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Wacken Open Air 2006
Geschrieben von: Sven Meier   
Donnerstag, den 18. Februar 2010 um 22:04 Uhr


Wacken Open Air 2006

1. Tag, Donnerstag, 3.8.2006

Endlich war es wieder soweit: Das 17. Wacken Open Air lud ein und alle kamen. Die Kühe wurden von der Weide geschuppst, der Rasen frisch gemäht und der Wettergott ist wohl doch bestechlich. Laut Wetter.com sollte es am Wacken-Wochenende stark Regnen und die Sonne sollte sich kaum blicken lassen. Also sind XXL-Rike und icke am Donnerstag mit den schlimmsten Befürchtungen und den Erinnerungen an die Schlammschlacht vom letzten Jahr Richtung Wacken gefahren. Denn das Billing mit Bands wie Soulfly, Fear Factory, Ministry und Emperor versprach wirklich einiges.
Nach recht kurzer Fahrt sollte der erste Stopp bei Edeka im Dorf sein. Dort warteten schon unsere Pässe, die unser Leben in den nächsten 3 Tagen erheblich stressfreier gestalten sollten.
Pässe eingesackt, standen wir erstmal im Stau und der Regen prasselte auf uns nieder. Die Laune war kurzfristig im Keller, doch um es vorwegzunehmen: Es sollte der letzte Regen für dieses Wochenende sein. Es regierte fast unentwegt Sonnenschein, herrlich!
Nachdem das Zelt stand,...

wurde der VIP-Zeltplatz begutachtet. Irgendwie eine kleine Welt für sich, denn neben dem Metal-Hammer-Bus wurde von den Jomswikingern Deutschland (die beim Auftritt von Amon Amarth eine Wikingerschlacht aufführen sollten) ein Miniatur Wikingerdorf errichtet. Musiker von Soilwork, Nayled, Primordial und natürlich auch Amon Amarth campten in unmittelbarer Nähe.
Der Festival Donnertag stand traditionell im Motto von „A Night to Remember“, angeführt von den Scorpions. Zuvor sollten Victory und die Michael Schenker Group den Leuten vor der Bühne quasi anstacheln(you know the crazy Wortwitz?). Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass der Besuch auf dem Metal-Markt interessanter war, als die doch schon recht betagten Bands auf der Bühne.
Den ersten Headliner des Festivals, die Scorpions, sahen wir nur kurz direkt vor der Bühne.
Denn schon am ersten Festivaltag deutete sich an, was das gesamte Festival bestimmen sollte:
Menschen ohne Ende. Aber zum Glück wurde das Konzert auch im VIP Zelt übertragen.
Als Nicht-Scorpions-Fan kann ich zum Auftritt kaum was sagen. Interessant wurde es aber dann doch, als nacheinander ehemalige Bandmitglieder auf die Bühne geholt wurden. Neben Michel Schenker und Uli Jon Roth erschien später auch Ur-Schlagzeuger Herrmann Rarebell, der bewies, das noch ordentlich Leben in seinen Knochen steckt.
Nach einem gemütlichen Feierabendbier ging der erste Abend ruhig und gemächlich zu Ende.

2. Tag, Freitag, 4.8.2006

Nach einer recht entspannten Nacht(danke, das es auf dem VIP Platz keine Rammstein und Onkelz Fans gab) begrüßte uns schon um 9Uhr die Sonne. Bei diesen herrlichem Wetter nahm man gerne eine mehr als eiskalte Dusche in Kauf :frier: . Nach einem gemütlichen Kaffe für 2,50€ standen schon die ersten Bands auf der Bühne, um uns den Schlaf aus den Augen zu pusten.
Im Angebot standen Mystic Circle auf der Black Stage und End Of Green auf der so genannten Party Stage. Nach kurzem abchecken des Black Metal Kasperletheaters von Mystic Circle (ich erinnere mich gerne mit einem Schmunzeln an die angeklebten Teufelshörner von Sänger –Achtung! – ´Graf von Beelzebub´ beim letzten Wacken-Gig ´99) trollten wir uns zu End Of Green. Aber die Heulbojen hätten besser auf das M´ra Luna Festival oder beim Summer Breeze gepasst, aber nicht morgens um 11Uhr in Wacken!

