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Opeth - Pale Communion

opeth album 2014Label: Roadrunner Records

Spielzeit: 55:20 Min.

Genre: Progressive Rock

Info: Facebook

CD kaufen: Amazon

Hörprobe: Youtube

VÖ-Datum: bereits erschienen

 

Es gibt Musiker, die es tatsächlich geschafft haben, mich nach über 20 Jahren Existenz und zahlreichen Albumveröffentlichungen mit jeder neuen Scheibe immer noch mitzureißen. Bei ihnen ist jedes neue Album für mich eine neue Offenbarung, ein Moment, bei dem ich nichts anderes tuen kann, als niederknien, da diese Alben einen Gänsehautmoment nach dem anderen erzeugen. Und hier geht es für mich nicht darum, wie sehr eine Band mit ihrem neuen Album zahlreiche andere Bands und die Szene beeinflusst oder mal wieder Stangenware, mit der jeder Fan aufs Neue zufrieden gestellt wird, abgeliefert hat. Hier geht es um die musikalische Intensität, mit der besagte Künstler es schaffen, diese von Album zu Album zu steigern, sei es durch das Einbringen von komplexeren, progressiven oder experimentellen Elementen, durch die Verdichtung von mehr Atmosphäre und epischen Momenten... oder einfach, indem man sämtlichen Bombast der Vorgängeralben über Bord wirft und den Sound auf das basischste Grundfundament freilegt, um so möglicherweise wieder mehr Rauhbeinigkeit zu erlangen.
Das trifft auf die alten Legenden der 70er und 80er Jahre, wie Black Sabbath, Iron Maiden, Grave Digger, Budgie oder auch Girlschool (um die Frauen nicht zu vernachlässigen) genauso zu, wie die Gruppen der aufkeimenden Extrem-Metal-Szene Anfang der 90er Jahre wie Necrophagia, Unleashed, Darkthrone, Asphyx, Master oder seit neuestem auch Morgoth, bei denen eine technische Entwicklung und Weiterentwicklung Menschen ebenso hörbar war wie eine Steigerung der Spannung in den Liedern sowie eine unglaubliche, zusätzlich hinzu gekommene Wut und Urgewalt und sei es nur der Gesang des Frontmannes.

Leider ist von alledem auf dem neuen Album von Opeth überhaupt nichts zu hören. Stattdessen haben sie sämtliche musikalische Einzigartigkeiten aus beiden Welten obengenannter Bands von einem Album zum nächsten hin über Bord geworfen. „Pale Communion" ist ein außergewöhnliches Album geworden und zwar ein außergewöhnlich langweiliges. Doch bevor ich hier als böser Journalist Schelte von den fanatischen Fans abbekomme, gehe ich hier mal der Reihe nach einen Song nach dem anderen durch:

,,Eternal Rains Will Come" fängt noch sehr vielversprechend an. Ein komplexer Rhythmus mit einem virtuosen Orgelaufbau und einem längeren Instrumentalteil bauen Spannung auf, bevor ein ruhiges Piano-Intermezzo Luft zum Atmen lässt. Dieser ruhige Teil weckt bei mir Erinnerungen an ,,A Passion Play" wach, bevor wieder ein längerer Dudelpart á la Iron Maiden folgt. Dann endlich, nach drei Minuten, kommt der Gesang zum Einsatz, der aber jetzt nicht sonderlich herausragend ist und in dieser Form schon von Pink Floyd und Konsorten in besserer Form gemeistert wurde. Das Stück baut zwar stimmungsvoll 70er-Jahre-Atmosphäre auf, aber man hat die ganze Zeit das Gefühl, dass gleich eine majestätische Gitarrenwand kommen müsste, die den Hörer wie mit einem mitreißen sollte.

