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Ingrimm – Ungeständig

ingrimm cover smLabel: Trollzorn

Spielzeit: 29:20 Min.

Genre: Mittelalter-Metal

Info: Facebook

Album kaufen: Amazon

Hörprobe: Youtube

VÖ-Datum: bereits erschienen

 

Bereits die ersten Sekunden von „Ungeständig“ (dem Titelsong) klingen, als ob großartige Paradise Lost-Piano-Momente der „Draconian Times“-Ära gegen scheußliche Crematory-Elemente ankämpfen würden. Nach eineinhalb Minuten jedoch wird klar, dass keine Verbindung zum restlichen Lied existiert, sogar eine kurze Pause dazwischen erfolgt. Wieso das Ganze dann nicht regulär als eigenständiges Intro markieren? Um den Song künstlich auf knapp über 12 Minuten zu strecken? Nötig wäre das nicht, denn er ist überraschend gut und könnte mit anderem Gesang sogar als sehr gut durch die Ziellinie schreiten.

Dieser ist das große Manko im Klangbild der Band. Wie kommt es eigentlich, dass es in Deutschland diese große Tradition zu schlechten Sängern gibt, welchen dennoch zugejubelt wird? Westernhagen, Grönemeyer, Böhse Onkelz, Sportfreunde Stiller, Rammstein, Lacrimosa, Tocotronic – es ist, über alle Genregrenzen hinweg, nur allzu oft der gleiche Mist: Männer, die nicht singen können und sich dennoch mit stolzgeschwellter Brust wie die Gockel hinter jedes verfügbare Mikrofon stellen. Igitt, wieso nur? Und warum wird das alles in diesem Land auch noch gnadenlos abgefeiert? Zur Ehrenrettung des Ingrimm-Sängers sei gesagt, dass sein Stimmorgan zumindest in meinen Ohren weit angenehmer klingt als alle der soeben genannten Kandidaten. Trotzdem ist er keine Offenbarung und kein richtiger Sänger, wenn auch immerhin etwas vom aufgelisteten „Igitt“-Faktor entfernt; doch mit einer richtig guten Stimme würden sich Ingrimm mit Material wie diesem neuen Song qualitativ deutlich von einigen ihrer Mitbewerber innerhalb der Mittelalter-Szene abheben.

Das Songwriting ist nämlich, gerade im direkten Vergleich mit den restlichen auf dieser EP enthaltenen alten Ingrimm-Songs („Sag mir nicht“, „Stein auf Stein“, „Vogelfrei“) deutlich verbessert und sozusagen raffiniert worden – das Lied ist nicht nur um der schieren Effekthascherei Willen länger und dramatischer geworden, sondern die verfügbare Arrangierkunst ist deutlich hörbar angestiegen. Die alten Songs sind demgegenüber hölzerner, schablonenartiger und phasenweise regelrecht klebrig (insbesondere „Sag mir nicht“). In dieser Verfassung braucht man die Band nicht – für die Zukunft darf man aber vorsichtig gespannt sein. Zumindest, sofern der im Titelsong beschrittene Pfad konsequent weiterverfolgt wird. Für diesen alleine hätte ich nämlich glatt zwei Punkte mehr springen lassen.

Daniel Lofgren

XXL WertungS

Tracklist:

01. Ungeständig
02. Sag mir nicht
03. Stein auf Stein
04. Vogelfrei

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