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Aktuelle Seite: StartseiteKonzert BerichteThe Revival Tour – 02.11.2012, Hamburg, Uebel&Gefährlich

Enslaved & Ghost Brigade - 23.02, Köln (Underground)

ghost

Am letzten Donnerstag begann der nächste Abschnitt der „Circling Above and Within"-Tour von Enslaved, auf der die Norweger immer noch das Meisterwerk „Axioma Ethica Odini" von 2010 präsentieren. Zum Auftakt fand man sich mal wieder im gemütlichen Underground in der Domstadt ein und hatte diesmal die Death/Doom-Metaller von Ghost Brigade aus dem (zumindest nördlich des Polarkreises) benachbarten Finnland als Verstärkung dabei. Der kölsche Untergrund war schon früh gut besucht und entspannt wartete die Menge auf den Beginn der Show.

Punkt 20:00 Uhr betraten Ghost Brigade die Bühne und legten gleich mit ‚Lost in A Loop' los. Die Band überzeugte von Beginn an mit großer Spielfreude und einem satten Sound. Spätestens mit dem grandiosen ‚Breakwater' von der aktuellen Platte „Until Fear No Longer Defines Us" brachten die Finnen auch das letzte Haar zum Rotieren. Nach ‚Deliberately', dem einzigen Ausflug auf das Erstlingswerk „Guided by Fire", folgte der depressiv-melancholische Hit ‚My Heart is A Tomb', der die Stärken von Ghost Brigade beeindruckend verdeutlichte. Die schwermütige Mischung aus melodischem Death und Doom erinnert zuweilen stark an die Schweden Katatonia oder die finnischen Landsleute Swallow The Sun. Und wenn Sänger Manne Ikonen zwischen Growls und klarem Gesang wechselt, kommen einem nicht selten die Kollegen Amorphis in den Sinn. Hinter all diesen Namen müssen sich Ghost Brigade aber keineswegs verstecken, wie das anschließende Instrumental ‚22:22 Nihil' noch einmal eindrucksvoll zeigte. Den Abschluss eines starken Auftritts bildete ‚Soulcarvers', bei dem die Band lässig einer nach dem anderen die Bühne verließ, bis einzig Drummer Suihkonen noch spielte. Für ein wirklich tolles Konzert ernteten die Finnen wohl verdienten Applaus vom jetzt gut aufgewärmten Publikum.

Nach einer halbstündigen Umbau- und Soundcheck-Pause gingen dann endlich die Lichter wieder aus und zu den Klängen von ‚Axioma' betraten Enslaved die kleine Bühne. Das Instrumental ging dann auch gleich in die Übernummer ‚Ethica Odini' über. Das geniale Riff in den Strophen, der progressive Chorus, das überragende Solo am Ende entfalten live eine fast noch intensivere Wirkung als auf Platte. Ein überragender Start, der die ohnehin schon gute Stimmung noch mal gewaltig steigerte. Mit ‚Raidho' folgte auch gleich der nächste Hammer vom immer noch aktuellen Album „Axioma Ethica Odini". Danach ging man ein paar Alben zurück und brachte mit ‚Fusion of Sense and Earth' das gesamte Underground zum kollektiven Headbangen.
Danach prostete Enslaved-Gründer Grutle Kjellson dem Publikum zu, das ihm zahlreiche Biere entgegenreckte, und entschuldigte sich für den norwegischen Trainer des 1. FC Köln. Die Reaktion darauf fiel recht verhalten aus. Anscheinend sind nicht allzu viele Fußballfans unter den Kölner Enslaved-Fans. Aber an diesem Abend ging es auch um die Musik, die mit ‚Ground' und ‚Giants' weiter zelebriert wurde. Danach ging man Schritt für Schritt immer weiter in die schwärzere Vergangenheit von Enslaved zurück. Nach ‚Ruun' folgte ‚As Fire Swept Clean the Earth' von 2003 und ‚Jotunblod' vom 1994er Werk „Frost", bevor das reguläre Set mit der von einem der ersten Demos der Band stammenden Großtat ‚Allfáðr Oðinn' beendet wurde.
Bei dieser kurzen Zeitreise wurde deutlich, dass sich Enslaved immer treu geblieben sind und von der ersten Aufnahme an immer überragende Qualität abgeliefert haben. Im Laufe der Jahre hat man sich ein wenig von den schwarzmetallischen Wurzeln entfernt und vermehrt dem progressiven Wikinger-Metal zugewandt, aber Verlass war auf die Mannen aus Haugesund über die Jahre hinweg immer.
Nach einer kurzen Zugabenpause machte man auch gleich mit einem Cover von Led Zeppelins ‚Immigrant Song' weiter. Die Nummer ist wie gemacht für Enslaved. Kjellsons Gesang und die klaren Vocals von Keyboarder Herbrand Larsen ergänzen sich hier hervorragend. Das Cover endete mit einem mehrminütigen Instrumentalpart, der die musikalischen Vorzüge der Norweger noch einmal eindrucksvoll unter Beweis stellte. Mit dem kurzen ‚Isa' wurde das Konzert dann nach nur etwas mehr als 80 Minuten leider auch schon beendet.

Enslaved boten eine herausragende Leistung in Köln. Zum Auftakt dieses Tour-Abschnitts zeigte sich die Band gut eingespielt und mit Spaß bei der Sache. Das Set bot einen Überblick über das gesamte nunmehr über 20-jährige Schaffen der Norweger und enthielt keinerlei Ausfälle. Mit Ghost Brigade hat man einen passenden Support gefunden, der ebenfalls die Massen begeistern konnte und sich sicher einige neue Fans erspielt hat. Die Stimmung war von Beginn an sehr gut und trotz der knapp bemessenen Spielzeit verließ an diesem Abend sicher niemand das Underground enttäuscht.

Christian Schrübbers

Ghost Brigade:

Lost in A Loop
Traces of Liberty
Breakwater
Deliberately
My Heart is A Tomb
22:22 Nihil
Clawmaster
Soulcarvers

Enslaved:

Axioma
Ethica Odini
Raidho
Fusion of Sense and Earth
Ground
Giants
Ruun
As Fire Swept Clean the Earth
Jotunblod
Allfáðr Oðinn
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