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Shinedown in Hamburg

Shinedown / Halestorm / Liberty Lies 01.02.2012 Gr. Freiheit 36, Hamburg

 

 

 

Laut Ticketcenter sollte der Vorverkauf sehr gut gelaufen sein, offenbar jedoch nicht so gut, dass die Galerie des Clubs geöffnet werden konnte, vielleicht lag dies auch an der wie eine Privatparty anmutenden Präsenz der Herren „Haudegen“, die von dort oben die gute Aussicht genossen. Der Innenraum jedenfalls war gut gefüllt mit einem, wie sich zeigen sollte, äußerst textsicheren Publikum.

Los ging es ziemlich pünktlich um 20.00 mit den Briten Liberty Lies, die ihren Hardrock leicht nervös mit viel Posing präsentierten. Im Laufe des Sets fand dann wohl der Mischer den Fader und so dröhnte zeitweise eine sehr laute Sologitarre durch die Reihen. Die Begeisterung der Band, insbesondere des Sängers, für die reichlich mitklatschenden Hände, war sicherlich ihren noch recht jungen Lebensjahren zuzuschreiben und ihr erster Trip nach Deutschland entschuldigte die einstudiert wirkenden Fronterposen, darüber hinaus steigerten sie sich im Laufe der knapp 30 Minuten und lieferten insgesamt eine solide Leistung ab.

dscf6141 - arbeitskopie 2Nach relativ zügiger Umbaupause enterten Halestorm die Bühne und schickten das begeisterte Publikum vom ersten Akkord an auf eine Zeitreise. Die Band um die Geschwister Elizabeth und Arejay Hale boten eine beeindruckend authentisch klingende Melange aus Hardrock und Hairmetal der 80er, optisch sehr an Tia Carrere aus den Wayne´s World Filmen erinnernd, mit einer starken und immens umfangreichen Stimme plus Gitarrenspiel lagen die vorderen Reihen, trotz deutlichem Frauenüberschusses, der Sängerin zu Füssen. Die Ansagen stets durch Musik untermalt, forderte sie die deutschen Jungs auf, ihren „American Boys“ Konkurrenz zu machen, die nahmen sich des Wettkampfes an und schnitten laut Hale auch nicht gerade schlecht ab. Ihr Bruder schien dem just gestarteten neuen Muppets-Film entsprungen zu sein, falls Animal in diesem fehlt, wir wissen wo er ist! Zu Beginn noch mit Totenschädelmaske getarnt, ballerte er sich durch das Set, vollführte wildeste Jonglageübungen während des Spiels und stellte sowohl sein gesangliches Talent als auch seine Deutschkenntnisse nach seinem imponierenden Drumsolo in Form des Rammstein-Klassikers „Du hast“ unter Beweis. Das Solo trommelte er zeitweise mit bloßen Händen auf die Kessel und stellte damit die Leistung seiner Schwester, auf geschätzten 12cm Bleistiftabsätzen das Konzert souverän über die Bühne zu bringen noch in den Schatten. Halestorm zeigten Mut zur Ballade und zu altbekannten, jedoch sehr gut interpretierten und wiederaufgegriffenen Kompositionen von Bands á la In Extreme, Mr. Big oder Van Halen und müssen sich in der Form von Mittwoch hinter diesen großen Namen keinesfalls verstecken.

 

Gut ein Jahr hatten Shinedown pausiert, es sollte noch mehrfach an diesem Abend die Betonung darauf folgen, dass sie sich für den Touranfang nun gerade Hamburg ausgesucht hatten. Dem Publikum sollte es mehr als recht sein. Im Vergleich zu den Live-Aufnahmen der Akustik-Konzerte der „Somewhere In The Stratosphere“-DVD hatte Mastermind Brent Smith deutlich an Gewicht reduziert, sah bei mancher Beleuchtung gar etwas verhärmt aus, sein Charisma aber zeigte sich unverändert groß. Zeitweise mutete seine mimische Darstellung der Texte ein wenig scharadenartig an, eigentlich viel zu überladen, trägt doch seine grandiose Stimme fast schon im Alleingang die Songs – und das ist bei der gekonnten kompositorischen Leistung eben noch faszinierender. An dritter Stelle kam schon gleich überraschender Weise die stampfende Mitsinghymne „Devour“, das gesamte Set zeigte sich sehr ausgeglichen zwischen schnellen und ruhigeren Nummern, enthielt sowohl Titel des Ende März erscheinenden Albums „Amaryllis“ als auch der bereits erschienenen Platten, wobei hier doch klar die der 2008er „The Sound Of Madness“ überwogen. Mit vielen erheiternden Ansagen gespickt und einem exklusiven Kursus in tiefer Bauchatmung durch Brent Smith kam das Hauptset auf eine gute Stunde. Für die Zugaben ließen sich die Herren aus Florida nicht lange bitten und tatsächlich war auch das grandiose Lynyrd Skynyrd-Cover „Simple Man“ darunter – offenbar hatten sie es auf den vergangenen Touren hin und wieder vermieden zu spielen, den folgenden Protesten sich nun – nur allzu gerne – unterworfen und präsentierten eine sehr ruhige, nur mit einer Akustikgitarre begleitete Interpretation. Die Konzerte vieler Bands werden ja an dem bekannten einen Lied gemessen, ohne das ihr Publikum sie nicht gehen lassen möchte oder eben bei Nichthören sehr ungerne geht; dass es sich bei einer so außergewöhnlichen Band wie Shinedown hier noch um eine Coverversion handelt ist umso ironischer. Nach knappen 80 Minuten entließen Shinedown ein durchweg begeistertes Publikum in die frostige Nacht und nach den Liveeindrücken der neuen Songs kann man sich schon sehr auf Ende März und „Amaryllis“ freuen.

Zu den Bildern glangt ihr hier

 

Text: Julika Quickert

 

Pix: Arne Blaschke

 

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