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Inquisition: Magnificent Glorification of Lucifer

INQUISITION Magnificent Glorification of Lucifer 2004Label: Season of Mist

Spielzeit: 61:58 Min.

Genre: Black Metal

Info: Facebook

Album kaufen: sm-metal-shop

Hörprobe: Youtube

VÖ-Datum: bereits erschienen

 

INQUISITION, die für mich uneingeschränkt zu der Speerspitze des kolumbianischen Extreme-Metal gehören und dabei sogar die zu Popmuckern avancierten Ekhymosis alt aussehen lassen, bringen ihre alten Alben nochmal unter die Menge.
Diesmal ist nach der Wiederveröffentlichung der ersten beiden Platten das dritte Album ,,Magnifient Glorification of Lucifer" aus dem Jahr 2004 an der Reihe, welches laut Infozettel einen wichtigen Schritt in der Musik der Gruppe dargestellt hätte. Dieser Re-Release besticht durch ein neues Coverartwork, das der zum Haus- und Hofzeichner gewordene Künstler Paolo Girardi gezeichnet hat (er hat auch die Cover vom letzten INQUISITION-Album, sowie von den Reissues der ersten beiden Platten gezeichnet) und welches tatsächlich auch bei weitem ansehnlicher rüberkommt als das Original-Artwork. Dazu kommen zwei Bonus-Tracks, die der ursprünglichen Version noch nicht vorlagen. Dem entsprechend behandelt mein Review alle Tracks auf dieser Version und stellt die beiden Bonustracks entsprechend wie die anderen Kompositionen auf eine Stufe.

Der Opener ,, Baptized in Black Goat Blood" brutzelt bitterböse aus den Boxen, wartet aber mit einem sehr eigenständigen Gesang auf, der mich ein bisschen an Enten-Gequake erinnert. Was daran Metal oder Evil oder so besonders sein soll, erschließt sich mir überhaupt nicht. Ich will einen Sänger in der Band haben, dessen Stimme wie Donnerhall aus den Bergen klingt und nicht wie Donald Duck von Walt Disney's lustigen Taschenbüchern.
Die Hoffnung, dass die Stimme sich in ,,Crush the Jewish Prophet" ein bisschen steigert, bewahrheitet sich leider auch nicht. Dabei ist der Gesang doch so ein wichtiges Stilmittel, mit dem die Qualität eines Albums stehen oder fallen kann?
Glücklicherweise ist in musikalischer Hinsicht alles vom Feinsten: es wird kompromisslos und rauhbeinig, aber mit der nötigen Prise Melodie nach vorne gepoltert, hier hat man nichts glatt poliert oder unnötige Spielereien eingebracht, was sich dann im dritten Song ,,Under the Black Inverted Pentagram" auch zeigt. Wenn man versucht, den Gesang auszuklammern, erschließt sich dann auch tatsächlich die musikalische Klasse der Komposition.
Die folgende 6/8-Nummer ,,Of Blood and Darkness We are Born" gefällt durch schöne Melodien und ist auch gut anzuhören, wenn man den gewöhnungsbedürftigen Gesang als perkussives Instrument ansieht.
,,Dark Mutilation Rites" ist dann eindeutig von der Black-Metal-Bewegung der frühen 90er Jahre in Norwegen inspiriert. Das Schlagzeug treibt im Midtempo eindeutig nach vorne, die Riffs reißen dich wie einen tosenden Fluss mit und das Stück hätte trotz des minimalen Aufbaus auch als Instrumental eine gute Rolle abgegeben - was sage ich? Das ganze, bisherige Album hätte als instrumentales Werk eine deutlich bessere Rolle abgegeben. Das Titelstück fällt dann ein bisschen düsterer und schwermütiger aus. Hier fühlt man sich vom rein musikalischen auch an Burzum erinnert, die mit Vikernes schrillem Schreigesang ebenso die Meinungen gespalten haben dürften, wie es hier bei der Stimme von Dagon der Fall ist. Man kann von der fragwürdigen Gesinnung der oben genannten Ein-Mann-Band halten, was man will - das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Vikernes Stimmgewalt die von Dagon auf ,,Magnificient Glorification of Lucifer" locker übertrifft. Das Gleiche gilt dann leider auch für ,,Impaled By The Cryptic Horns Of Baphomet", wo erstklassige Musik auf einen Gesang, der nach Bert aus der Sesamstrasse klingt, aufeinander trifft. Die Künste von Dagon an den Saiteninstrumenten und Incubus am Schlagzeug bleiben unangefochten gut bis großartig. Ich kann auch verstehen, dass man nicht immer mit so vielen Leuten in einer
Band spielen will, wenn es so viele Meinungsverschiedenheiten gibt, aber hätte man nicht in diesem Falle der Qualität der Musik zuliebe einen Kompromiss eingehen und einen vernünftigen Sänger dazu holen können? Mit ,, We Summon The Binds Of Fire" geht's dann auch mal wieder zur Sache. Schnell treibt das Stück nach vorne und zeigt die Musiker in ihrer technischen Hochphase, während ,,Eternal Loyalty to Satan" ganz klar den epischen Höhepunkt des (ursprünglichen) Albums darstellt. Schleppend geht's nach vorne, der Einfluss der epischen Bands aus den 80ern (Manilla Road, Bathory, Cirith Ungol, z.T. auch die gaaanz frühen Manowar) ist unüberhörbar und leitet in den Zugabenteil eines Albums, das unter anderen Umständen zum Klassiker hätte aufsteigen können. Dann kommen die beiden Bonustracks, die während derselben Session aufgenommen wurden und eigentlich für eine Veröffentlichung auf einer Mini-LP vorgesehen waren - wie es der Schicksal will, kam es mal wieder nicht dazu. ,, Within The Red Hellfire We Burn" stellt dabei ein kurzes instrumentales Intermezzo dar, das mich ein bisschen an Nifelheim erinnert, während der siebenminütige Track ,, May The Rays Of A Fullmoon Shine Upon Us" den längsten, regulären Track der wiederveröffentlichten Version darstellt. Das Lied reißt dann im musikalischen Sinne noch einmal alles heraus und stellt eine interessante Verbindung von Bathorys epischen Momenten mit der Finsternis von - O.K., ich sage das zwar ungern, es ist aber einfach Fakt - Burzums Musik und der Tristesse der Band Nargaroth (noch so eine kontroverse Band :P) dar. Hier hätte ich mir nur gewünscht, dass das Lied zu einer anderen Session aufgenommen worden wäre, sodass gesanglich vielleicht es besser geklungen hätte - dafür fügt sich das Lied andererseits aber auch wieder nahtlos in die anderen Nümmerchen ein. Das abschließende, ein-minütige Outro erinnert mich ein bisschen an Bathorys Tradition, immer dasselbe, kurze Outro an das Ende der Platte zu stellen. Auf der Original-Version soll das Outro sogar fast 14 Minuten lang gewesen sein - nach einer Minute Outro folgten dort erst fünf Minuten Stille, dem sich dann eine achtminütige Sequenz, aus Feedback-Geräuschen und verzerrtem Geschrei, sowie Gitarren-Distortion anschlossen. Sicherlich nett anzuhören, aber ich kann gut und gerne darauf verzichten, was man bei diesem Re-Release dann auch lobenswerterweise weg gelassen hat.

