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The Wirepushers - Electric Puppetry

wirepushersLabel: United Producers Records - Soulfood Music

Spielzeit: 55:50 Min.

Genre: Alternative, Rock

Info: Facebook

CD kaufen: Amazon

Hörprobe: Youtube

VÖ-Datum: bereits erschienen

 

Endlich, da habe ich lange drauf gewartet: ein megacooles, sleaziges Rockalbum mit leichtem Stonerrock- und Blues-Einschlag, das uns die heißen Sommertage ein wenig versüßen wird. Die Produktion wurde furztrocken, aber druckvoll in Szene gesetzt und alle Mitglieder beherrschen ihre Instrumente. Dazu kommt ein Sänger mit einer sehr rauen und charismatischen Stimme, der sich ca. zehn Flaschen Whiskey und haufenweise Tabak und Schießpulver täglich in die Birne knallen und danach seine Angebetete immer noch leidenschaftlich beglücken dürfte.

Passend dazu kannst du dir vorstellen, wie du in ,,The Escapader" alleine in der Bar am Tresen hängst und einen Drink nach dem anderen in dir reinziehst. In ,,Minimal" versuchst du dann dein Glück bei der Dame dort gegenüber. Ja, genau, dort beim Billardtisch - um dann aber grandios zu scheitern, nachdem sie dir ihr Getränk ins Gesicht geschüttet hat. Im Titeltrack dürfte euch Hörern dementsprechend mehr als feucht werden... in den Augen natürlich! Bei so einem rührenden, emotionalen Text kann selbst der härteste Rocker seine Gefühle nicht zurückhalten. ,,Simplicity of Men" handelt von der Einfachheit des Lebens und dass man, vor allem Mann, nicht alle Dinge so eng sehen sollte - und siehe da, die Formel geht auf: in ,,Finest Girl" dürfte deine Freundin vor Begeisterung zu dir ins Bett springen, bevor es mit der ,,Sympathy", die halt so in zwischenmenschlichen Beziehungen herrscht, dann mehr als rund abgeht. Hast du danach dann immer noch Tinte im Füller, kannst du als Alphamännchen in ,,Don't disturb my circles" tapfer dein Revier verteidigen, bevor du dich in ,,Is there another word for it?" so richtig schön entspannen und von deiner Amazonengöttin verwöhnen lassen kannst. ,,I wish I was a pillow" singt Paul Kettley in diesem Text und damit hat er vollkommen recht! In einer Welt, die nur aus Wachstum, Stress, Arbeit und so weiter zu bestehen scheint, sind so coole Rockstars wie er ein Fels in der Brandung, welche sich auch mal die dreiste Unverschämtheit erlauben dürfen, sich zu entspannen. Jeder andere ist ein ,,Natural Born Idiot".

Wobei: die eigentliche Antriebsfeder dieser Band ist eigentlich nicht der Frontmann, sondern Gitarrist Sascha Paeth und so ein berühmter Rockstar ist dieser auch wieder nicht, da er sich bisher vor allem als Produzent von Bands wie Epica, Xandria, Gamma Ray oder auch Tobias Sammets Avantasia (wo er auch die Gitarrenaxt bedient) einen Namen gemacht hat. Klar, sein Engagement bei der Powermetal-Band Heaven's Gate, wo er auf fünf Alben den Sechssaiter geschwungen hat, sollte genau wenig unerwähnt bleiben, wie seine Zusammenarbeit mit Luca Turulli von Rhapsody in dessen Solobands. Dazu noch diverse kleinere Projekte, wie z.B. mit Amanda Somerville bei Aina und Trillium, oder Virgo mit Andre Mathos von Shaman und haufenweise Gastauftritte bei verschiedenen Bands. Aber im Gegensatz zu seiner immensen Menge an Alben, die er produziert hat sind seine Tätigkeiten als aktiver Musiker bislang nur kleine Fische gewesen. Das dürfte sich jetzt, mit THE WIREPUSHERS ändern, wo er neben der Gitarre auch den Posten des Hauptsongwriters und des Sprachrohrs übernimmt. Denn mit diesem Album beweisen die Jungs aus Wolfsburg, dass sie eine der coolsten Rockbands im deutschsprachigen Sprachraum sind und dadurch die Konkurrenz, insbesondere die Freundinnen der Musiker aus den konkurrierenden Bands (!), ins Schwitzen geraten dürften.

Gut, die aufgelösten Cathedral mit ihrem unumstößlichen Status in Sachen Coolness und Spacigkeit auf der Erde werden die WIREPUSHERS mit diesem Album auch nicht ansägen können und das wird sich sicherlich auch nicht mit dem nächsten Album ändern... Aber hey! Das hier ist Rock in seiner ursprünglichsten und unnachahmlichen Form, wo man zu jeder Sekunde hört, dass es den Musikern hier in erster Linie um Spaß geht und nicht darum, groß rauszukommen, möglichst viele Platten verkaufen, blablabla. Wenn es Leute geben sollte, die sagen, dass in den 70er Jahren sich die Musiker in Sachen Konzerte und Studioaufnahmen viel weniger Grenzen gesetzt haben als es heute der Fall war und man sich damals auch bei der Musik mehr Mühe gegeben hat: sie haben damit absolut Recht. Viele wollen heute schon ins Studio, bevor sie ihre Instrumente oder Stücke richtig beherrschen und sagen sich viel zu oft: ,,Nein, dies können wir nicht machen, das sollten wir lieber lassen!" Nur, THE WIREPUSHERS gehören definitiv NICHT dazu! Das zeigt sich neben den genialen Texten, wo der menschlichen Phantasie keine Grenzen gesetzt sind, auch am 14minütigen Abschlusstrack ,,Stopgap Rap", bei der folgende Textzeile am laufenden Band wiederholt wird: ,,sorry people this is it - we collect the royalties and loop the shit" and passend dazu wird in dieser nicht zu endenden wollenden Endlosschleife ein geniales Solo mit Überlänge von Sascha Paeth runtergezockt.

Bei all dieser Euphorie dürfen natürlich auch Robert Hunecke am Schlagzeug und Arne Wiegand, der den verstorbenen Simon Oberender am Bass ersetzt hat, nicht unerwähnt bleiben. Und mit diesen positiven Eindrücken und natürlich der Vergabe der Höchstnote XXL gehe ich mit einem guten Gefühl schlafen.^^

Domenic Saheb Djavaher

XXL-WertungXXL

Trackliste:

01. The Escapader
02. Minimal
03. Electric Puppetry
04. All Is Good
05. Simplicity Of Men
06. Finest Girl
07. Sympathy
08. Don't Disturb My Circles
09. Is There Another Word For It?
10. Natural Born Idiot
11. Tin Soldier
12. Any Minute
13. Stopgap Rap

XXL-Tipp

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