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Bliksem im Interview

Ein ganz hervorragendes Album haben Bilksem dieser Tage herausgebracht. Natürlich haben wir daraufhin ein paar investigative Fragen nach Belgien geschickt. Lest Euch die Antworten durch und Ihr werdet erfahren, was Janis Joplin mit Metal zu tun hat und warum blaue Haare scheiße auf Tour sind!

bliksem 2015

(Bildquelle: Oktober Promotion)

Grüße aus Deutschland, wie geht es Euch?

Uns geht´s gut, danke!

Erst mal Glückwunsch zum neuen Album, das unglaublich gut geworden ist!

Nochmals danke! Es ist nett, so positive Reaktionen zu bekommen.

Fangen wir ganz vorne an, bitte stellt Euch selber vor! Wer macht was bei Bliksem?

Peggy Meeussen – Gesang; Toon Huët und Jeroen De Vriese – Gitarren; Jan Rammeloo – Bass; Rob Martin – Drums.

“Gruesome Masterpiece” ist ein großartiges Album geworden, seid Ihr selbst zufrieden damit und was sagt Ihr zu den vielen, extrem positive Reviews?

Rob: Wir sind definitiv zufrieden und wirklich stolz auf das Teil. Aber ich glaube nicht, dass einer von uns so eine überwältigende Resonanz erwartet hätte. Jeden Tag bekommen wir mehr positive Bewertungen!
Das Album ist unglaublich vielseitig, von harten Thrash-Songs bis zu dem genialen Doom-Monster „Morphine Dreams“, trotzdem ist es extrem homogen. Wie habt Ihr das gemacht? Waren alle von Euch am Songwriting beteiligt?

Rob: Ja, wir waren alle Teil davon. Nun wir spielen einfach das, was wir mögen und zu uns passt. Es gibt da keine geheime Formel oder so etwas… wir sind einfach verschiedene Leute mit vielen verschiedenen Einflüssen und wir versuchen einfach nur gute Songs zu schreiben und das zu spielen was wir mögen.

Was sind Eure musikalischen Idole und Einflüsse? Welche Bands haben Euch zum Metal gebracht?

Rob: Mein erster wichtiger Einfluss war sicherlich Queen. Von da an bin ich nach und nach von Pink Floyd, Deep Purple und King Crimson über Black Sabbath zu Megadeth, Metallica, Sepultura, My Dying Bride und Cathedral gekommen. Ich hatte auch eine kurze Power Metal Phase, dauerte aber nicht lange.
Peggys größter Einfluss ist Janis Joplin, was keine große Überraschung sein dürfte. Sie hört auch eine Menge alter Iron Maiden und Guns´N Roses. Wir sind alle in den Neunzigern groß geworden, so haben wir automatisch einiges von der damaligen Alternative Rock Musik mitbekommen, genauso wie der mehr experimentelle Stoff, den es im Thrash und generell im Metal zu der Zeit gab. Und wir mögen alle Classic und Stoner Rock.

BLIKSEM coverIhr transportiert mit Eurer Musik und mit Peggys Gesang eine Menge starker Emotionen. Ist das bei Euren Texten ähnlich? Worüber handeln sie und wer schreibt sie?

Rob: Da waren wirklich einige starke Emotionen beteiligt, wie die Texte zustande gekommen sind. Peggy schreibt diese komplett allein. Sie handeln von Dingen, die sie interessieren, wie zum Beispiel Serienkiller (sie hatte immer schon eine Vorliebe für Serienkiller!), oder Mythologie (wie bei „Mistress oft he damned“), aber in den meisten Fällen geht es um persönliches Zeug. Um es klar zu sagen: Peggy hat in ihrem Leben viele Probleme und Pech gehabt und sie verarbeitet dies in ihren Texten als eine Art Therapie. Das erklärt, warum es so ein düsteres Album geworden ist.

Einen großen Anteil am Erfolg des Albums hat ohne Zweifel die großartige Stimme von Peggy. Wie hast Du so eine wunderbare Stimme bekommen? Wurde es Dir in die Wiege gelegt, oder ist sie das Ergebnis von jahrelangem Üben und harter Arbeit?

Peggy: Ich denke, es ist von beidem etwas. Ich habe in einem sehr jungen Alter mit der Musik angefangen, weil mein Vater dachte, ich hätte großes Talent. Ich habe es total gehasst, jeden Tag in der Woche gab es Klavierunterricht, Gesangsunterricht, Singen im Chor… im Nachhinein bin ich glücklich, dass er mich so gepuscht hat, diese Dinge zu erlernen, denn ich glaube, ich wäre ansonsten nicht die Sängerin, die ich heute bin.
Die Sache ist, seitdem ich eine Janis Joplin Platte in der Sammlung meiner Schwester gefunden habe, wollte ich genauso singen, aber mein Vater bestand darauf, dass ich eine klassische Ausbildung mache, Rock Musik war ein großes „No-Go“
Vielleicht habe ich auch deshalb, vor Bliksem, immer nur in Bands mit meiner klaren Stimme gesungen. Ich habe einfach nicht den Dreh bekommen, „heavy“ zu singen. Glücklicherweise habe ich mit Bliksem die Möglichkeit gefunden, mich auszuprobieren und meine eigene Stimme zu finden. Ich muss gestehen, dass die ersten paar Jahre nicht wirklich einfach waren, ich war nach jeder Probe heiser, hatte Halsschmerzen usw. Aber jetzt ist das alles kein Problem mehr. Meine Stimme wurde stärker und nun kann ich locker ein paar Shows machen, ohne meine Stimme zu verlieren.