Weiter ging es mit Wintersun, der neuen Band vom ehemaligen Ensiferum-Frontmanm Jari Mäenpää( finnische Namen sind Kult!). Da ich bislang nur 2 Samplerbeiträge kannte, war die Band praktisch Neuland für mich. Dargeboten wurde typisch-finnischer Melodic Death Metal, den ich gerne ketzerisch als Nintendo-Metal bezeichne. Leute, ihr könnt zwar verdammt flink und vor allem gut spielen, aber mit Metal hat das irgendwie nix mehr zu tun.
Aber den typischen 15-19jährigen Children Of Bodom Fans schien es zu gefallen.

Nach der finnischen Wintersonne kam direkt danach die Legion der Verdammten. Die Holländer, die bis vor kurzem noch unter dem Namen Occult lärmten, fand ich schon auf dem Rock Hard Fest. etwas überbewertet. Denn als Occult gewannen sie mit ihrem Mix aus Death/Thrash keinen Blumentopf und lösten sich konsequenterweise auf. Mit neuem Namen (aber altem Rezept) werdenLegion Of The Damned von den Medien abgefeiert ohne ende. Unverständlich, und das sahen wohl einige ähnlich, denn die Menschenmenge vor der Bühne wurde mit zunehmender Spielzeit immer übersichtlicher. Dabei war es nicht mal so, das die Band nicht aus voller Überzeugung alles gab, aber der berühmte Funke wollte einfach nicht überspringen.

Auf dem ersten Blick passte die kanadische Sabberzunge Danko Jones mit seinem einzigartigen Mix aus Rock´n´Roll und Blues nicht sooo richtig ins Wacken Billing. Aber kaum war das sympathische Großmaul auf der Bühne(geschmackssicher mit Stachelarmbändern und Augenklappe), klatschten die nicht grad wenigen Fans vor der Bühne ordentlich mit. Danko überzeugte durchaus, das er ein brillanter Entertainer ist und zu recht auch Spoken Words-Performances beherrscht. Highlights waren die gesamten Songs aus dem vierten Album „Sleep Is The Enemy“. Klasse Auftritt. :head2: :head1:

Die Sonne brutzelte weiter und kannte kein Erbarmen. Beste Vorraussetzung also für die nun folgenden Six Feet Under.
Die letzten 2-3 Alben hätten sich Six Feet Under zwar klemmen könenn, aber live funktioniert dieser simple Death Metal bestens. Der Bewegungsradius der Musiker war kaum größer als der eines Bierdeckels, aber die Fans nahmen alles dankbar auf. Bei den älteren Songs(also alles, was vor 2000 erschien) kam am meisten Stimmung auf. Die Band sollte ernsthaft überlegen, ob sie nicht ab sofort nur noch ihr grandioses Debüt Werk live zum Besten geben sollte. Ohne großartige Überraschungen ging der Gig zu Ende.

Der Himmel verdunkelte sich langsam aber sicher, der Wind frischte auf - der perfekte Zeitpunkt für eine kleine Verschnaufpause im Zelt, doch Nevermore baten zum Tanz.
Nach dem wirklich famosen Auftritt 2 Monate zuvor auf dem Rock Hard Festival war ich doch sehr gespannt auf die Truppe aus Seattle. Vermisste ich doch in Gelsenkirchen den 2. Gitarristen, wurde dieser Posten nun durch den Jag Panzer-Klampfer besetzt. Vor der Bühne wurde es nach dem Gig von Six Feet Under schön gemütlich. Sänger Warrel Dane merkte man deutlich an, das er mittlerweile keinen Alk mehr zu sich nimmt und auf der Bühne deutlich agiler wirkt. Besonders heraus stachen die wohl beiden besten Songs vom Aktuellem Werk, nämlich den Titelsong, „This Endless Endeavor“ und „Born“.