Was geben wir also einem Album, das durch den gewöhnungsbedürftigen Gesang von mir fast eine S-Bewertung bekommen hätte, wäre die Musik und das Zusammenspiel der Mitglieder nicht so superb ausgefallen? Und zusätzlich zu der Tatsache, dass der Re-Release ein schönes Cover, aber lediglich zwei zusätzliche Bonustracks ausmacht? Hätte man hier nicht noch die Lieder der ,,Unholy-Inquisition-Rites-EP", sowie diverse Demo- und Proberaumaufnahmen auf einer zweiten CD drauf packen können? Aufgrund der Tatsache, dass das Bonusmaterial alleine nicht reicht, um sich das Album erneut zuzulegen und die Musik zwar super ist, aber durch Dagons Gesang die L-Bewertung nicht bekommen kann, bleibt mir hier leider nichts anderes übrig, als eine M-Bewertung zu geben. Dass Dagon es besser kann, hat er auf den früheren Alben, wo er ambitionierter klingt und auf den späteren Alben, wo er mehr Stimmgewalt hat, gezeigt.

Domenic Saheb Djavaher

XXL WertungM

Tracklist:

01 Baptized in Black Goat Blood
02 Crush the Jewish Prophet
03 Under the Black Inverted Pentagram
04 Of Blood and Darkness We Are Born
05 Dark Mutilation Rites
06 Magnificent Glorification of Lucifer
07 Impaled by the Cryptic Horns of Baphomet
08 We Summon the Binds of Fire (For the Burning of All Holiness)
09 Eternal Loyalty to Our Lord Satan
10 Within the Red Hellfire We Burn (bonus track)
11 May the Rays of a Fullmoon Shine upon Us (bonus track)
12 Outro

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