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Black Troll Winterfest

black troll winter fest

Black Troll Winterfest, 12.11.2011, RWE Halle, Mühlheim An Der Ruhr

Am 12.11.2011 trafen sich die „Dead Tyrants"- und „Black Trolls Over Europe III"-Touren in der RWE Halle in Mülheim an der Ruhr. Ergänzt um ein paar mehr und ein paar weniger bekannte Bands, fand das „Black Troll Winterfest" statt. Bereits um 10 Uhr morgens öffneten sich die Türen und zwanzig Minuten später eröffneten die Italiener Draugr das Festival.
Für unsereins an einem Samstag natürlich viel zu früh. Die Anfahrt von Köln und das am Wochenende unbedingt notwendige Ausschlafen verzögerten unsere Ankunft. Es war High Noon, als wir an der Halle eintrafen. Dank zahlreicher Parkgelegenheiten war ein Platz für den PKW schnell gefunden und es ging hinein. Dort verabschiedeten sich gerade Cruadalach aus Tschechien, die wir leider ebenso verpassten, wie deren niederländische Kollegen Chain Of Dogs. Die nun anstehende Umbaupause vor Band Nummer Vier nutzten wir, uns mit der Halle und dem gebotenen Drumherum vertraut zu machen.

An einem Ende der Halle, in der sonst diverse Sportarten ihr Zuhause finden, stand die recht große Bühne, auf der sich so manch eine kleinere Band etwas verlieren sollte. Umringt wurde der Innenraum von zwei Tribünen, die dem Volk unbequeme, ungepolsterte Sitzgelegenheiten boten. Der Tag sollte lang werden, daher wurde diese Möglichkeit aber gerne angenommen. Oberhalb des Innenraums waren die Garderobe, ein kleiner Metal-Markt, den man in zehn Minuten erkundschaftet hatte, der Merchandise-Stand sowie einige Verpflegungsstationen aufgereiht.
Getränke und Essen wurden mittels einer für zehn Euro zu erstehenden Verzehrkarte bezahlt, was problemlos funktionierte. Restbeträge sowie Pfand wurden bar ausgezahlt. Verschiedene Speisen gab es wie auf der Homepage angekündigt zu fairen Preisen. Es waren die Portionen, die man zu diesen Preisen bekam, die nicht besonders fair waren. Ein postkartengroßes Stück Tiefkühlpizza aus dem Discounter gab es für 2 Euro. Versteckt im Raucherbereich gab es noch Currywurst mit Pommes. Dazu konnte man für 50 weitere Cent einen Schuss Salat-Mayonnaise aus der Tube erwerben. Geschmeckt hat alles nicht besonders gut. Da man das Gelände aber nicht verlassen durfte, ohne dass die Karte ihre Gültigkeit verlor, war man auf das Gebotene angewiesen. Der gleich gegenüber gelegene Supermarkt, auf den man von der Raucherterrasse blickte, verhöhnte einen mit seiner großen Warenvielfalt, den günstigen Preisen und seiner Unerreichbarkeit. Aber so ist es nun mal auf solchen Veranstaltungen.