Opeth und Festivals. Passt das zusammen? Zwar funktionieren die gefühlsvollen und emotionalen Songs in einem kleinen, dunkeln Club deutlich besser als im Tageslicht auf einer Festivalbühne. Dennoch machte Bandchef Mike Akerfeldt gute Miene zum (nicht ganz so) bösen Spiel. Hätten Soilwork nicht zeitgleich auf der Party Stage gelärmt, wäre es sicherlich zu einem neuen Fan-Rekord für Opeth gekommen. Zum ersten Mal an diesem Tag war der Sound richtig fett und klar. Sänger Mike war zum Scherzen aufgelegt und bedankte sich nach jedem Song für das „anchecken seiner Band aus Schweden“. Obwohl ich mittlerweile alle Opeth Alben besitze kann ich mir einfach keine Songtitel von denen merken. Aber alle Daumen nach oben, für die Musiker, die zu recht dort sind, wo sie sich nun befinden: fast an der Spitze! :thumbsup: :thumbsup:

Es gibt in Deutschland 4 Bands, bei denen die Fans wirklich jede Zeile mitsingen können. Neben den Onkelz, Blind Guardian und Subway To Sally meine ich natürlichIn Extremo.
Alter Vater, vor der so genannten True Metal Stage versammelten sich zig Tausend Menschen. Und die erlebten eine wirklich besondere Show. In Extremo sind absolute Profis und können einfach nur begeistern. Der Bühnenaufbau erinnerte sehr an das Konzept der letzten Scheibe. Sprich, die Vögel haben fast ein komplettes Boot auf die Bühne gezimmert. Logischweise lag der Schwerpunkt auch bei den neueren Songs, die mittlerweile jeder, aber auch wirklich jeder mitsingen kann. Super Show mit reichlich Feuerwerk!

Auch Type O Negative haben eine Vergangenheit und die heißt Carnivore. Type O-Mastermind. Pete Steele hatte wohl mal wieder bock auf seine alte Krachcombo oder benötigt etwas Kleingeld, da Type O mittlerweile auch nur noch aus dem letzten Loch pfeifen.
Der Name war mir zwar geläufig, aber bislang kannte ich musikalisch nichts von Carnivore. Überraschenderweise zockte die Truppe kurze, fast schon Hardcore-kompatible Songs, die doch recht hart und schnell waren. Kein vergleich zu den Herzschmerz-Trauerspiel, was der Sänger(der sich als Johnny Cash vorstellte) sonst bei Type O treibt.

Die Bandshirts und das recht junge Publikum, was sich nun auf dem Gelände rum trieb, lies erahnen, was nun folgte: Die heimlichen Headliner Children Of Bodom betraten die Bühne. Da es vor 2 Jahren bei denen schon derbe voll wurde, schauten wir uns das Konzert lieber vom Partyzelt aus an. Der Bühnenaufbau sah recht gewaltig aus: mehrere brennende Fässer und alte Trucks schmückten die Bühne. Aber da ich ein erklärter Feind dieser Kinder vom See bin, kann ich auch bis auf die Tatsache, das sie perfekte Musiker sind, nix gutes sagen. Es ist schon erstaunlich, wie es Mädchenschwarm und Sänger Alexi schafft, in nur einer Ansage das Wort ´Fuck´ mindestens 265x zu erwähnen.
Ich glaube, bis auf In Extremo hat Wacken noch nie so viele Fans vor der Bühne gesehen. Was auch zur folge hatte, das reger Flugalarm herrschte und die Leute divten ohne unterlass.
Fazit dazu: wäre ich 10 Jahre jünger, hätte ich COB vielleicht auch toll gefunden, alles klar soweit?

Geschichtsunterricht der besonderen Art gab es nun bei Celtic Frost. Auch die Schweizer Band hat sich vor kurzem wieder reformiert und wollte es noch mal wissen. Diese Band war maßgeblich für den heutigen Black Metal Sound verantwortlich. Ohne diese Jungs würden Bands wie Satyricon oder auch Darkthrone definitiv anders klingen.
Auf dem Rock Hard Festival mussten Celtic Frost kurzfristig absagen, deshalb gab es in Wacken nun mein erstes Konzert der Schweizer. Die Bühne sah mit den Celtic-Banner und der Lightshow schon recht imposant aus. Nach einem langen mystischen Intro stand die Legende auf der Bühne. Nach 2 Songs wurde es aber irgendwie langweilig und nach dem dritten hatten wir schon keinen Bock mehr, denn wir hatten schlicht und ergreifend Hunger! :coffee:
Die Band bewegte sich kaum und die Songs hatten zwar groove, waren aber doch zu eintönig.
Es mag wohl auch daran gelegen haben, das Celtic Frost direkt nach COB ran mussten, und (obwohl ich die Band nicht mag) nach der ausgelassenen Stimmung, die COB verbreiteten hätte es wohl jede Band schwer.
Mit einem leckeren Wackensteak in der Hand war es ein Vergnügen, Erwachsende Menschen, die ca. 2,9 Volt im Schädel haben, zu beobachten, wie sie in ihr Unglück rennen.
Kleiner Tipp: Setzt Euch niemals, unter gar keinen Umständen in Wacken auf den Boden wenn es dunkel ist. Wer weiß, was dort schon lauert?