,,Cusp Of Eternity" fängt da ganz ähnlich an. Auf feines Gitarrenpicking folgt ein markantes Gitarrenriffing, über das Akerfeldt mit sauberer Stimme und ein bisschen Led-Zeppelin-Attitüde versucht, der wenig spektakulären Nummer etwas Leben zu geben. Doch so sehr er sich auch Mühe gibt, dem Stück mit seiner Stimme mehr Seele zu geben, es funktioniert einfach nicht. Kein Wunder: vom Aufbau her passiert nicht viel, alles ist nach ein paar Mal Hören schon abgesteckt, da kann man nicht viel machen. Lediglich das saubere Solo, das nicht zu technisch rüberkommt, rettet das Stück vor einem Totalausfall, das dann auch noch mit kitschigen "Aaah-aah-aaah"-Chören beendet werden muss.
Opeth waren in ihrer Vergangenheit ja dafür bekannt, in ihre einzelnen Songs mehr Ideen hinein zu stecken, als andere Bands das für ganze Alben machen. Auf den früheren Platten machte das auch Spaß und zwang den Hörer entweder zum Niederknien oder Headbangen. Doch bei diesem Album habe ich das Gefühl, dass die vielen Ideen nur noch ein Vorwand sind, um die Songs unnötig in die Länge zu ziehen. Der Beginn des über 10minütigen ,,Moon Above, Sun Below" klingt mir mit seinem berechenbaren 6/8-Rhythmus und der schwülstigen Atmosphäre zu sehr an Within Temptation, die für ihr Genre zwar einen guten Job machen, aber Opeth darin total fehl am Platz sind. Mit Akustik-Gitarren (Wahnsinn! Auf diese Idee wäre ich nicht nie gekommen!!!) und einem Gesang, bei dem offensichtlich die Hormone und ein halber Lungenflügel auf der Strecke geblieben sind, versucht man wieder Spannung aufzubauen. So klar es ist, dass das ruhige Zwischenspiel dazu da ist, so sicher wie das Amen in der Kirche ist auch die Tatsache, dass darauf wieder ein härterer Teil mit verzerrten E-Gitarren kommt, dem dann im ruhigen Teil wieder ein schönes Akustik-Solo folgt. Sollte mit dem einen Solo tatsächlich Stimmung aufgebaut werden, so wird diese mit Akerfeldts lustlosem Gesang und den völlig deplatzierten Frauen-Gospelchor wieder weg gespült. Danach kommt nichts mehr Spektakuläres und ich frage mich wirklich, ob man statt einer lustlosen Aneinanderreihung von verschiedenen Parts nicht die besseren Passagen nur hätte nehmen und diesen mehr Raum hätte geben, von mir aus auch wiederholen können. Hätte man beim Schlusspart nicht zumindest die Spielereinen weglassen und den Gesangspart weiter ausbauen können? Für mich ein grandioses Beispiel, wie Passagen, die Gänsehautpotenzial gehabt hätten, gnadenlos zugebuttert werden.

,,Elysian Woes" ist da nicht sehr viel anders. Eine unspektakuläre 70s-Pop-Nummer, die mit Akustik-Gitarren beginnt, sich ganz langsam aufbaut und dann wieder schon zu Ende ist. Das wirkt alles klar kalkuliert und berechnet, während Emotionen und Spielfreude, die einfach zur Musik gehören, hier eindeutig vernachlässigt wurden.

