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Killswitch Engage & Skeletonwitch in Hamburg/Grünspan (19.06)

skeletonwitchEs hat sich mittlerweile fest eingebürgert, dass Adam Dutkiewicz sich jedes Jahr zur Festivalsaison in der Hansestadt blicken lässt. Ob wie im letzten Sommer mit Times of Grace oder wie 2010 mit Killswitch Engage ist schlussendlich piep egal. Ist ja eh die gleiche Baustelle. Das aber der Chefdenker nun zum ersten Mal mit seinem neuen und alten Sängerknaben Jesse Leach im Gepäck in Europa vorstellig wird, macht die ganze Sache nun doppelt interessant. Logische Konsequenz: das Grünspan meldet ein dickes „Soul Out“! – und das mitten in der EM. Respekt!

Bevor die MetalCore Sperrspitze antrat, durfte der Specialguest Skeletonwitch ne entspannte Dreiviertelstunde zeigen, was sie so drauf hatten. Auf den ersten Blick passten beide Bands nicht so wirklich zu einander und die Amis hatten mit ihrem Crossover der traditionellen Stilelemente (ein bisschen Death, ein bisschen Thrash, ein bisschen Black und ganz viel Heavy Metal) anfangs auch einen schweren Stand. Doch Chance Garnette und Co. nahmen es mit Galgenhumor und nutzten ihre Chance, sich vor einem völlig anderem Publikum zu beweisen. Und siehe da: mit zunehmender Spielzeit (geboten wurde ein ausgewogener Mix aus den drei bisherigen Alben) verflog die anfängliche Skepsis der MetalCore Fraktion und klatschte ordentlich Beifall und spendierte sogar einen minimalen Mochpit. Manchmal macht es sich halt doch bemerkbar, wenn man einen Sänger wie Chance skeletonwitch_xxlin seinen Reihen hat, der den Metal wahrlich lebt und die geborene Frontsau ist. Da wird gerne mal die Bierflasche für das imaginäre Solo missbraucht, gebangt wie ne Raubsau oder einfach nur das deutsche Bier in den Himmel gelobt. Herrlich. Bitte mehr davon. Nach fairen 45 Minuten und einigen Fans mehr auf der Haben Seite war auch schon wieder Schicht im Schacht. Ein echter Arbeitssieg von Skeletonwitch, die auch abseits der Bühne coole Säue sind und sich nach dem KSE Gig von jedem Besucher im Eingangsbereich noch mal persönlich verabschiedeten.

In der sich ziemlich hinziehenden Umbaupause machte die Gretchenfrage des Abends in dem zur Sauna mutierten Grünspan die Runde: wird Jesse Leach seinen Vorgänger (bzw. Nachfolger) Howard Jones zumindest gleichwertig ersetzen können? Viele kannten dank Youtube den Rock am Ring Auftritt der Jungs und hatten diesbezüglich ihre Meinung, doch wie wird es tatsächlich im Club sein?

kse_xxlUnter lautem Jubel und einem sehr passenden Intro (Thin Lizzys „The Boys Are Back In Town“) betraten Dutkiewicz und seine Boys die Bühne und eines war sofort klar ohne das auch nur ein einziger Ton gespielt wurde: Hamburg hatte Bock auf KSE und KSE hatten Bock auf Hamburg. Das jedenfalls machte Hampelmann Dutkiewicz gleich zu Beginn an klar und nicht umsonst trug er während des gesamten Gigs ein Bandana mit dem Wappen der Hansestadt. Und Jesse? Tja, die Rechnung vom Chefdenker ging wahrlich auf („ersetze einen Sympathiebolzen durch einen Sympathiebolzen“) und der Gesangsknabe wurde vom Publikum sofort angenommen und machte seinen Vorgänger fast vergessen. Passend zu seiner Rückkehr zockte das Quintett ne ordentliche Mischung aus älteren Songs (das „Alive or Just Breathing“ wurde fast komplett gehuldigt, und auch das Backdrop zeigte das Coverartwork des selbigen) und auch bei den Jones-Hits „Rose of Sharyn“, „My Curse“ oder „The End Of The Heartache“ machte er eine gute Figur. Ansonsten war es (im positiven Sinne) eigentlich wie immer. Die Fans sangen fast schon wie bei einem Blind Guardian Konzert lauthals die weinerlichen Refrains mit, Dutkiewicz, der im Grunde der eigentlich Frontkasper der Truppe ist und dies in Hamburg auch ein weiteres Mal unter Beweis stellte, hielt zum Ende eine Dankesrede an die Fangemeinde, die Manowars Joey DeMaio nicht besser hätte halten können.
Nach ner knappen Stunde Spielzeit spendierten die Westfielder die beiden Zugaben „My Last Serande“ (war klar) und das unvermeintlichen DIO Cover „Holy Diver“ (ist eigentlich schon mal jemanden aufgefallen, wie ähnlich sich diese beiden Nummern in der Strophe sind?) und Schwups - war schon recht zeitig wieder Ende im Gelände. Ich glaube insgeheim, dass viele Besucher froh über das zeitnahe Ende waren, da die Luft im Grünspan schon lange nicht mehr als eine solche zu bezeichnen war und der Schweiß förmlich von der Decke tropfte. Einzig Adam wollte noch nicht so recht von der Bühne verschwinden und sang als One-Man-Show noch ein weiteres Loblied auf Hamburg. Guter Mann, wie ich finde.

 

Sven Meier

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