Youtube

VÖ-Datum: bereits erschienen

 

Der Keyboarder Vivien Lalu hielt sich bisher in seinem Leben weitgehend als Sessionmusker im Hintergrund. Viele der Bands, bei denen er gearbeitet hatte, sind in Deutschland weitestgehend unbekannt und haben in Frankreich teilweise Undergroundstatus. Für Lalu war es nach Jahren an der Zeit, sein eigenes Ding zu drehen, während er noch Engagements für Videospiel- und Filmmusik an Land zog. 2005 war es dann so weit, als er mit „Oniric Metal“ seine erste Solo Platte veröffentlichte. Es sollte weitere 8 Jahre dauern, bis das im September veröffentlichte Zweitwerk „Atomic Ark“ den Weg aus dem Studio finden sollte. Bleibt abzuwarten, ob sich diese lange Wartezeit gelohnt hat.

Der Introsong „Greed“ beginnt mit einem Drumsolo, das anschließend mit kräftigen Gitarren aufgefangen wird. Der Gesang von Sänger Martin Lemar passt super zur harten Ausrichtung des Tracks. Die zwischendurch kurz eingestreuten Soli muten merkwürdig an, ganz zu schweigen von den sehr häufigen Taktwechseln, die alles andere als harmonisch sind. Das hätte man besser machen können. Straightes Riffing ala Speed Metal gibt es bei „War On Animals“ zu hören und dort stört der Taktwechsel auch sehr stark. Danach balanciert sich der Song im Refrain aus. Eigentlich ist der Track durchaus hörbar, aber die schlecht getimten Taktwechsel sind grauenhaft. Das Solo ist aber dafür sehr gut und dient der Ehrenrettung.

„Tatonka“ist der erste vollkommen harmonische Song auf der Platte und bringt viel melodische Gitarrenparts mit. Gesanglich ist auch alles in Butter und so punktet die Powerballade ohne Schnörkel. Den Refrain kann ich sehr ans Herz legen, da er mit atmosphärischen Kängen aufwartet. „Mirror Prison“ bietet mehr Keyboardeinlagen, die zuvor ein wenig untergegangen sind. Der minimalistische Zwischentrack dient als Intro für den Song „Deep Blue“ der ein Unterwasserfeeling aufkommen lässt. Solides Midtempo, eindrucksvoller Gesang und harmonische Instrumentalisierung lassen den Hörer zurücklehnen und genießen. Das Gitarrensolo ist auch nicht zu schnell und sehr filigran.

Der Song „Bast“ ist hingegen orientalisch gehalten, was durch die spärlich vorkommende Sitar und einige Streicher deutlich wird. Mit Death Metal Vocals in der Bridge bekommt der Track noch zusätzlich Intensität. „Momento“ folgt einem ähnlichen Schema, wobei die Melodie aus seichten Klimperklängen und dem treibenden Bass sehr mystisch klingt. Das Gitarrensolo hat man dort sehr ausgiebig gestaltet, was durch seine langgezogenen Töne einen guten Anfang hinlegt. Keyboard und Bass harmonieren gut miteinander und führen den Song zu einem angenehmen Ende.

„Follow The Line“ wagt den Spagat aus Power und Progressive Metal, was auch an den hohen Vocals liegen dürfte. Den Instrumentalpart in der Mitte des Songs kann man als Bravurstück bezeichnen, da er das Können der Musiker gekonnt in Szene setzt. Alles sehr stimmig und gut komponiert. Mechanisch beginnt „Slaughtered“ und es kommt einem so vor, als befände man sich in einem Maschinenpark. Das Gitarrensolo tut dem Gefühl ihr übriges, wobei das Keyboardsolo da wie ein 20er Jahre Jazzstück klingt. Der Schluss des Songs klingt tatsächlich wie eine Zeitreise in diese Epoche. Sehr interessant.

Kein Progalbum ohne Epos in Überlänge und dieser bildet „Revelations“ in fünf Akten. Akt I wird bestimmt durch ein Pianosolo, dass von niemand geringeren als Jorden Rudess von Dream Theater eingespielt wird und somit eine Extraportion Klassik hineinbringt. Akt II bekommt den ersten gehauchten Gesang, um die Stimmung nicht zu verderben. Eine Akustikgitarre wird nach fünf Minuten eingebracht und die später einsetzenden Powerriffs nehmen den Pathos des Songs weiter mit und verstärken ihn. Noch zwischendurch ein paar Geräusche wie in einem Hörspiel, bis Akt III mit Panflöten und Riffs die Mystik zurückbringt. Gesanglich hat sich wenig verändert mit Ausnahme der Tatsache, dass der Gesang noch leidenschaftlicher geworden ist. Analog dazu wird auch das Riffing fordernder, bis das Gitarrensolo viel Raum zur Entfaltung bekommt und das zurecht! Akt IV bekommt einen etwas seltsamen Übergang, was aber vom Bass früh verdeckt wird. Man wechselt die Melodien leicht und ebenfalls das Tempo, was aber sehr gut funktioniert. Akt V holt nochmal Anlauf, bis es zum letzten Schlag ausholt. Viel passiert allerdings nicht mehr, denn man belässt es auf weiter Strecke beim Midtempo und einfacherer Melodieführung. Der Schlag kommt aber dennoch durch das letzte Gitarrensolo und die Streicher. Die letzten Takte sind bestimmt durch märchenhafte Keyboardklänge und damit verabschieden sich Vivien Lalu und seine Männer von dieser Hymne.

Nach einem eher unangenehmen Start entwickelt sich die Platte langsam aber sicher zum Überflieger, der das Können sowohl vom Bandboss als auch seinen Mitstreitern aufblitzen lässt. Gerade der 19 Minüter „Revelations“ zeigt seine eigene Klasse, die den Rest der Platte in Grund und Boden spielt. Ausnahmen in einem sonst guten Album sind die ersten beiden Songs, die durch die unharmonischen Taktwechsel fast schon grauenhaft sind. Wie dem auch sei, einem Prog Fan dürfte sich eher an den anderen 8 Songs erfreuen und dass darf er auch ohne Reue.

„Atomic Ark“ ist ein solides Album, das mies anfängt und sich danach zum Goldstück entwickelt. Vivien Lalu hat hier das meiste richtig gemacht und kann mit Ausnahme der ersten beiden Stücke stolz auf sein Werk sein. Ihr solltet vorher erst mal ein Ohr riskieren, aber besonders der Song „Revelations“ ist den Kaufpreis wert.

XXL-BewertungXL

Ben Denkers

Tracklist:

1. Greed
2. War On Animals
3. Tatonka
4. Mirror Prison
5. Deep Blue
6. Bast
7. Momento
8. Follow The Line
9. Slaughtered
10. Revelations

XXL-Tipp

XXL TippxxlSulphurAeon

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