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John Garcia: John Garcia

JOHN GARCIALabel: Napalm Records

Spielzeit: 44:52 Min.

Genre: Stoner

Info: Facebook

CD kaufen: Amazon

Hörprobe: Youtube

VÖ-Datum: bereits erschienen

 

John Garcia, den ihr alle sicherlich von der Stoner-Legende Kyuss kennt, serviert uns hier sein erstes, selbstbetiteltes Soloalbum voru nd mit diesem versucht er nochmal den Rockplaneten zu erobern. Zumindest ist es ein netter Versuch. Denn der kraftvoll durch die Boxen dröhnende Opener ,,My Mind" zieht einem förmlich die Schuhe aus. Stellt euch dabei vor, wie sich eine riesige Gruppe an Brontosauriern in der Jurazeit durch das Blätterdickicht verlaufen und aufgrund eines LSD-Trips alles platt zertrampeln und durch die prähistorische Landschaft Zickzack laufen. Bei dem zweiten Song ,,Rolling Stoned" hast du durch seine Unbeschwertheit das Gefühl, du kannst fliegen (nur sollte man nach dem LSD-Trip nicht davon ausgehen und von dem Dach springen^^).

Die Produktion ist mal wieder staubig-trocken, sodass der Begriff Wüstenrock hier nicht ganz unpassend sein dürfte. Die Gitarren spielen Dumm-du-du-Dumm-du-du-Dumm und der Bass knarzt schön verzerrt und fusselig und kratzig aus den Verstärkern, die sooo alt sein dürften, dass selbst für meine Oma diese Teile Museumsstücke sein könnten. Tja, und die Lead-Gitarre von Saitenhexer John Garcia himself (er hat tatsächlich alle Instrumente im Alleingang eingespielt) dudelt sich fröhlich durch das Stück hindurch, bevor Stimmungswechsel angesagt ist. ,,Flower" hört sich vom Titel an wie ein fröhlicher Song - und ist es trotz des dramatischen Beginns auch. Dieses Lied hat eine sehr psychedelische Atmosphäre und man hat es förmlich vor Augen, wie man nach seinem letzten LSD-Trip in den Tanzclub geht, wo die Wände voll von verschiedenen, sich ständig verändernden Farben sind, die sich, passend zum Rhythmus dieses Liedes schnell umher bewegen. Dazu singt Garcia, als hätte er beim Singen Pappe zur Abdeckung vor das Mikrofon gelegt, was aber zur Atmosphäre des Stückes passt. Das vierte Stück des Albums schimpft sich ,Blvd", das sehr groovig anfängt und dann in besonders kratzige Gitarren ummündet. Die Stimme von Garcia hat unzählige Effekte in der Strophe drauf, beim zweiten und dritten Refrain schreit er sich dann aber die Seele aus dem Leib und macht ,,Blvd" zu einem vorzeitigen Highlight von ,,John Garcia". Auch ,,5.000 Miles" baut eine vielversprechende Atmosphäre auf. Ein bisschen melancholischer, weniger psychedelisch als die vorherigen Stücke, fühlt man sich hier und da an die alten Black Sabbath und vor allem an Danzig erinnert, was sich auch in der Gitarren- und Rhythmusfraktion zeigt, die hier mehr scheppert als in den anderen Liedern. ,,Confusion" klingt musikalisch sehr schleppend und drone-artig, und Garcia singt im Singer/Songwriter-Style mit klarer, fast schon poppiger Stimme über diese verstörende Gitarrenwand. Der Gegensatz zwischen beiden Elementen macht den Song ganz klar zu einem weiteren Highlight des Albums. ,,His Bullets Energy" ist im wahrsten Sinne des Wortes ein energiegeladener Mix aus Oldschool-Heavy-Metal, Stonerrock und Alternative Rock, während ,,Argleben" mehr als authentisch die Atmosphäre der 60er und 70er Jahre einfängt. Zu ,,Saddleback" und ,,All These Walls" kann ich eigentlich nur noch sagen, dass sie ebenfalls sehr unterhaltsam geworden sind und den Hörer davor retten, das Album schon früher von seinem Plattenteller, bzw. CD-Schrank nehmen zu müssen. Dementsprechend finden sich in diesen Songs die vorherigen Elemente wieder, die hier aber wieder auf interessante Art und Weise in einer interessanten Konstellation dargeboten werden. Das letzte Lied, ,,Her Bullets Energy" ist der einzige Song auf dem Album mit Akustik-Gitarren, der den Spirit der vorangegangenen Songs mit der Musikalität von klassischer Gitarrenmusik und einer Prise Liedermacher-Style verbindet und für ein mehr als ausgezeichnetes Album einen perfekten Abschluss darstellt.

John Garcia hat es tatsächlich geschafft, ein für sich schlüssiges und unterhaltsames Soloalbum heraus zu hauen, bei dem jedes Lied für sich einen eigenen Stil darstellen könnte, aber alles zusammen von einem roten Faden durchzogen wird. Dieser rote Faden dürfte das Bauchgefühl von Garcia Himself sein und seine Intuition, Sachen zu schreiben, die sicher nicht so weit weg von dem sind, was er mit Kyuss gemacht, die aber trotzdem anders klingen. Stonerrock hier, Doom Metal da, Drone und experimentelle Elemente dort und woanders wieder 60er&70er Hardrock/Old-School-Heavy-Metal, technisch anspruchsvolle Elemente kommen ebenfalls vor. Trotzdem wirkt das Album zu keiner Sekunde gewollt, alle Elemente klingen zusammengebündelt so, als ob sie schon immer zusammen gehört hätten und ich würde mich nicht wundern, wenn das Album bald im Atemzug mit den stärkeren Alben von Down, Graveyard, Blue Cheer oder den Melvins genannt wird. Und weil dieses Album eine tiefe Verneigung vor allen Rock- und Metalgrössen ist und John Garcia seine Stimme sehr variabel einzusetzen weiss und alles zu jeder Sekunde mit viel Herz und Liebe aufgenommen zu sein scheint, fährt John Garcia  zusätzliche Sympathiepunkte ein, die die Bemerkung, dass das Album die Höchstnote bekommt, fast schon überflüssig machen.

Domenic Saheb Djavaher

XXL WertungXXL

Tracklist:

01. My Mind
02. Rolling Stoned
03. Flower
04. The Blvd
05. 5000 Miles
06. Confusion
07. His Bullets' Energy
08. Argleben
09. Saddleback
10. All These Walls
11. Her Bullets' Energy

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