Zum krönenden Abschluss des zweiten Festivaltages gab es eine Atombombe in musikalischer Form! Ministry in Wacken! Hätte das vor 4-6 Jahren jemand zu mit gesagt, ich hätte denjenigen für Wahnsinnig erklärt. Die Begründer des Industrial Metals auf dem größten (ehemals fast nur true-) Metalfestivals Europas! Mit einem Wort: Endlich!
Ministry-Mainman Al Jourgensen stellte für die Festivaltour die wahrlich unglaublichste Live-Band zusammen:
Tommy Victor(Prong), Paul Raven(Killing Joke), Mike Scaccia (long-time Ministry axe-virtuoso), John Bechdel (Fear Factory, Prong, Killing Joke), Joey Jordison(Slipknot) und natürlich den Chef himself, Al Jougensen (der einzig Wahren Gott)!
Punkt 0.30Uhr Ortszeit war es dann soweit. Eines der brutalsten Konzerte, die ich jemals sah, sollte beginnen. Der Sound war mörderisch, nicht grad filigran, aber mächtig! Fragt mich bitte nicht nach Songtiteln, aber die erste Hälfte von diesem Konzert wurden den letzten beiden Studioalben gewidmet. Die Songs von „House Of The Molé“ und „Rio Grande Blood“ gehören mit zu den besten, was Chefprediger Al mit Ministry bislang herausgehauen hat. Unterstützt von massig kranken Samples und Propagandavideos, die allesamt gegen die US-Regierung gerichtet sind und im speziellen gegen einen gewissen G.W. Bush!
Der ehemalige Junkie Jougensen war zwar hackedicht, aber bestens bei Laune. Der Mob tobte und schrie, Zwen tobte und schrie, alles tobte und schrie! Ich schrie so laut, das meinem Nachbarn (der Basser von Ektomorf), der ebenfalls laut schrie, auffiel, dass ich laut schrie. Die Hölle! Wirklich ein perfekter Gig! Nein, Überirdisch!
So, und nun können sich Ministry(wie angekündigt) in Ehre auflösen.
Sprachlos ging ich ins Zelt und musste schlafen!
Gute Nacht!


3. Tag, Samstag 5.8.06

Aufgewacht, aufgewacht!! Und schon brach der letzte Wacken-Tag an. Zur Überraschung aller gab es in den Duschen ausnahmsweise mal kaltes Wasser. Egal, Festivals sind schließlich kein Kindergeburtstag. Mit einem herrlichen Guten-Morgen-Käffchen bewaffnet liefen wir gegen 11.30Uhr über das fast Menschenleere Festivalgelände. Kaum zu Glauben, das ein paar Stunden zuvor noch ca. 40.000 Fans hier bei Children Of Bodom gefeiert haben.
Sehr merkwürdig fanden wir es, das jeweils links und rechts neben der Bühne haufenweise Steine lagen, die nur darauf gewartet haben, es ein Irrer diese mal im laufe des Tages in die Menge wirft.
Liebe Veranstalter, solange so etwas auf dem Gelände liegt, ist die Personenkontrolle am Einlass einfach sinnlos!

Musikalisch wurde es heute mit Caliban (bitterböse Zungen wie icke nennen sie liebevoll Kajaliban). Oh, Man…nachdem ich diese Band nun schon zum 4. Mal ertragen musste, nerven sie immer noch!
1. kann Sänger Andy Döner, wenn er mal nicht den Berufsphsyco mimte nun absolut nicht singen.
2. nerven diese ewigen Versuche, total hart rüber zukommen einfach nur. Bunte Bilder auf der Haut erzeugen dieses nicht immer!
3. die Wall Of Death ist Scheiße! Ganz einfach!
4. wie schon beim Rock Hard Festival hätte man lieber Hatesphere den Vorzug geben sollen, die haben Charisma und sind jederzeit lustig.
5. das Caliban auf der Hauptbühne sich austoben durften war total unverständlich. Eine Legende wie Metal Church(die immerhin ´99 Headliner waren) mussten auf der kleinen Party Stage spielen.
Ne.ne…das war nix! :thumpsdown:

