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Cavalera Conspiracy: Pandemonium

CAVALERA CONSPIRACY PandemoniumLabel: Napalm Records

Spielzeit: 42:36 Min.

Genre: Neo-Thrash, Thrash Metal

Info: Facebook

CD kaufen: Amazon

Hörprobe: Youtube

VÖ-Datum: bereits erschienen

 

Ich bewundere in der Metal-Szene immer wieder Musiker, die einfach nur knallhart ihr Ding durchziehen und auch dann keinen Halt machen, wenn andere ihnen sagen: lass es vielleicht besser bleiben... Menschen mit einer Vision, mit Tunnelblick, diese Tollen, diese Mutigen, die mit ihrer Musik die Menschen erreichen, Generationen verbinden und etwas Gutes bewirken wollen: Vorhang auf für Cavalera Conspiracy, der Band der ex-Sepultura-Mitglieder Iggor und Max Cavalera. Letztgenanntem sollte man mit Ehrfurcht entgegen treten!!! Was hat er nicht Tolles für die Musikwelt gemacht und auch jetzt muss man bei seiner Ankündigung, mit ,,Pandemonium" ein ,,Reign in Blood des neuen Jahrtausends" zu erschaffen, einfach nur den Hut ziehen - denn ihm ist natürlich scheissegal, was die bösen, kaltherzigen Kritiker über ein ach so überhöhtes Selbstbewusstsein und möglichen Größenwahn sagen könnten. Max, vielen Dank dafür!

Aber jetzt mal tacheless: ja, Songs wie ,,Babylonian Pandemonium", ,,Bonzai Kamikazee", ,,Scum", ,,I, Barbarian" sind knüppelhart und superschnell und auch ,,Cramunhao", ,,Apex Predator" und ,,Insurrection" schlagen in die selbe Kerbe ein, variieren aber immer im Mittelteil ein bisschen das Tempo, während das letzte Drittel der Platte nur teilweise im Hochgeschwindigkeitstempo zu Ende rattert. Dass die Brüder auch noch in der Lage sind, mit gemässigteren Rhythmen Spannung zu erzeugen, haben sie ja schon auf ,,Inflikted" gezeigt, auf diesem Album kommt es aber nur noch teilweise rüber. Dazu klingt die Stimme von Max zu sehr als wäre sie durch den Reißwolf gedreht worden: total verzerrt, etwas vermummt und growlig, als wäre er für den Death Metal, den er mit Sepultura vor dem Wandel hin zum Thrash-Metal Anno '87 zelebriert hat (wenn auch in einer viel ursprünglicheren Form) prädestiniert. Nur bei dem hohen Schreigesang frage ich mich manchmal, ob er hier einen Pitch-Shifter benutzt hat?! Gastmusiker waren angeblich nicht auf dem Album vertreten. Wenn ja, keine schlechte Idee, aber hier ziehe ich trotzdem die unverfälschten Organe von Maxes Stiefsohn Richie, sowie von ex-Bassist Joe Duplantier vor (warum werden eigentlich mit jedem CC-Album die alten Bassisten sang- und klanglos entlassen?). Gewissermaßen ist ,,Pandemonium" eine Fortführung der Soulfly-Alben ,,Enslaved" und ,,Savages", aber doch anders, weil das Schlagzeugspiel von Iggor Cavalera einen anderen Ansatz hat - mehr straight forward, mit einem gewissen Hardcore- und Punk-Einschlag, der das ein oder andere Mal auch an Nailbomb oder die ersten Sepultura-Alben ohne Max-Cavalera erinnert. Man kann also bei ,,Pandemonium" von einer interessanten Mischung aus Death-, Thrash- und modernen Metal-Elementen sprechen, welche aber nicht an die Unbeschwertheit und den Abwechslungsreichtum von ,,Inflikted" herankommt. Auch im Vergleich mit dem eigenen Gesamtschaffen aller Bands von Max und Iggor kann ,,Pandemonium" nur bedingt standhalten. Die Texte reißen mich nicht mehr so mit, wie sie es noch bei den 90er Sepultura-Werken ,,Chaos A.D." und ,,Roots" getan haben - die Botschaft über sozialkritische Missstände trafen damals noch den berüchtigten Nagel auf den Kopf und inspirierten einen zum Handeln. Hier habe ich aber das Gefühl, dass man alt Bewährtes einfach neu aufgewärmt hat und man die textliche Botschaft, die uns Cavalera Conspiracy hier mitgeben möchten, mit der Lupe suchen muss um überhaupt etwas mit Substanz zu finden.

Auch in Sachen Musikalität findet man auf ,,Pandemonium" nichts bahnbrechendes mit dem die Brüder den Test-of-Time bestehen könnten. Max Cavalera sollte langsam mal einsehen, dass Musik - egal, ob Extrem- oder Neo-Metal - nicht ausschließlich nach dem Schneller-Höher-Weiter-Prinzip entstehen kann, sondern dass da auch sehr viel Atmosphäre und Intensität eine Rolle spielen. Dieses ursprüngliche Metal-Feeling war auf Sepultura-Platten wie ,,Morbid-Vision" und ,,Arise" ebenso vorhanden, wie bei Slayers ,,Reign in Blood" - und auch neuere Platten wie Vaders ,,Impressions in Blood" haben gezeigt, dass man sich durch ein ganzes Album durchknüppeln kann ohne dass es langweilig oder eintönig wird. Dieses Feeling fehlt mir auf Pandemonium eindeutig und motiviert mich nur schwer, diese Platte häufiger aufzulegen als die Klassiker. Aus genannten Gründen würde ich dem Album eine M-Bewertung geben, wäre da nicht auch noch Marc Rizzo, der mit seinem brillanten Gitarrenspiel entgegen der immer gleichförmiger werdenden 4-String-Riffs von Max Cavalera zusätzliche Musikalität und Spannung einbringt und die Platte gerade noch vor der Gleichförmigkeit und somit auf die L-Bewertung rettet.

Domenic Saheb Djavaher

XXL WertungL

Trackliste:

01. Babylonian Pandemonium
02. Bonzai Kamikaze
03. Scum
04. I, Barbarian
05. Cramunhao
06. Apex Predator
07. Insurrection
08. Not Losing The Edge
09. Father Of Hate
10. The Crucible
11. Deus Ex Machina
12. Porra

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