Das Instrumental ,,Goblin" macht da mit seinem melodischen Gitarrenpicking schon einen vielversprechenderen Anfang, wird dann aber schnell wieder von einer Leadgitarre und der Hammond-Orgel, die unisono zusammen spielen, abgelöst. Hier frage ich mich wirklich, ob die Band zusammen spielt oder hat Frederik Akesson den Job von Mikael Akerfeldt gleich mit übernommen, die Gitarre am Anfang loopen lassen, um darüber eine weitere Gitarre aufzunehmen? Das klingt schon ziemlich leblos, aber damit nicht genug, wird auch ein kurzer Mittelteil im Song, der Coolness-Faktor besitzt, gleich wieder von einer Ladung ach so innovativer und komplexer Parts weggefegt.
Ab diesem Instrumental stellte ich beim ersten Hören fest, dass irgendwo der Platte auch ein roter Faden fehlt, eine Grundstimmung, die zum einen jedem Song eine Daseinsberechtigung geben, aber andererseits auch das Album kompakt und schlüssig erscheinen lassen sollten. Doch mit mehreren Hördurchgängen wird nur die Einsicht größer, dass alle Songs gleich klingen (gleich langweilig, so dass kein Song für sich eine Grundstimmung hat) und zum anderen das Album total zerfahren und lieblos zusammen geschustert wirkt. Dabei kam mir immer wieder die Frage auf: hätte man nur einen der acht Songs vermisst, wäre er nicht auf ,,Pale Communion" gewesen?

Aber weiter im Text: ,,River" beginnt mit stimmungsvoller akustischer Gitarrenmusik, die aber wieder vom Gesang kaputt gemacht wird. Das Lied baut sich zumindest spannend auf, aber auch hier schafft es Akerfeldt mit seiner Mannschaft nicht, das Lied kompakt und schlüssig über die Ziellinie zu bringen. Zu stark sind die Stimmungswechsel in einem Lied, die einfach nicht glaubwürdig und authentisch rüberkommen, zu früh wechselt die Band in andere Gefilde. Zumindest ist es das einzige Lied auf dem Album, bei dem dann auch endlich mal beide Gitarren, die synchron solieren, effektiv und unabhängig voneinander heraus hören kann. Bei diesem Lied kommt dann endlich auch eine härtere Gitarrenwand am Ende zum Vorschein, die zeigt, was man aus dem Album hätte machen können.

,,Voice Of Treason" bietet fett eingesetzte Streicherpassagen, die der langweiligen Grundstimmung des Albums zumindest ein bisschen Dramatik geben. Hier werden dann auch harte E-Gitarren mit Flamenco-Flair eingesetzt, der komplexe Drum-Rhythmus tut sein übriges. Nur frage ich mich manchmal, was bei der Aufnahme des Schlagzeugs schiefgegangen ist? Mikael Akerfeldt betont ja immer wieder, dass er einen möglichst erdigen Sound hinbekommen möchte, aber hier hätte das Schlagzeug vom Sound her auch aus der Musik der automatischen Telefonweiterleitung (>>bitte warten! Wir leiten Sie gleich weiter<<) stammen können. Um das Album wenigstens ein bisschen rauhbeiniger und organisch klingen zu lassen, hätte er sich ein Beispiel an CATHEDRAL, die ihr, ebenfalls vom 70er-Jahre-Sound inspiriertes Hit-Album ,,The Carnival Bizarre" im Gefängnis aufgenommen hatten, nehmen sollen. Crunchige Gitarren, ein schepperndes Schlagzeug, das dem zahnlosen Tiger zumindest ein paar neue Plomben, sprich: dem ohnehin langweiligen Sound ein paar zusätzliche Nuancen gegeben hätte.

Bei ,,Faith In Others" wirken die Streicher dagegen total deplatziert. Die Musik vom Anfang hätte auch aus einer klischeehaften Liebesschmonzette stammen können und hat leider überhaupt nichts mehr mit dem zu tun, wofür Opeth früher standen: für einen energiegeladenen Mix verschiedener Musikstile, für das Verbinden von Extremen und vor allem für die Kompromisslosigkeit, mit der die Band knallhart ihr Ding durchgezogen hatte, ohne auf den Rest der Welt Rücksicht zu nehmen. Doch mit diesem Album, das zu sehr auf Nummer Sicher geht, welches versucht, irgendwo auch massenkompatibel zu klingen und in kompositorischer Hinsicht fast überall scheitert, frage ich mich, ob die Band sich nicht lieber auflösen sollte, um zumindest ihre gute Phase in positiver Erinnerung zu behalten?! Ich bin auf jeden Fall dermaßen ernüchtert, dass ich etwas anderes mir nicht lieber wünschen würde und es da auch nichts mehr gibt, wie man das wieder besser machen könnte.