Aufgrund der Tatsache, das es vor der Black Stage nun Pickepacke voll wurde, konnte auch jeder Blindfuchs erkennen, das Arch Enemy zu den Bands der Stunde zählen. Als Bandschlächter von Dienst muss ich mal wieder meckern und nochmals darauf hinweisen, dass das Aktuelle Werk „Doomsday Machine“ einfach nur belanglos ist und zu unrecht
abgefeiert wird. Aber manchmal ist Heavy Metal dichter am Popgeschäft dran als man zugeben möchte und verkauft Platten wie blöd. Naja…
Zurück zum Auftritt. Schlappe 10 Minuten hat die Band auf sich warten lassen. Was war los? War die Frisur nicht Ok? Jagte Sängerin Angela irgendwelche Raucher aus dem Bühnenbereich? Man weis es nicht…
Der Auftritt selbst ging in Ordnung. Nervig war das lange Intro, der Sound konnte nicht als solcher bezeichnet werden, aber die Musiker um Gitarrenheld Mike Amott gaben alles. Allerdings ist Frontgrunzerin Angela immer noch keine Entertainerin, ihre Ansagen kamen wie auswendig gelernt rüber. Bester Song des Auftritts war „Dead Eyes See No Futher“. Der Gig vor 2 Jahren in Wacken war irgendwie spannender.
Mensch, Mike, scheiß auf das Geld und steig wieder bei Carcass ein.

Sehr merkwürdig sollte es nun auf der True Metal Stage zugehen. Fear Factory waren zum ersten Mal in Wacken und sorgten Anfangs für schlechte Stimmung. Denn erstens spielte das Quartet gleich 3-4 neue Songs(die nun wirklich langweilig waren) und zweitens hatte der Soundmixer wohl Petersilie in seinen Ohren. Selten so einen Soundbrei gehört. Zum Glück änderte es sich etwas, zufälligerweise grad dann, als FF mit ihren Klassikern begannen.
Sänger Burton C. Bell (Stillsicher bekleidet mit einem extrem stylische Ringelpulli,sick!) lies verlautet, das Fear Factory noch nie vor so einer großen Menschenmasse standen(übrigens ein Spruch, der öfters an diesem WE durch die PA kam). Mit den Hits (“Big God/Raped Souls”, “Scapegoat”, “Martyr”, “Self Bias Resistor”) wurde die Stimmung auch wieder ausgelassener und es sollte noch ein richtig geiles Konzert werden. Für die, die zu früh zum Bierstand gewackelt sind: Ihr könnt Euch mal so richtig in den Arsch beißen, denn der Rausschmeißer “Replica” war Gott. Aber so was von!
Nach der Panthera-Verbeugung „Walk“ und einen Geburtstagsständchen für Gitarrist Christian war auch schon wieder Feierabend.

Es mag zwar sicherlich ein Zufall gewesen sein, das Orphaned Land auf der Party Stage ausgerechtet gegen Morbid Angel auf der großen Black Stage „antreten“ mussten. Wurde doch vor Jahren dem ehemaligen (und jetzt Wieder) Sänger David Vincent der Vorwurf gemacht, öffentlich die Band für Nazipropaganda benutzt zu haben. Er selbst hat es nie bestritten… Ich bin mir zwar nicht 100% sicher, aber ich glaube, doch einige Seitenhiebe gegen die Kollegen aus Israel vernommen zuhaben. Ob die übrigen Bandmitglieder überhaupt wissen, wessen Geistes Kind ihr Sänger überhaupt ist? Schaut man sich den Drummer Pete Sandoval an, möchte man fast schon meinen, daß dem Vogel alles außer seinen Drums egal ist.
Nun gut, da beide Bands musikalisch eine Offenbarung sind, musste ich ewig hin und her eiern, damit ich von beiden etwas zu hören bekam.
Morbid Angel im Original Line-Up zu sehen war schon klasse, das bedeutete auch, das nur alte Songs gespielt wurden. Die Gitarrenfraktion ist über jeden Zweifel erhaben und neben dem Nevermore Gitarren-Duo das Beste, was auf dem Festival zu finden war. „God of emtiness“ und „Where the slime live“ waren ein Fest für sich.
Während bei Morbid Angel emotionale Kälte und musikalisch Perfektion alles war, regierte bei Orphaned Land Emotionen und Spielfreude. Neben den Highlights des aktuellen Werk „Mabool“ gab es auch einige ältere Songs zu hören, die ich aber leider noch nicht kenne, da die Alben immer noch schlecht aufzutreiben sind.
Diese Band hat auf jeden Fall ein größeres Publikum verdient! (hier mal schönes Gruß an das Israelische Loch:titten: )

