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Ministry in Hamburg/Docks (08. Juli)

ministryEs gab einige Ungereimtheiten, da Ministry selbst auf ihrer Facebook-Seite das Konzert um einen Tag nach hinten verschoben hatten. Das Docks aber klärte wiederum auf seiner Seite auf, dies sei ein Missverständnis, alles bliebe wie gehabt.
Nach dem frühen Einlass füllte sich das alte Kino nur schleppend, die Galerie war komplett gesperrt und an der Abendkasse gab es noch reichlich Tickets. Zum Beginn der Vorgruppe Djerv hatte sich dann der Raum doch schon gut zur Hälfte gefüllt. Ein kapuzenbehütetes Wesen betrat zum stampfenden Bassdrumbeat die Bühne und entledigte sich der Kopfbedeckung erst nach dem Opener. In Performance und Habitus erinnerte Fronterin Agnete Kjølsrud zeitweise an The Sounds-Sängerin Maja Ivarsson, liegt wohl an der nachbarschaftlichen Nähe Norwegens zu Schweden.

Gesanglich kommt bei Kjølsrud aber viel mehr Variationsspielraum heraus, dies brachte ihr bereits Gastauftritte bei u.a. Dimmu Borgir ein, in ihren gesungenen Passagen mag das merkwürdig anmuten, aber wenn aus der zierlichen Dame dann plötzlich böses Kreischen herauskommt, macht es Sinn. Insgesamt zeigt die Band einen okkulten Touch, der aber durch die geviertelten Bassdrumparts mit poppigen Attributen interagiert. Immer wieder animierte die Fronterin - mit einer Frisur zwischen explodiertem Papagei und Andy Warhol - das Publikum zum Jubeln für Ministry. Eine gute halbe Stunde lang brachten Djerv das Publikum in Laune und konnten diverse großzügige Applause verdient für sich verbuchen.
Gegen 21.00 hatte sich der Konzertraum dann sehr gut gefüllt, zwar kam man noch ohne großen Aufwand überall durch, aber der befürchtete Leerstand blieb aus. Korrekterweise müsste ich, zumindest für die erste halbe Stunde, vom Ministry-Konzert in Dänemark berichten, dort zumindest wähnte sich Mastermind Al Jourgensen seinen Ansagen nach zu urteilen. Dann machte ihn einer seiner Bandkollegen auf den Fehler aufmerksam, was er mit einem lachenden „I'm so fucked up" quittierte. So abgefucked war der Gute dann aber doch nicht. Zwar sehr abgemagert und mit einem halben Kilo Blech im Gesicht, insbesondere als Augenbrauenschmuck, tänzelte und wankte er über die Bühne, aber die Einsätze saßen - verglichen mit manch anderem Substanzzugeneigtem - tight. Stimmlich gab es nichts zu meckern, zwischen all den Playbacks war aber nicht 100%ig auszumachen, was jetzt wirklich live kam und was vom Band. Trotz der tinnitusfördernder Lautstärke und den immensen Bassfrequenzen - meine Schlüsselbeine konnte ich das gesamte Konzert vibrieren spüren - fuhr das Ministerium einen brillant klaren Sound auf. Die Lichtshow und Videowand, auf der stets passende Videos und Einspieler liefen, untermalten die überaus kritischen und satirischen Texte und Haltungen Jourgensens. Neben dem Busch-Clan als ausgemachtem Republikanischem Feindbild zielen die neueren Texte z.B. auf die Perversion der Plattenindustrie und ihrer ausschlachtenden Haltung gegenüber den Künstlern. Jourgensen präsentiert sich dabei sowohl politisch als auch kulturell als Betroffener, doch nicht als Opfer und will wachrütteln und die Menschen zum Denken anregen. Ein bisschen scheint er der Politiklehrer zu sein, den sich viele wünschen würden. Wären da nicht der intensive, bühnentaugliche Alkoholgenuss, die tapsigen Bewegungen und das magere Erscheinungsbild. Frech auch, wenn eine so konsumkritische Band T-Shirt-Preise ab €25 aufwärts veranschlagt, hier hätte man doch etwas fanfreundlichere Preise erwarten können. Nach 70 Minuten war das reguläre Set vorbei, Jourgensen krabbelte in den Fotograben und ließ sich feiern, dankbar legten viele seiner Fans die Hände in Gebetshaltung aneinander und konnten offenbar ihr Glück, diesen Charistmaten doch noch einmal live zu sehen, gar nicht fassen. Es sollten noch knappe 30 Minuten Zugaben folgen. Ein äußerst gelungenes Konzert. In Hamburg. Am Sonntag.


Julika Quickert

Setlist (ohne Gewähr)

GhoulDiggers
No W
Rio Grande Blood
Señor Peligro
Lieslieslies
99 Percenters
Watch Yourself
Life is Good
Waiting
Worthless
Relapse
The Last Sucker
Kybher Pass

Psalm 69
N.W.O.
Just 1 Fix
Thieves
So What
United Forces

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