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Starflavour und The Pleasures

Bereits im Vorfeld zeichnet sich eine glamouröse Nacht ab, als sich die junge Hamburger Band Starflavour zusammen mit den ebenfalls aus der Hansestadt stammenden The Pleasures am 13.11. anschickt das Logo zu rocken. Mitten in der Woche bei frischen Außentemperaturen sind die Hamburger nicht sehr ausgehfreudig… dürfte man meinen. In der Halle jedoch zeigt sich ein anderes Bild, etwa 80 Anwesende sind gekommen, um zu feiern und dem Glam Rock der Norddeutschen zu frönen.

Den Auftakt des Abends macht die junge Band Starflavour, welche sich erst vor etwas mehr als zwei Jahren gründete und derzeit fleißig an ihrem Erstling feilt. Einigen der anwesenden Fans sind offensichtlich weder die Band noch die Songs unbekannt, so dass die Jungs gemeinsam mit ihnen eine fette Party feiern können. Starflavour stehen für ein wildes Gemisch aus Glam und Hard Rock mit einer frischen moderneren Prise, ohne dabei den Glitzerstaub von den Gitarren zu wischen. Der Sänger dominiert das Bühnenbild mit einer starken Präsenz, so dass man kaum die Augen von ihm abwenden kann. Die Instrumentalfraktion verschwindet ein wenig schüchtern dahinter, aber gegen Ende des Auftritts wird auch selbige mutiger, zeigt sich vorn am Bühnenrand und übt sich auch ein wenig im Posing.

Im Gegensatz zu den Outfits von The Pleasures und auch zu denen einiger Fans wirkt der Look von Starflavour beinahe etwas altbacken und „normal“ mit lediglich einem Hauch der Glam-Pioniere von Mötley Crue. Das Publikum stört diese Tatsache nicht, es erfreut sich im letzten Teil des Gigs an dem Obenohne-Striptease des Sängers und genießt die rockige Musik der Hamburger. In die gut 40 Minuten Spielzeit quetscht der Vierer neun Songs, so dass für die Ansagen kaum Zeit bleibt. Angesichts der Tatsache, dass die Stücke von einem recht guten Sound in Szene gesetzt werden und mächtig rocken, stören die knappen Ansagen kaum jemanden. Die Hanseaten erschüttern das Logo mit Stücken wie ‚Atomic Drops‘ oder ‚‘That’s what I hate, welche beim Publikum gut ankommen und in den vorderen Reihen einige zum Mitsingen und Headbangen verleiten. Nicht wenige wundern sich nach dem Gig, dass Starflavour noch keine Diskografie aufzuweisen haben, die Qualität der Songs hätte längst für einen Plattenvertrag reichen müssen. Bleibt zu hoffen, dass sich möglichst schnell ein Label dieser vielversprechenden Truppe annimmt und die Hamburger sich dann auch insgesamt etwas selbstbewusster auf den Bühnen dieser Welt präsentieren.

Setlist Starflavour:

A Life in solitude
Fragments of Fame
Admiral
Atomic Drops
That’s what I hate
80’s child
Hypnotic Poison
Victim InScene
Night Camouflage

