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Crematory – Oblivion

creamtory 2018Label: Steamhammer / SPV

Spielzeit: 53:21 min.

Genre: Gothic Metal

Info: Facebook

Album kaufen: Amazon

VÖ-Datum: bereits erschienen

1886 erfand ein junger Mann namens Carl Benz das erste Automobil und läutete damit den Tod der Postkutsche ein. Wenn man den Erzählungen der Band The Buggles aus dem Jahre 1980 glaubt, wurde zu jener Zeit der Radiostar vom Musikvideo verdrängt und 1996 versetzte die DVD der VHS Kassette den Gnadenstoß. 2002 verschwand die D-Mark und wir bekamen den Euro und in all dem Trubel machte sich das sagenumwobene Dateienformat MP3 auf den Weg, den Musikmarkt zu erobern.
Diese Neuigkeit hat sich geschlagene 18 Jahre, nachdem Metallica gegen Napster vor Gericht zog, und 13 Jahre nachdem die Rock Band Moop aus South Park in Colorado einen Musikerstreik anführte, nun auch bis in die Süddeutsche Provinz herumgesprochen. Zu diesem Zeitpunkt wäre dem geneigten Leser wahrscheinlich auch ohne die Überschrift längst klar, um welche Band es an dieser Stelle geht.
Markus Jüllich von den Gothic Metallern Crematory“ hat mit seinem (jetzt schon legendären) „Bekommt euren Arsch hoch“-Statement für die wohl größte Kontroverse der letzten Jahre im deutschen Metal gesorgt. Anders als erhofft, hat er damit aber keine Gewissensdebatte angestoßen über die Wertschätzung von Musik und dem Kaufverhalten der Szene, sondern lediglich eine digitale Freakshow eröffnet in deren Mittelpunkt ein Mann steht, der scheinbar den Anschluss an die Zeit verloren und der geschlagene 18 Jahre auf dem Mond verbracht hat.
Eigentlich ist es schade, das ich „Oblivion“ hier nicht wie eine normale Platte besprechen kann, dann wäre die Review nämlich schnell zu Ende. Nach der dicken Lippe die Jüllich in seinem Statement riskiert hat, wäre das einzige, was den Karren noch einmal aus dem Dreck hätte holen können, ein absolutes Granatenalbum gewesen. Leider rangiert die Scheibe irgendwo zwischen Bumsmusik für Ü40-Gruftis und „schon 1000 mal gehört“. Wer meine Reviews hier normalerweise liest, der weiß, dass ich mich mit solch krassen Urteilen im Normalfall zurück halte. Als ich vor einiger Zeit die neue Atrocity so schlecht bewertet hatte, war mir das schon fast unangenehm, da ich immer auch die Mühen und das Herzblut hinter solchen Projekten würdige, alleine schon weil ich selber auch schon mal auf der anderen Seite vom Schreibtisch saß und Musik die ich gemacht hatte, anderen zur Bewertung vorgelegt habe.
Das Zauberwort für diese Form des Umgangs heißt allerdings Respekt und den kann ich bei Crematory nicht mehr erkennen. Da wird mit einer bornierten Rockstar-Attitüde auf das eigene Publikum los gegangen, das ich vor Fremdscham eine Gänsehaut bekomme. Es ist irgendwo zwischen bodenloser Frechheit und Realitätsverweigerung, wenn ich lesen muss, wie ein erwachsener Mensch, der bald gestandene 30 Jahre im Musikbusiness unterwegs ist, die einfachsten Regeln des Marktes nicht zu verstehen scheint. Diese mangelnde Kompetenz dann auch noch mit einem „Wir sagen ja bloß was alle denken und wir haben den Durchblick“-Pathos überdecken zu wollen, das treibt mir ernsthaft die Zornesröte ins Gesicht.
Lieber Markus, mag sein, dass da der Liberale in mir spricht, aber der Markt ändert sich, das hat er immer schon getan und das wird er auch immer tun und du hast genau zwei Möglichkeiten damit, umzugehen. Entweder, du erkennst die Zeichen der Zeit und kommst in Bewegung, oder (und das scheint in diesem Fall wohl das Beste zu sein) du trägst Crematory wirklich zu Grabe. Vielleicht solltest du dir aber auch die Frage stellen, ob nicht einfach das Produkt scheiße ist, wenn es der Kunde nicht abnimmt, dein neues Album wäre in jedem Fall ein gutes Indiz dafür. Vielleicht ist eure Zeit einfach vorbei, der Zenit überschritten und der Drops gelutscht. Vielleicht bietet ihr einfach nicht mehr das, was Menschen dazu bewegt, Geld für euch auszugeben, in welcher Form auch immer.
Apropos Geld. Dass sich jemand über mangelndes Geld beklagt, der eine eigene Assekuranz in einer renommierten Versicherungsgesellschaft leitet, mutet schon etwas seltsam an, erklärt aber immerhin ein wenig woher dieser Strombergartige Ausfall gekommen sein könnte. Versteh das nicht falsch, ich weiß was der ganze Spaß kostet, genau so wie hunderte andere Musiker dort draußen auch, die lieber überlegen, wie sie dem Publikum etwas bieten können, anstatt darüber zu heulen, dass man ihnen den schnöden Mammon nicht hinterher wirft. Aber dass man mit Metal nicht reich wird (bis auf ganz wenige Ausnahmen), das sollte ja selbst bei dir irgendwann mal angekommen sein.
Auf den ganzen Rest, unter anderem darauf, wie respektlos und herablassend du mit den Menschen in den Kommentarspalten umgegangen bist, darauf will ich hier gar nicht mehr eingehen, ich denke, da wird Hopfen und Malz verloren sein. Auch dass du dich über die gemeinen Knebelverträge beschwerst, die Schuld daran sind, dass du dank MP3 nur noch Pfennige bekommst, die ja aber von dir selber ausverhandelt und unterschrieben wurden, möchte ich jetzt keine Worte mehr verlieren.
Aber eins sei noch gesagt. Die einzigen, die ihren Arsch hoch bekommen müssen, dass seid ihr und zwar als aller erstes mit einer saftigen Entschuldigung und dann könnt ihr nochmal versuchen ein ordentliches Album zu machen.

Ohne Wertung

Kai B.

Tracklist:

1. Expectation 1:27
2. Salvation 4:36
3. Ghost Of The Past 3:59
4. Until The Dawn 4:36
5. Revenge Is Mine 4:50
6. Wrong Side 4:12
7. Stay With Me 4:13
8. For All Of Us 4:06
9. Immortal 3:32
10. Oblivion 4:52
11. Cemetary Stillness 4:50
12. Blessed 4:02
13. Demon Inside 4:06

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