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Dropkick Murphys / Frank Turner / Cryssis – 25.01.2013, Hamburg, Sporthalle

Ein paar Tickets gab es an der Abendkasse noch, können aber weniger als 100 Stück gewesen sein, denn die Sporthalle war, wie nicht anders zu erwarten bei der Boston Beer Party, proppevoll. Zunächst wurde das britisch-deutsche Punkkombinat „Cryssis“ an die Rampe gebeten. Die auffallende Altersspanne zwischen den Bandmitgliedern hinderte die Intergenerationsband nicht daran, ordentlich Stimmung zu machen. Mit Dick York an Gesang und Gitarre sowie dem als Toten Hosen-Mitglied bekannten Vom Ritchie am Schlagzeug brauchen sich die Herren aber auch hinsichtlich der Bühnenerfahrung hinter niemandem zu verstecken. Die Ansagen mal auf Englisch mal auf Deutsch, vielfach sympathisch persönlich – Einladung zur Aftershowparty im King Calavera sowie zum Auftritt am nächsten Tag im gemütlichen Headcrash auf dem Hamburger Berg – und offenbar so motivierend, dass die hereinströmenden Menschen sich gleich mal direkt vor die Bühne zum Tanzen bewegten, machten einen guten Eindruck. Der Cryssis-Stil erinnerte an The Clash, kam aber durch moderne Rock-Einflüsse keinesfalls altbacken daher, zudem sorgte ein, gerade für eine Vorband, sehr guter Sound für gute Laune beim Publikum.

Frank Turner hatte zur Unterstützung seine „Sleeping Souls“ mitgebracht und sie bewiesen gemeinsam imposant, dass auch eine eher akustische Besetzung mächtig Druck machen kann. Das Publikum gab dies dankbar zurück, übertönte laut Turners Angaben bei „I still believe“ im Refrain die bis dato lauteste Menge in Kopenhagen, reagierte bei „Photosynthesis“ auf die Refrainzeile „I won't sit down...“ mit einem mindestens die ersten 15 Reihen durchziehenden Sitzblock im ruhigen Part, woraufhin Frank Turner mit dem klassischen Aufruf zum Hochspringen beim erneuten Einstieg in den Refrain konterte. Die mitsingbaren, an lange Pub-Abende erinnernden Lieder und Turners markante Stimme, dazu eine äußerst agile Bühnenpräsenz - wobei der Basser locker Mike D'Antonio von Killswitch Engage ersetzen könnte – , ausgezeichnete Musiker und hervorragender Klang hätten eine viel längere Spielzeit der Truppe durchaus gerechtfertigt. So bleibt zu hoffen, das Frank Turner und Konsorten baldmöglichst wiederkommen – dann aber schnell zum Ticketschalter, drei Konzerte der kommenden Amerika-Tour sind bereits ausverkauft!

Die Dropkick Murphys sind trotz aller biergeschwängerten Fußball-Kumpel-Gesänge in ihren irischen Herzen offenbar richtig fleißge Bienchen, bringen sie doch im durchschnittlichen Zweijahresrythmus eine neue Scheibe auf den Markt. Von ihrer neuesten Veröffentlichung „Signed And Sealed In Blood“ hatten sie gleich fast drei Viertel der Lieder mit auf der Setlist. Nach dem herzerweichenden Traditional „The Foggy Dew“ als Intro legten sie mit „The Boys Are Back“ und „Burn“ gleich zwei Neuheiten zum Beginn auf's Parkett. Die wundervolle Mitsingballade und erste Single des neuen Albums „Rose Tattoo“ durfte natürlich mit der für das Album namensgebenden Zeile im weiteren Verlauf auch nicht fehlen. Das annähernd 100minütige Konzert war aber selbstverständlich auch mit unumgänglichen alten wie neuen Perlen á la „Johnny, I Hardly Knew Ya“, „Forever“ (mit beeindruckendem Publikumschor), oder „I'm Shipping Up to Boston“ gespickt. Gut gelaunt und mit dem musikalischen Marschgepäck eines irisch-schottischen Spielmannszuges bewaffnet, verbreitete das Septett gewohnt gute Laune. Sänger Al Barr pflegte seine – nach eigenen Angaben schwindenden – Deutschkenntnisse ein ums andere Mal und von der Tribüne aus betrachtet hatten sich annähernd zwei Drittel des Innenraums der Sporthalle in ein hüpfendes, schunkelndes, pogendes Meer aus fröhlichen Menschen verwandelt, von denen zur allgemeinen Abkühlung (waren ja nicht gefühlte – 10°C vor der Tür...) der ein oder andere Bierduschen spendierten. Leider wurde das geltende Rauchverbot einerseits kaum eingehalten, andererseits sehr verhalten durchgesetzt. Hier und da wurde mal eine brennende Zigarette mittels Lederhandschuh vor den Augen der verblüfften Raucher ausgedrückt, die Mehrheit wurde aber nicht belangt. Das ist nicht nur den Nichtrauchern gegenüber unfair – da um mich herum zeitweise fünf Leute ihren Qualm in mein Gesicht pusteten, musste ich mich trotz feucht-stickiger Luft auch noch mit einem Schal vermummen – sondern auch den anständigen Rauchern, die sich regelmäßig in ihre dicken Winterklamotten einmummelten, um Draußen im gekennzeichneten Bereich zu Rauchen. Diese „ach, wenn ich nachts verkehrt herum in eine Einbahnstraße reinfahre, weil nichts los ist, stört es doch auch keinen“ - Mentalität geht mir jedenfalls sehr auf den Senkel. Oder spucke ich Euch etwa mein Getränk in die Nase und wundere mich dann, wenn ihr das nicht wolltet? Kurzzeitig trübte dieser Zustand meine Freude über ein gelungenes Konzert. Der geballten Livepower der Dropkick Murphys ist es aber zu verdanken, dass der Abend mir grundsätzlich in guter Erinnerung bleiben wird. Zum Ende hin wurden dann wie immer zuerst die Mädels (so an die 100?) und dann noch die Jungs (so an die 200?) auf die Bühne gelassen. So viele Menschen waren es sicherlich nicht, aber die Bühne war so voll, dass von der Band kaum noch etwas zu sehen war. Das sehr gelungene AC/DC-Cover „Dirty Deeds Done Cheap“ und ihr Hardcore-Rauswerfer „Citizen C.I.A.“ machten den Zugabenblock perfekt.

Julika Quickert

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