Was mich an alledem am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass das neue Album überall in den Himmel hochgelobt wird und eine Vorschusslorbeere nach der anderen abkassiert. Da fehlt mir wirklich jede Form von objektiver Kritik. Stattdessen wird das Fehlen der Death-Metal-Growls ebenso als positive Weiterentwicklung betrachtet wie eine deutliche Weichspülung des Sounds ohne Ecken und Kanten. Erschütternd finde ich dabei auch, dass selbst ansonsten seriöse Musikmagazine, die seinerzeit ,,No Prayer for the Dying" von Iron Maiden (eine der unterbewertetsten Metal-Scheiben überhaupt) wegen der Rückbesinnung auf die Wurzeln schamlos in Grund und Boden gestampft haben, ,,Pale Communion" dagegen bedingungslos abfeiern, obwohl es auf dieser Scheibe keinen einzigen Song mit Gänsehautmomenten zum Niederknien oder spannungserzeugenden Songaufbauten gibt. Woran soll man die vermeintliche Klasse dieses Albums dann noch festmachen? Am tatsächlich vorhandenen, technischen Können der Musiker? Sorry, aber dann kauf ich mir eine Gitarren- oder Schlagzeug-Workshop-CD mit der Vorführung der einzelnen Licks usw. . Unabhängig davon, ob es bei Opeth Death-Metal-Elemente gibt oder nicht, konnte ich bisher alle Werke von Akerfeldt und Co. in die Genialität von Künstlern wie Devin Townsend, Virus, Pant.Thy.Monium oder Voivod einreihen, doch stattdessen bekommen wir durchgekautes Material zuhören, das Tausende von anderen schon in besserer Form aufgenommen haben. Dieser Ansatz war auch schon auf ,,The Devil's Orchard" erkennbar, aber man hatte es dort noch versucht, es als etwas Besonderes zu verkaufen, teilweise war es sogar hörbar.
Und bevor hier jetzt jemand aufschreit: ich bin unter anderem mit den Frühwerken von Genesis, Jethro Tull, King Crimson und Emerson, Lake und Palmer aufgewachsen und weiß, was für geniale Musik in den 70er-Jahren produziert wurde. Dass man diese in die Neuzeit nicht 1:1 kopieren kann, ist klar, dass aber dabei trotzdem statt einem unterhaltsamen Album ein Rohrkrepierer wie dieser herauskommt, ist einfach nur enttäuschend, vor allem bei einer Band, die so lange dabei ist. Und so reiht sich Mikael Akerfeldt in die Riege von Künstlern wie Rock'n Rolf (Running Wild), Steve Rowe (Mortification) oder Joey DeMaio (Manowar) ein, die den Status ihrer einstigen Meisterwerke immer mehr in den Dreck ziehen mit neuen, halbherzig aufgenommenen Platten, die auch nicht mal ansatzweise die alten Platten erreichen können und die sich ebenfalls vorher hätten auflösen sollen. Somit haben wir eine Platte mit einer kleinen Handvoll von guten Ideen, die aber niemals das Niveau dieser alles andere als großartigen Platte überstrahlen können. Und deshalb, zusammen mit dem technischen Können der Musiker, die (noch) nicht zu Egonummern aufgeblasen sind, kriegt diese Platte von mir nur eine XS-Bewertung.

Domenic Saheb Djavaher

XXL-WertungXS

Tracklist:
Eternal Rains Will Come
Cusp Of Eternity
Moon Above, Sun Below
Elysian Woes
Goblin
River
Voice Of Treason
Faith In Others

XXL-Tipp

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