Seit Eurer Gründung 2007 gab es bei Euch keinen Wechsel im Line –Up. Was ist Euer Geheimnis? Seid Ihr auch privat ein Herz und eine Seele?

Rob: Da gibt es kein großes Geheimnis. Es ist einfach eine Sache der Zusammenarbeit, seine Probleme zu lösen und einander zu respektieren. Es ist nicht immer einfach, wenn fünf Leute gemeinsam Songs schreiben, aber es scheint mit den Jahren besser zu funktionieren. Mittlerweile kann ich es mir gar nicht mehr anders vorstellen. Wir hatten unsere Probleme, aber so weit, so gut. Je besser man es schafft Probleme zu überwinden, desto besser lernt man, als Team zu funktionieren.

Leider kenne ich Eure EP und Eurer erstes Album „Face the evil“ noch nicht. Aber wenn ich mir so das Cover-Design und das Logo ansehe, so gibt es da einen klaren Bruch zum neuen Album. Reiner Zufall, oder eine gewollte „Neuorientierung“? Hat sich Euer Sound auch zwischen Album Nummer 1 und Nummer 2 geändert?

Rob: “Face the evil” war ein sehr thrashiges Album und wurde auch so präsentiert. Im Nachhinein war es doch ein wenig zu einfach und sauber für unseren Geschmack. Wir alle wussten, dass unser nächstes Album vielfältiger, organischer und dunkler klingen würde. Wir mussten das gar nicht ausdiskutieren, es war ein gemeinsames Gefühl. Wir alle wussten, dass sich etwas ändern musste. Deshalb gibt es definitiv einen Unterschied im Sound und das neue Logo bringt das auf den Punkt.
Die EP war vom Stil her sehr dynamisch, aber bei “Face the evil” war das Songwriting ein bisschen eingängiger. Ich denke, dieses Album bringt die Dynamik der EP zurück, aber mit einem reiferen Ansatz beim Songwriting. Und zum ersten Mal haben wir den Sound komplett richtig hinbekommen – Dank an den Produzrenten, Mixer und Toningenieur Martin Furia. Dieses Album hat einen starken „Live-Vibe“. Der Bass ist heavy, die Gitarren sind immer noch prominent, der Drumsound ist organisch und die Stimme passt perfekt in den Mix.

Überhaupt ist das Cover großartig. Wer hat es gemacht und was stellt es dar?

Rob: Es ist ein Gemälde des belgischen Künstlers Antoine Wiertz aus dem 19. Jahrhundert. Wie ich schon sagte,

Peggys Texte sind auf diesem Album wirklich düster und oft von realen Dingen inspiriert. Das Bild scheint dies wunderbar darzustellen: Eine weibliche Figur, unterdrückt vom Übel in ihrer Umgebung.
Wie schon „Face of evil“ erscheint „Gruesome masterpiece“ auch auf Vinyl. Wie wichtig ist das für Euch?

Rob: Wenn man dieser Tage eine physische Veröffentlichung plant, dann brauchst Du Vinyl. Leute, die auf digitale Klarheit und einfachen Gebrauch stehen, bevorzugen sicherlich Downloads (ob legal, oder illegal). Aber Leute, die ihre Musik genießen wollen und ihre Lieblings-Alben mit einer handfesten Sache feiern wollen, wählen oft das Vinyl. Die Popularität der Compact Disc verblasst immer schneller und wird schließlich von digitalen Dateien ersetzt werden. Aber es gibt keine Alternative zu den Erfahrungen mit einer schönen Gatefold-LP, sie auf den Plattenspieler zu legen und das Artwork anzuschauen. Dateien sind Dateien, aber Vinyls sind Reliquien!

Im September seid Ihr mit Vanderbuyst für ein paar Tage in Deutschland. Mit ihnen ward Ihr schon öfter auf Tour, gibt es da eine spezielle Verbindung zwischen den Bands?

Rob: Beide Bands werden von Bidi gemanagt und gebucht. Er hat uns zusammen auf die Straße gebracht, weil er dachte, dass es gut passen würde, musikalisch und menschlich – und er hatte recht, wir sind nun Freunde seit fast drei Jahren und habe eine Menge Shows in Deutschland, Holland, Belgien gespielt, wir waren zusammen in Spanien auf Tour und spielten am selben Tag auf dem Metal Camp 2012 (Slowenien). Sie sollten direkt nach uns spielen, aber wir waren zu spät, so dass sie so freundlich waren, den Platz mit uns zu wechseln!

Davor ward Ihr auf Tour mit der Legende Flotsam & Jetsam. Was für Eindrücke habt Ihr auf dieser Tour gesammelt?

Rob: Wir entdeckten, dass Touren in einem Nightliner viel bequemer ist als auf Tour in einem kleinen Van zu sein. Wir hatten drei herrliche Wochen „on the road“ mit den großartigen Flotsam-Dudes, ich kann das nächste Mal gar nicht abwarten.

Gerade eben habe ich mir das neue Video für „Twist the knife“ angesehen. Peggy, wo sind Deine coolen blauen Haare hin?

Peggy: Es ist immer noch da, nur dass man auf Tour nicht allzu viele Möglichkeiten hat, es zu färben, wenn es nötig ist – Blau wäscht sich unheimlich schnell heraus!

Das war´s von mir, habt Ihr noch einige weisen Worte für unsere Leser?

Rob: Kotze niemals in einem Nightliner!

Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen!

Christian Hemmer

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