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Ensiferum: One Man Army

ensiferum 2015Label: Metal Blade Records

Spielzeit: 53:04 Min.

Genre: Power Folk Metal

Info: Facebook

CD kaufen: Amazon

Hörprobe: Youtube

VÖ-Datum: bereits erschienen

 

Es gibt Stimmen, die behaupten, Ensiferum seien einfach nicht mehr so gut, seit Jari Mäenpää die Band 2004 nach „Iron" verlassen hat. Doch während sich Mäenpää mit seiner neuen Band Wintersun und „Time I", das acht (!) Jahre auf sich warten ließ, mächtig verrannt hat, haben Ensiferum mit den folgenden Alben weiter abgeliefert. Die stetige Entwicklung der Finnen kulminierte 2009 in „From Afar", ihrem vielleicht besten Album. Der aggressiv-dynamische Power Folk Metal verband sich mit einer gut gewählten Portion Bombast und interessanten Spielereien zu harten Metalnummern und den beiden epochalen „Heathen Throne"-Teilen.
Auf dem 2012 veröffentlichten „Unsung Heroes" kippte das Ganze gewaltig. Zu sehr verzettelte man sich in übertriebenen Arrangements und verlor die eigenen Stärken und meist auch die Songs selbst aus dem Blick. Das nun erschienene sechste Album schlägt unglücklicherweise eine ähnliche Richtung wie sein Vorgänger ein.

Häufig fällt auf, dass mit steigenden Budgets die Qualität eines Albums leidet, so paradox das auch klingt. Gibt man ambitionierten Musikern zu viel Geld und vor allem Zeit, neigen viele dazu, ihre Kompositionen zu oft zu analytisch zu betrachten und so lange daran zu feilen, bis alle Kanten und damit jeglicher Charakter verschwunden sind. Hört man „Unsung Heroes" und nun das neue Werk, liegt die Vermutung nahe, dass auch Ensiferum in diese Falle getappt sind. Sami Hinkkas Aussage, man lege „jede Note, jeden Akkord auf die Goldwaage, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen", scheint dies zu bestätigen.
Viele Songs auf „One Man Army" wirken jedenfalls sehr kalkuliert, als wären sie am Reißbrett konzipiert und mit gewünschten Live-Aktivitäten im Hinterkopf – hier soll gebangt, dort mitgeklatscht werden – minutiös durchgeplant worden. Die unbändige Dynamik und ansteckende Spielfreude, die Ensiferum auf den ersten Alben auszeichnete, sucht man meist vergebens (auch wenn die „Axe of Judgement" gleich mal ordentlich nach vorne stürmt).
Als wolle man diesen Mangel überdecken, sind fast alle Lieder mit symphonischen Arrangements sowie Chören, Chören und Chören überfrachtet. Aber auch diese können nicht darüber hinwegtäuschen, dass so mancher Song inhaltlich sehr dünn und künstlich aufgeblasen daherkommt („Cry for the Earth Bounds").
Dass Ensiferum ihr Gespür für stimmungsvolle Melodien nicht verloren haben, zeigen das Intro und kurze Intermezzo „Burden of the Fallen". Hört man genauer hin, findet man auch in anderen Stücken immer mal wieder interessante Elemente zwischen dem sonstigen Ballast. Und ab und an formt sich aus allem sogar ein halbwegs ordentliches Lied („Warrior without A War").
Würde man „One Man Army" nach dem siebten Track ausmachen, dem Album könnte man trotzdem kaum etwas Besseres als ein schwaches M attestieren. Auf der Platte befinden sich jedoch elf Stücke und ab dem achten Streich präsentieren sich Ensiferum wie ausgewechselt.

„Two of Spades" (Ensiferums Antwort auf den Motörhead-Schlager?!) macht von Beginn an keine Gefangenen. Ein schnörkelloser Metalkracher, der mit galoppierenden Drums und einem flotten Gitarrenriff zu fesseln weiß und in einem tollen mehrstimmigen Refrain gipfelt. Der groovige Mittelteil entfacht dann mit Pfeifen und Peitschenhieben eine gelungene Westernstimmung (Country-Metal ftw!). Und auch Dschinghis Khan (Huh! Hah!) lassen grüßen. Was ein Spaß!
Danach wird es episch, denn die folgenden beiden Songs bilden zusammen den dritten Teil von „Heathen Throne", mit dem die Finnen nicht nur namentlich wieder an die Qualität von „From Afar" anknüpfen. „My Ancestor's Blood" vermittelt eben jene Epik, die sich dank eines stimmigen Songaufbaus kontinuierlich steigert. Orchester und Chöre werden hier vergleichsweise dezent eingesetzt und geschickt integriert, so dass sie den Song unterstützen, nicht überlagern. Das ruhige Ende geht fließend in „Descendants, Defiance, Domination" über, den obligatorischen 10-Minüter (diesmal 11:20 lang).
Mit vorsichtigen Gitarrenakkorden beginnt eine minutenlange Einleitung, wie man sie zum Beispiel von „Victory Song" kennt. Von einem gefühlvollen Klavier begleitet, schaffen die Instrumentierung und vor allem der eindrucksvolle Bass eine fesselnde, zuweilen bedrohlich anmutende Atmosphäre. Der Song wächst immer weiter und vereint alle Elemente, die einem bisher auf „One Man Army" begegnet sind, zu einem wirklich großen, in sich schlüssigen Finale. Ein würdiger dritter Teil der „Heathen Throne"-Saga!
Als Rausschmeißer erhält man mit „Neito Pohjolan" noch eine vergleichsweise einfache, Eurovision-kompatible Country-Nummer, die von weiblichem Gesang auf Finnisch vorgetragen wird und durchaus Spaß macht.

Ensiferum gehen auf „One Man Army" den auf dem Vorgänger eingeschlagenen Weg weiter und verlieren vor lauter Bombast zu oft das Wesentliche aus den Augen. Die Finnen zeigen aber auch, dass sie die Qualität vergangener Tage durchaus noch abrufen können. Die letzten vier Lieder, die es immerhin auf knapp 24 Minuten bringen, reißen daher viel raus, können den schwachen Rest aber auch nicht ungeschehen machen. So bleibt für „One Man Army" unterm Strich nur ein wohlgemeintes L stehen.

Christian Schrübbers

 XXL WertungL

Trackliste:

01. March Of War
02. Axe Of Judgment
03. Heathen Horde
04. One Man Army
05. Burden Of The Fallen
06. Warrior Without A War
07. Cry For The Earth Bounds
08. Two Of Spades
09. My Ancestor's Blood
10. Descendants, Defiance, Domination
11. Neito Pohjolan

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