Ach, Wacken 2006 machte in diesem Jahr einfach Spaß.
Anstatt Ewiggestriger in viel zu engen Jeans und Kukident-Stammkunden, gab es endlich mal modernere Bands. Ministry und Fear Factory sorgten schon für Begeisterung und Soulfly sollten dieses auch mühelos schaffen. Ich musste ja etwas schmunzeln, als ich erfuhr, das Soulfly UND Ektomorf auf einem Festival spielen sollten. Quasi der Direktvergleich von dem Original und der Fälschung. Wahre Könner gegen nervige Stümper! Wer wohl gemeint ist…?
Obwohl ich zwar alle relevanten Alben von Soulfly besitze, war ich nie der große Fan, aber nach dieser Vorstellung hat Max (mindestens) einen Unterstützer mehr. Die Band um den ehemaligen Sepultura-Sänger war verdammt gut eingespielt. Besonders der Drummer, Joe Nunez sorgte für einige offene Mäuler bei den anwesenden Schlagzeugern. Zumindest Nayled-Drummer Andre war sehr beeindruckt und wollte nun sein Schlagzeug verbrennen
Neben dem unverzichtbaren (und genialen) „Roots, Bloody Roots“ begeisterten vor allem die neuen Songs vom „Dark Ages“-Album, was Du, Du, Du und Du, aber besonders Du, DaRa, schleunigst kaufen solltest! Alleine schon der Song „Arise Again“ ist das Geld wert! Der Circlepit vor der Bühne war jedenfalls nicht von dieser Welt.
Kurz bevor die Band die Bühne verlies, warf Maxe seine bei Gig getragenen Schuhe in die Menge. Nette Geste, fand zumindest der Knabe, der einen davon am Schädel abbekommen hat, hähä!


Und dann stand ich vor der größten Entscheidung meines Lebens(na ja, fast :youpi: ) Sollte ich die Reiter auf der Partystage erleben oder Emperor auf der großen Black Stage genießen. Da die Reiter im September wieder in Hamburg spielen werden, entschied ich mich für Emperor.
Auf dieses Konzert habe ich 10 lange Jahre gewartet. Denn seit der Veröffentlichung ihres Meisterwerkes „Anthems To The Welkin At Dusk“ haben die Norweger nur einmal in Hamburg gespielt, leider ohne mich! Leute, ich kann Euch sagen, das ich wirklich aufgeregt war. Selten stand ich mit solchem Herzklopfen vor der Bühne und erwartete eine Band. Und das war mehr als ein Konzert. Das war eine Demonstration an Klasse, Kraft und Macht! Da die Setlist schon im Netz die Runde machte, gab es keine großartigen Überraschungen.
Das Intro von „Into The Infinity Of Thoughts“ ertönte und es gab kein Halten mehr. Gleich 3 Songs vom mächtigen „Nightside…“-Werk wurden als Medley zusammengefasst. Unglaublich, diese Songs mal live zu erleben.
Weiter ging es mit „Thus Spake The Nightspirit“, bei dem Sänger Ihshan bewies, das er immer noch eine kraftvolle und klare Stimme besitzt. Mit „An Elegy Of Icaros“ und „Curse You All Men“ wurde das ´99iger Werk „Equilibrium“ abgehandelt.
Es folgten fast alle Songs vom „Nightside“ Album und bei „The Majesty Of The Nightsky“ verschwand Sänger kurz um sich seinen alten Schulterpanzer umzuschnallen, den er zuletzt 1997 auf den Promo-pics präsentierte. Gänsehaut pur, es war fast wieder wie Damals. Leider wurde mein Lieblingssong vom “Anthems…“-Werk („The Loss And Curse Of Revenge“) durch den Soundbrei etwas verunstaltet. Tja, die Musik von Emperor war nie wirklich für die Bühne gedacht. Zu schnell, zu komplex und manchmal auch zu chaotisch, aber wahrlich Meisterlich. Bei der letzten Songzeile von „The Loos…“ („You and this World ripped my fucking heart out. Again…and again!“ Herrlich!) kotzt sich Ihsahn richtig aus, nur um kurz darauf mit sich und der Welt wieder zufrieden zu sein.
Das „Prometheus“-Werk wurde zum Glück nur durch „In The Wordless Chamber“ präsentiert. Dieser Song trägt die Seele des norwegischen Black Metal in sich wie kein anderer Track, der jemals geschrieben wurde. Dieses Stück strahlt majestätisch in alle Himmelsrichtungen und weckt Emotionen, die ich so lange nicht mehr gefühlt habe. Ganz großes Kino! Zum Abschluss gab es natürlich DIE Black Metal Hymne Schlechthin, „Inno A Satana“. Einfach magisch und ein perfektes Ende, begleitet mit etliche Feuerspielchen am Bühnenrand.
Leider durften Emperor keiner Zugabe mehr spielen, da die Rentner von Mötörhead schon in den Startlöcher standen.
:thx: Emperor für dieses einmalige Konzert.
Eigentlich könnten sich nach diesem Konzert alle übrigen Black Metal Bands auflösen. Denn das, was Emperor am 5.8.2006 in einem kleinen Dorf in Norddeutschland abgezogen haben, war wirklich meisterlich und erklärten alle anderen Bands für Unwürdig!:hail:

