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Thrash-Abend in Itzehoe

Thrash Metal im Itzehoer Atzehoe, das können sich viele Einheimische sicherlich kaum vorstellen. Nach einer etwas schwerlichen Suche nach der Location mit dem eigentümlich anmutenden Namen, ist man schließlich unweit des Weihnachtsmarktes und der Kirche am Atzehoe angekommen. Schon beim Betreten des Raumes wird klar, dass hier eigentlich eher Jazz und Blues, maximal Rock zu Hause ist, jedoch keinesfalls Metal. Gemütliche Kuschelsitzecken an beiden Ecken des verwinkelten Raumes, eine noble Atmosphäre und Kronleuchter, die schon fast in einen Gothicschuppen gepasst hätten, lassen hier wenig metallischen Hauch verspüren.

Wie dem auch sei, dank Stonecastle Productions gibt es an diesem Abend, dem 1.12. eine ordentliche Portion Thrash Metal auf die Ohren. Gleich vier Bands aus Schleswig-Holstein und Hamburg hat es nach Itzehoe getrieben. Unüblicher Weise bekommen alle Bands die Chance einen vernünftigen Soundcheck zu machen, weswegen sich das einleitende Prozedere etwas hinzieht. Das führt dazu, dass einige der Bandmitglieder sich noch auf dem Weihnachtsmarkt vergnügen oder dem bereitgestellten Bier im improvisierten Backstage, bestehend aus einem Wohnwagen, frönen.
Die Spuren davon sind bei allen Bands zu merken, so auch bei der ersten Band mit dem Namen Toxic Deass. Aus Itzehoe stammend hat sich die junge Band wie alle an diesem Abend dem Thrash Metal verschrieben. Etwa 40 Besucher sind anwesend als die Norddeutschen die Bühne betreten, welche sich recht zögerlich davon überzeugen lassen, den Weg zum Geschehen antreten zu lassen. Es ist einer der ersten Auftritte der noch recht jungen Band und die Nervosität ist deutlich spürbar. Mag es der Unsicherheit oder dem Frönen diverser Genussmittel geschuldet sein, ein eingespielter und souveräner Auftritt sieht anders aus. Die Ansagen sind mehr improvisiert als sitzend und auch sonst hat man ab und an den Eindruck an einer Probe der Jungs teilzunehmen. Nichts desto trotz lassen sich ein paar Fans von dem munteren Reigen mitreißen und feiern mit den Norddeutschen. Neben Stücken wie ‚Time to die (for all posers)‘ oder ‚Desert War‘ versuchen sich die Jungs auch an Covern, wie der Track ‚Ausgebombt‘ von Sodom. Einige Anwesende sind spürbar textsicher, auch wenn man sicherlich schon bessere Coverversionen dieses Stücks zu hören bekommen hat. Letzte Sympathien verscherzen oder gewinnen Toxic Deass schließlich mit dem Track ‚Fick deine Mutter‘, was an diesem Abend hoffentlich niemand wörtlich genommen hat.

Setlist Toxic Deass
1. dirty room of deass
2. suicide forces
3. time to die (for all the posers)
4. desert war
5. Ausgebombt
6. fick deine mutter

Morghulon absolvieren an diesem Abend ebenfalls einen ihrer ersten Auftritte. Der Drummer der Band hat an diesem Abend gleich zwei Einsätze zu verzeichnen, trommelt er schließlich auch bei dem Headliner des Abends namens Throbbing Pain. Mit leicht Black Metal-lastigen Vocals hebt sich der Thrash Metal der Band ein wenig ab vom Rest des Abends, fügt sich aber dennoch gut in den dreschigen Reigen ein. Auch bei dieser Band ist die Nervosität spürbar, was sich bei Morghulon jedoch eher in einem etwas steifen und beinahe unbeweglichen Bühnenbild zeigt. Endlich zeigen sich die ersten Headbanger an der Bühne und auch sonst füllt sich der Raum langsam mit Menschen. Im Laufe der beiden Auftritte haben sich etwa 80 Zuschauer eingefunden, um den Thrash Metal-Abend zu genießen. Neben eigenen Stücken wie ‚Doomsday‘ oder ‚Mutator‘ haben die Norddeutschen auch zwei Cover in ihr Set mit eingebaut. Zum zweiten Mal an diesem Abend werden Sodom gecovert und nicht wenige stimmen in den Refrain ‚Blasphemer‘ mit ein. Abschließend folgt noch ein weiteres Cover namens ‚Messiah‘ von Hellhammer, welches den Reaktionen nach bei den anwesenden Fans eher unbekannt zu sein scheint.