The Pleasures sind seit 2004 fester Bestandteil der Hamburger Musikszene und genau das merkt man den Jungs auch an. Zum ersten Mal, zumindest für die meisten Anwesenden, wird die Bühne im Logo wir bei einer Theaterinszenierung durch einen Vorhang verdeckt. Einige versuchen durch die Spalten zu schauen und werden schier erschlagen von der Glitzerpracht, die sich ihnen dort bietet.
Von Seiten des Publikums kommt es zu einem Seitenwechsel: Während es nun eher die glitzerbuntgekleideten Fans nach vorne zieht, verstreuen sich die zuvor an der Bühne rockenden Hardrocker in hintere Gefilde. Einige wissen bereits im Vorfeld was sie erwartet, während andere gespannt auf die Öffnung des Vorhangs warten.
Als es schließlich soweit ist, wird es bunt und glitzerig auf der Bühne des Hamburger Logos. The Pleasures lassen kein Klischee aus und erfüllen schon allein damit die Erwartung vieler Fans. Dass diese Jungs aber auch über diese Grenzen hinausgehen, wird sich später am Abend noch zeigen. The Pleasures zeigen Starflavour und vielen anderen Bands definitiv wie man Show macht: witzige und spannende Ansagen, immer wieder Stilbrüche hinsichtlich der Genres und Outfits, so dass der Name der Band absolut zum Programm wird und Abwechslung pur geboten wird.
Ist der Vorhang einmal zur Seite gezogen hat Sänger Dancette Pleasure beinahe sprichwörtlich Hummeln im Hintern und rennt von einer Seite der Bühne zur Anderen ohne dabei das Posieren zu vernachlässigen. Währenddessen macht er Ansagen, wechselt mehrfach das Kostüm und hält die anwesenden Zuschauer ordentlich auf Trab. Ein Großteil braucht gar keine Animation und macht freiwillig mit beim fröhlichen Singen und Tanzen. The Pleasures blicken stolz auf eine recht lange Bandgeschichte zurück und präsentieren daraus unterschiedliche Werke älterer und neuerer Machart, wobei der Fokus deutlich auf dem druckfrischen Werk „Socks, Drags & Rock’n’Roll“ liegt. Die Bandbreite dabei ist recht groß, von beinahe metallischen wilden Kreationen bis hin zu tanzbaren Technotracks. Für ein paar der anwesenden Zuschauer ist diese kreative Genreverbundenheit zu viel des Guten, auch König Alkohol hilft nicht immer, vor allem nicht wenn der nächste Tag ein Arbeitstag ist. The Pleasures spüren das auch und können es gemäß einer Ansage kaum erwarten das Logo mal wieder an einem Samstag zu rocken, wenn die Party feuchtfröhlicher ist als an einem normalen Wochentag, aber auch so zaubern die Stücke vielen Fans ein Leuchten ins Gesicht.
Trotz des etwas spärlichen Alkoholflusses mangelt es an einem nicht: an bunter Vielfalt. The Pleasures geben sich sichtlich Mühe die Anwesenden stets aufs Neue zu überraschen und wirbeln gefühlt bei jedem Track des beinahe 2stündigen Sets mit drei unterschiedlichen Outfits über die Bühne. Optisch gibt es dabei sowohl Anleihen bei Marilyn Manson als auch bei den Helden der klassischen Glam-Ära, unterstützt von Unmengen Dekomaterialien. Später am Abend lassen The Pleasures es bunte Leuchtstäbchen ins Publikum regnen, welche von diesem begeistert aufgenommen werden und für allerlei Verzierungen missbraucht werden.
Ein bisschen schade ist es lediglich, dass man viele Stücke oder Teile aus dem Set meint schon mal gehört zu haben, bei einigen ist die Anlehnung an das Original derart nah, dass es kaum zu überhören ist. Dem Spaß tut dies jedoch keinen Abbruch und so feiern einige ausgiebig mit den Hanseaten. Manche sind nach dieser Party derart gut gelaunt, dass es sie noch auf den Kiez zieht, die Bands werden nach den anstrengenden und durchgepowerten Shows sicherlich einfach nur ins Bettchen fallen.

Setlist The Pleasures
Yes It’s us
Shake life
I am so
Freedom
Dead but still alive
If you won’t stop then I’ll start
When You’re dead
1000000000 friends
Wanderlust
Voyeur
Türkischer Mosh
Das Homogen
Monster Mosh
Sweet Transvestite
Break all the walls
Are you bored of getting older
Encore: Glorywhole + Some like it rock

Alles in allem wird den Anwesenden an diesem Tag ein stimmiger Konzertabend geboten, welcher mit anständigem Sound in Szene gesetzt wird. Zwei sehenswerte, aufstrebende Hamburger Bands geben sich an diesem Abend bei geringem Eintrittsgeld die Klinke in die Hand, so dass ein Besuch des Logos durchaus lohnt, auch wenn die Party an einem Wochentag gefeiert wird.

Dankeschön für die Fotos: Nadine Thomsen (https://www.facebook.com/pages/Nadine-Thomsen-Photography/263796470410137)

Wiebke Hörmann

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