So, das Fazit vom ganzen sieht wie folgt aus:
Zuerst ein paar Kritikpunkte, die ich im Gästebuch öfters gelesen hatte:
Wenn man den Leuten auf den Platz glauben schenken darf, dann waren in diesem Jahr zu wenig Dixi´s im Einsatz. Wobei es nie genug Dixi´s auf Festivals geben kann. Egal, wie viele nun wirklich auf dem Gelände sind. Im Gästebuch konnte man oft lesen, das zu viele Menschen auf dem Festival gewesen sind. Sicherlich mag es manchmal etwas Kuschelig vor der Bühne gewesen sein, aber bei solchen Besuchermagneten wie Soulfly, COB oder In Extremo war ein Ansturm zu erwarten.
Und denen, die rum meckern, das Bratwurst und Bier jeweils 3€ kosten, sei gesagt, das die Preise seit 3 Jahren stabil geblieben sind.
Schließlich wird ja keiner gezwungen, nach Wacken zu fahren.
Sehr schade fand ich es, das vermeidlich kleineren Bands wie Die Apokalyptischen Reiter mal wieder auf die kleineren auftreten Bühne mussten. Der Besucheransturm war bei der Band enorm und viele sahen von der Show kaum etwas bis gar nichts.

Und nun zum positiven:
Die größte Überraschung war sicherlich das Wetter. Alle Besucher zeigten den dunklen Wolken und dem Regen den Mittelfinger. Endlich mal wieder Wacken ohne Regen und Erkältungen
Das Konzept der Veranstalter, neuere, modernere Bands an den Start zu bringen ging zumindest bei dem Grossteil der Besucher voll auf. Soulfly, Fear Factory, Danko Jones und Ministry brachten endlich mal frischen Wind in den sonst von Black/Death und True Metal orientierten Einerlei.
Im nächsten Jahr bitte an diesem Konzept festhalten!
Die Security war stets freundlich, selbst nach etlichen Stunden im Fotograben gab es beim Rausziehen immer noch ein lächeln. Selbst bei den Bedienungen, die am Bierstand ständig unter Strom standen, gaben immer(!) das passende Wechselgeld heraus.
Das war beim Rock Hard Festival nicht immer so und da waren bedeutend weniger Menschen…
Zum Schluss sei noch erwähnt, das am Donnerstag auf dem Campinggelände ein Kind geboren wurde. Ob es sinnvoll war, hochschwanger zum Festival zu fahren sei mal dahin gestellt. Möge sein Musikgeschmack schon vorprogrammiert sein. Willkommen auf dieser Erde!

Rundum ein geiles Festival, das Lust auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr macht.

Greetz to André und Jury von Nayled.
Sven

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 18. Februar 2010 um 22:13 Uhr
 
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