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Every Time I Die, Cancer Bats, Set Your Goals & Make, Do And Mend in Hamburg

cancerIn Zeiten steigender Rohölpreise ist es nur verständlich, dass man zur Reise über den großen Teich größere Tourpackages schnürt. Grobe Richtung sollte für diese Konstellation der Hardcore sein, jedoch stilistisch weit gefächert. Eröffnet wurde der Abend von der aus Conneticut nach Bosten verzogenen Gruppe „Make, Do And Mend“, die selber feststellten, dass wohl kaum einer der Zuschauer sie je zuvor gesehen habe, sie sich aber sehr über das herzliche Willkommen und das bereits um kurz nach halb neun gut gefüllte Knust freuten. Ihr melodischer Hardcore glitt zuweilen in Collegerock-Gefilde ab, was primär durch die mitreißenden Melodien bedingt war. Der abwechslungsreiche und sichere Gesang von James Carroll schaffte es, zwischen der Leichtigkeit des Poprocks und der härteren, eher punkrockigen Passagen trittfeste Brücken zu schlagen.

Die sieben gespielten Lieder bewegten sich zumeist im Uptempo-Bereich und überzeugten, sicherlich auch dank des hervorragenden Sounds, das Publikum, Carrolls Vermutung über ihre Unbekanntheit in Deutschland zukünftig entgegen zu wirken.

Bis zur Decke und in ganzer Breite ausgenutzt präsentierte sich der Merchandise-Bereich im Vorraum des Knust, hier gab es nicht nur viel zu gucken, sondern auch viel zu plaudern, da einige Mitglieder der einzelnen Bands es sich nicht nehmen ließen, selber ihre Waren unters Volk zu bringen. Gemütlich auf einem der Sofas platziert, beobachtete ich das rege Treiben und war begeistert, dass insbesondere viele Vinyls die Thekenseite wechselten. So verpasste ich nach nur 15minütiger Umbaupause glatt den Beginn von „Set Your Goals“ gegen 21.15. Zum Glück bietet das Knust im gemütlichen, barbestückten Vorraum eine Großbildleinwand mit Liveübertragung aus dem Club. Matt Wilson und Jordan Brown, den beiden dauerhüpfenden Frontern der Kalifornier, schmeichelte allerdings die Kameraposition gar nicht, erschienen sie doch als eine moderne Pat&Patachon – Version. Laut eigener Aussage bringen die zwei Sänger gemeinsam gerade für das Publikum eine besondere Dynamik, dagegen spricht, dass ihre Stimmen sich sehr ähneln, höchstens die fließenden Übergänge in den Gesang des jeweils anderen rechtfertigen die Zweisamkeit am Mikrofon. Ob es an den Bewegungsradien der restlichen Bandmitglieder oder der Bandgröße an sich lag, lässt sich schwer feststellen, einen der zwei Gitarristen jedenfalls verhalf die Bühnenaufteilung zu einem 1A-Blick auf die Rückseite einer hängenden PA-Box, wohingegen das Publikum ihn kaum sah. Die munteren Lieder der Gruppe ließen auch hier immer wieder Filmsequenzen mit offenen Cabrios, die von einer US-amerikanischen Bildungseinrichtung davonbrausen (sofern man in den USA davonbrausen darf) aufflackern. Das Publikum ging die gute halbe Stunde Spielzeit freudig mit, einige zeigten sich sogar sehr textsicher.

Ziemlich genau um 22.00 übernahmen die Kanadier „Cancer Bats“ die Bühne und das gleich, in Gedenken an Adam Yauch, mit dem Beastie Boys-Cover „Sabotage“. Es ist schwer zu sagen, wie oft Sänger Liam Cormier überhaupt Luft holte, schrie er sich doch beharrlich die Seele aus dem Leib, griff dabei aber immer wieder gekonnt die Melodien auf und verwob sie in seiner Energieentladung, die ihn keine Sekunde still stehen ließ. Den rotzigen Anwandlungen ihres punkigen Hardcores wurden ein ums andere Mal starke Melodien gegenübergestellt; die vier warteten mit großer Spielfreude und astreinem Taktgefühl auf. 50 Minuten lang gaben die „Cancer Bats“ Vollgas und spielten sich durch weite Teile ihrer bisherigen Veröffentlichungen, wobei natürlich auch Lieder des 2012’er Albums „Dead Set On Living“ präsentiert wurden.

Anfang März erschien mit „Ex Lives“ das sechste Studioalbum von „Every Time I Die“, bereits 2 Wochen zuvor wurden Pre-Orders versandt; bei so viel Fanliebe kann das Gebaren von Keith Buckley wohl nur als Ironie verstanden werden. Wobei verstehen an diesem Abend schwer fiel, wallte doch ein so nuscheliger Slangozean über die Rampe, dass ich zeitweise annahm, er wollte gar nicht verstanden werden. Die Galerie blieb zwar geschlossen, doch der untere Bereich war sehr gut gefüllt und Buckley zeigte sich sehr verwundert darüber, dass an einem Mittwochabend doch so viele Besucher kamen – hatte wohl den deutschen Feiertagskalender nicht gelesen, am nächsten Tag war Christi Himmelfahrt. Aufforderungen der, reichlich vertretenden, weiblichen Gäste zum Abgehen, mit der Versicherung, sie würden schon auf die Handtaschen aufpassen, konnten ob des monotonen Sprechens schwer nach Ironie oder Arroganz eingeordnet werden. Das hohe Tempo der Show und die überzeugende Darbietung der Songs ließ aber vermuten, dass „Every Time I Die“ letztlich doch ganz gerne auf der Bühne stehen. Von selbiger wollte das Publikum sie nach einer knappen Stunde auch kaum ziehen lassen, doch ziemlich genau um Mitternacht war Schluss.

Durch die kurz gehaltenen Spielzeiten und die Bandbreite der Bands war es ein sehr vergnüglicher und kurzweiliger Abend. Sollten solche gelungenen Tourpackages das Resultat steigender Reisekosten sein, hat die leidliche Benzinpreissteigerung eben doch auch eine gute Seite.

Julika Quickert

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