Doomsday dictator
Mutator
Nights in the Nightlight
End of Supremacy
Possessed by nuclear power

Nach einer etwas längeren Umbaupause betreten die Lübeck von Devariem die Bühne des Atzehoe. Frisch von Remedy Records unter Vertrag genommen, sind die Hamburg die routinierteste Band des Abends und präsentieren sich als eingespieltes und überzeugendes Team. Frontmann Alex ist ein klassischer Thrash Shouter und brüllt dem Publikum seine Wut und seinen Hass spürbar ins Gesicht. Kaum jemand vermag bei diesem Thrash-Gewitter noch stillzustehen, so dass sich langsam so etwas wie ein Mosh Pit entwickelt. Ebenso aggressiv wie die Bühnenshow lesen sich die Songtitel der Band, welche auf Namen wie ‚Peace was never an option‘ oder ‚Torture till it’s true‘ hören. Bei allen eigenen Songs können auch die Hamburger das covern nicht lassen und schmettern das allseits bekannte und beliebte ‚Cowboys from Hell‘ von Pantera durch das Itzehoer Atzehoe. Wie alle Cover an diesem Abend regen selbige zwar zum Mitsingen an, sind jedoch nicht wirklich gelungen und sorgen bei einigen eher für ein Kopfschütteln als ein Mitwippen. Obwohl das Set eigentlich schon durchgespielt ist lassen sich Devariem noch zu einer Zugabe verleiten und spielen den Track ‚Infyrno‘. Dieser Track stellt eine Premiere für die Jungs da, da er eigentlich erst im Mai 2013 auf der neuen CD der Band erscheinen wird.

Setlist Devariem
Planet Earth: Ground Zero
Peace was never an option
-----------------------
...Our Killer Reputation
Stainless Rust
Torture till it's True
-----------------------
Cowboys from Hell (Pantera cover)
Pain Train
-----------------------
Wolverine
-----------------------
Infyrno

Die Headliner des Abends haben sich lange rar gemacht auf den Bühnen dieser Welt. Nach dem Ausstieg von Sänger Mario und dem Gitarristen Maik gingen einige Tage ins Land um passende Nachfolger zu finden und diese entsprechend den Stücken der Band anzulernen.  Mittlerweile ist Gitarrist Alex an Bord und mit Thede konnte ein passender Fronter gefunden werden. In dieser Besetzung spielen die Jungs an diesem Abend ihren zweiten Auftritt, weswegen auch bei den Schleswig-Holsteinern eine deutliche Unsicherheit spürbar ist. Insbesondere bei Sänger Thede ist diese im Vorfeld stark ausgeprägt. Obwohl erfahrener Fronter unterschiedlicher Bands hat es bisher kaum für Live-Auftritte gereicht und die Action trug sich eher im Studio zu.
Auf der Bühne ist den Jungs kaum etwas von der Unsicherheit anzumerken, lediglich der Alkoholgenuss hat leichte Spuren hinterlassen, was sich in ein paar ungeplanten Inszenierungen der Instrumentalfraktion untereinander äußert und beinahe in Kabelverhedderung geendet wäre.
Der neue Gitarrist Alex zeigt sich sehr schüchtern und zurückhaltend auf der Bühne, macht jedoch seine Sache gut und lässt sich von Bassist Marco ab und an zum Posieren mitverleiten. Fronter Thede verschwindet optisch ein wenig hinter der übermächtigen Instrumentalfraktion, die Bühnenpräsenz, das nötige Selbstbewusstsein und das Mitreißen der Zuschauer fehlen ihm – etwas was ihn klar vom vorherigen Fronter Mario unterscheidet. Ebenso unterschiedlich ist das Stimmorgan des alten und des neuen Sängers, Thede bringt neben spürbar mehr Erfahrung auch eine ordentliche  gesteigerte Varianz in seine Growls, was gerade den alten Stücken eine ganz andere Note hinzufügt. Nicht nur durch die Growls von Thede, auch musikalisch haben Throbbing Pain eine ordentliche Death Metal-Kante. Die Jungs versuchen das zu entschärfen und präsentieren mit ‚Immeasurable Fear‘ einen recht doom-lastigen Song. Eine richtige Linie ist bei den Norddeutschen noch nicht aufzufinden, jedoch haben sie mit der neuen Besetzung einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht, den sie garantiert nicht bereuen werden.
Nach dem das reguläre Set durchgespielt ist, haben Throbbing Pain eigentlich keine weitere Zugabe mehr geplant und vorbereitet. Auf ununterbrochenes Drängen der Zuschauer hin spielen die Band einen ihrer Tracks ein weiteres Mal. ‚Bloodmoon Massacre‘ ist wie stets das Highlight der Throbbing Pain-Show und ertönt an diesem Abend gleich zwei Mal.

Setlist TP
Order to kill
Enslaver of Souls
Selfextinction
Annihilation of Religion
Reaper’sm Harvest
The Art of Evil Revenge
Immeasurable Fear
Bloodmoon Massacre
Nuke the War
Mass Hysteria
Tragoedia Humana
Zugabe: Bloodmoon Massacre

Nach dem Konzert gibt es noch eine kurze Aftershowparty in der die Bands abbauen und ihre Sachen verstauen. Musikalische Untermalung gibt es dabei von AC/DC und weiteren alten Rock-Klassikern. Der Sound war den ganzen Abend über nahezu perfekt, Soundmensch Didi (?) hat an diesem Abend trotz der verwinkelten Location einen wirklich guten Job abgeliefert und auch Stonecastle Production freut sich über einen gelungenen Abend, bei dem allerdings durchaus noch etwas mehr Fans hätten erscheinen dürfen. Bleibt zu hoffen, dass sich derartige Veranstaltungen in Itzehoe etablieren und dieser Thrash-Abend am 1.12.2012 nicht der einzige seiner Art bleibt.

Wiebke Hörmann

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