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Kamelot in Köln, 18.11.

Nachdem das neue Album „Silverthorn“ bereits die Charts erobert hat, ziehen Kamelot im November durch Europa, um die Platte und damit auch den neuen Mann hinterm Mikro den willigen Fans live zu präsentieren. Im Schlepptau hat man gleich drei weitere Bands, damit der Abend auch ja lang wird. An einem Sonntag in Köln wird so garantiert, dass man am nächsten Tag auf keinen Fall ausgeschlafen zur Arbeit kommt. Aber für ein gutes Konzert verzichtet man gerne auf die eine oder andere Stunde Nachtruhe. Und gut war es an diesem Abend in der Essigfabrik allemal.

Netterweise schickt man die kanadische Melodic-Death-Kapelle Blackguard deutlich vor offiziellem Beginn auf die Bühne. Warum auch nicht, die Halle ist schon zu diesem Zeitpunkt sehr gut gefüllt. Die Band präsentiert Songs ihres letzten Albums „Firefight“ und verbreitet schnell gute Laune. Schaut man sich die weiteren Bands an diesem Abend an, so will der Stil der Kanadier nicht so recht passen, aber auf zahlreichen vorangegangenen Touren wurde die Kombination schon erprobt und für gut befunden. Schlecht war der energiegeladene Auftritt der Jungs jedenfalls nicht und das Publikum scheint es auch wohlwollend aufgenommen zu haben.

Es folgen Triosphere, eine leider noch recht unbekannte Band aus Norwegen, die sich entgegen ihrer Herkunft dem Power Metal verschrieben hat. Ungewöhnlich für das Genre hat man mit Ida Haukland eine Frau an den Vocals. Mit starker Stimme werden die besten Nummern der beiden Alben „Onwards“ und „The Road Less Travelled“ dargeboten. Die Gitarren liefern sich immer wieder mitreißende Solo-Duelle, während Ørjan Aare Jørgensen hinter den Drums Double-Bass-Salven ins Publikum feuert. Ohne alberne Spielereien liefern Triosphere einen geradlinigen und fulminanten Auftritt ab, der zu Recht mit lautem Applaus bedacht wird. In dieser halben Stunde haben sich die Norweger viele Sympathien und sicher auch einige neue Fans erspielt.

Waren die ersten beiden Bands mit Spaß und Engagement bei der Sache, wirkt der folgende Auftritt von Xandria dagegen etwas kraftlos. Aus dem schönen Bielefeld angereist, spult die Band ihr Kurzprogramm routiniert herunter. Während bei den Vorgängern die Musik allein gereicht hat, um die Menge mitzunehmen, versucht es Manuela Kraller immer wieder mit Aufforderungen und Nachsing-Spielereien. So richtig springt der Funke aber einfach nicht über. Das harte „Soulcrusher“ lässt einen dann kurz vor Schluss aber doch noch einmal aufhorchen. Die aufgeheizte Essigfabrik bedankt sich zwar höflich mit Applaus, aber es bleibt an diesem Abend der schwächste Auftritt.

Zehn Minuten nach Zehn ist es dann auch schon so weit, die Mitglieder von Kamelot betreten nacheinander die Bühne und legen gleich mit „Rule the World“ und „Ghost Opera“ los. Während Oliver Palotai hinter seinem Keyboard abgeht, als wäre er nach Jahren endlich mal wieder auf eine Bühne gelassen worden, darf der Neue am Mikro zeigen, was er drauf hat. Dass Tommy Karevik was kann, hat er auf Platte bewiesen, leider macht ihm live zu Beginn der Sound einen Strich durch die Rechnung. Viel zu leise abgemischt geht er gegen die Instrumente und das Geheule der Background-Sängerin unter. Die nach Kamelot lechzende Meute vor der Bühne stört das nicht weiter und feiert vom ersten Ton an. Im weiteren Konzertverlauf wird der Sound auch besser und man kann Kareviks Gesang bei dem Überhit „Center of the Universe“ voll und ganz genießen. Der zeigt dabei auch keinerlei Berührungsängste und bewegt sich auf der Bühne völlig locker und ungehemmt. Bei „Veritas“, „Season’s End“ und dem neuen Ohrwurm „Sacrimony (Angel of Afterlife)“ erhält er Unterstützung von einer weiblichen Duettpartnerin. Beide bieten die Songs theatralisch, fast schon wie in einem Musical dar. Nah an der Grenze, schrammt man am Kitsch aber noch so eben vorbei.

Da Kamelot aber mehr ist, als Tommy Karevik, bekommen die anderen auch Gelegenheit, sich für einige Minuten solistisch zu präsentieren. Netterweise halten sich alle kurz, werden ob ihres Könnens bejubelt und machen bald wieder Platz für die nächsten Songs.

Das Songmaterial der Alben von Kamelot ist meist eher durchwachsen. Hier und  da ein Hit, dazwischen aber auch viel Ausschuss. Nimmt man diese vereinzelten Hits aber und bastelt eine Setlist daraus, erhält man ein überragendes Konzerterlebnis. Ob „When the Lights Are Down“ oder „Forever“, jeder Song entfacht neuerliche Euphorie im Publikum. Textsicher wird jeder Ton mitgesungen, Kamelot-Sprechchöre branden auf und die Menge stimmt plötzlichen Applaus an. Hier feiern treue Fans ihre Band. Und das weitestgehend absolut gerechtfertigt. Für kaum eine Band gilt die Aussage „Live besser als auf Platte“ so, wie für Kamelot. Die Amerikaner sprühen vor Freude und Begeisterung, was sich sofort auf die Fans überträgt. Die ins Publikum ragende Bühne sorgt für extreme Fannähe. Mit Tommy Karevik hat man einen wirklichen Volltreffer gelandet. Nicht nur stimmlich herausragend, beherrscht er die Bühne mit Charisma und einer coolen, lässigen Art. Schneller konnte man diesen anderen Sänger nicht vergessen machen.

Einen tollen Abend beschließt „March of Mephisto“, bei dem praktischerweise Paul Zinay, Sänger von Blackguard, die Death-Vocals abliefert. Nach 90 Minuten ist die Party leider vorbei und man muss sich kurz vor Mitternacht auf den Heimweg machen, auf dem einen sicherlich einer der vielen gehörten Hits im Kopf begleitet.

Christian Schrübbers

Setlist Kamelot:

01.      Rule the World

02.      Ghost Opera

03.      The Great Pandemonium

04.      Veritas

05.      Center of the Universe

06.      The Human Stain

07.      Song for Jolee

08.      Drum Solo

09.      When the Lights Are Down

10.      Sacrimony (Angel of Afterlife)

11.      Season’s End

12.      Keyboard Solo

13.      Forever

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14.      Bass Solo

15.      Karma

16.      Torn

17.      March of Mephisto

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