Das Wichtigste waren aber die Bands und die Musik, die sie spielten. Und damit ging es dann auch bald mit den Finnen von Crimfall weiter. Vor noch spärlich gefüllten Rängen und Innenraum präsentierte die Band ihren symphonischen Folk Metal, der mit harschen Vocals von Mikko Häkkinen und weiblichem Gesang von Helena Haaparanta vorgetragen wurde. Im Grunde ganz nett, aber die immer wiederkehrenden „Lalala-Passagen" waren auf Dauer etwas ermüdend.
Besser machten es darauf die Spanier von Northland, die wie immer für ordentlich Stimmung sorgten, wenngleich der Band auf der großen Bühne die Nähe zum Publikum merklich fehlte. Neben den bekannten Nummern, wie ‚Old Town's Inn', wurde mit ‚Whispers in the Wind' auch ein Song vom kommenden zweiten Album dargeboten. Die Stimmung war gut und nach Aufforderung gab es die erste und einzige Wall Of Death an diesem Tag. Da die Veranstalter bereits in Verzug waren - aufgrund optimistisch geplanter Umbau- und Soundcheckpausen von nur 10 Minuten nicht gerade verwunderlich - mussten Northland, wie viele der folgenden Bands auch, ihr Set kürzen. Nach dem tollen ‚Where the Heroes Die' war der wie zu erwarten gute Auftritt daher schon vorbei.
Es folgten die Folk-Metaller Odroerir aus dem schönen Thüringen. In altertümliche Gewänder gehüllt betrat die Band die Bühne. Sänger Fix trank stilecht aus einem meterlangen Horn und neben Gitarre, Schlagzeug und Bass gab es auch eine Laute zu hören. Mittelalter pur eben. Das abschließende ‚Des Thors Hammer Heimholung' vom aktuellen Album „Götterlieder II" wusste besonders zu gefallen und die Band erntete wohlwollenden Beifall.
Danach gab es authentischen Celtic Folk Metal von den Nordiren Waylander. Mit blauer Kriegsbemalung im Gesicht stürmte die Band die Bühne. Sänger Ard Chieftain O'Hagan machte ebenso eine gute Figur, wie Dave Briggs an der Flöte, die die meisten Songs begleitete. Insbesondere ‚A Hero's Lament' und das obligatorische ‚Born to the Fight', die großen Hits von Waylanders erstem Album „Reawakening Pride Once Lost" von 1998, begeisterten die mittlerweile etwas angewachsene Zuhörerschaft und krönten einen wirklich gelungenen Auftritt.
Gegen 15 Uhr gab es dann endlich was für die Schwarzmetall-Fraktion. Die „sympathische" Band Negator aus Hamburg bot reinsten Black Metal mit überwiegend deutschen Texten (nicht dass man viel davon verstehen konnte). Zwischen den Songs wurde das Publikum mit aggressiven Ansagen dumm angemacht und während der Songs schrie Sänger Nachtgarm undefinierbare Laute heraus. Der Reaktion der vor der Bühne Stehenden und den folgenden Zugaberufen nach zu urteilen Black Metal, wie er sein sollte. Naja...
Nach dieser schwarzen Einlage ging es zurück nach Thüringen. Seit nunmehr dreizehn Jahren gibt es XIV Dark Centuries. Richtig groß oder auch nur mittelgroß rausgekommen ist die Band bislang nicht. Der Pagan Metal, den die Band mit Tyr's Sohn und Killing Uwe an den Gitarren spielt, ist zutiefst heidnischer Natur und die Doublebass treibt die Songs ordentlich voran. Nett, aber auch nicht mehr.
Im Anschluss folgten die rückwärtigen ArkAdiuS aus Düsseldorf, die mal eben nebenan vorbeischauten. Die langsam aber sicher anwachsende Menge bekam von der in Nebel gehüllten Band stimmungsvollen Melodic Death Metal dargebracht. Das großartige ‚Biróg's Oath' wurde wie schon auf dem letzten Album auch live von Gastsängerin Tina Stabel veredelt. Das Publikum dankte es mit lautem Beifall. Leider mussten auch SuidAkrA das Set um einen Song verkürzen, aber bis dahin war es eine starke Show, die gerne hätte länger ausfallen dürfen.
Die färöischen Perfektionisten Týr waren als nächstes an der Reihe. Der Auftritt krankte an zwei Dingen: zum Einen wurden nur englischsprachige Songs von den letzten beiden Alben gespielt und auf ältere skandinavische Stücke verzichtet, zum Anderen fiel diesmal deutlich auf, dass „By the Light of the Northern Star" eine möglicherweise viel zu starke Platte ist. Die unglücklich gewählten neuen Nummern - weder ‚Take Your Tyrant' noch die Hymne ‚Fields of the Fallen' fanden den Weg ins Set - fielen gegenüber den Über-Hits ‚Hold the Heathen Hammer High' und ‚By the Sword in My Hand' deutlich ab. Dank den Songs vom vorletzten Album war es ein solider Auftritt. Týr müssen allerdings aufpassen, dass sie ihre Identität nicht verlieren und zu einer Power-Metal-Band von vielen verkommen.
Je später der Tag, desto länger die Shows. Moonsorrow wurde dann bereits 50 Minuten Spielzeit eingeräumt, in denen die Finnen immerhin fünf Songs spielten. Die überlangen Stücke forderten die Konzentration und Aufmerksamkeit der Zuhörer nach einem bisher schon langen Tag. Die Songauswahl deckte das gesamte Schaffen der Band ab, die ein großartiges Konzert abgeliefert hat. Nach einer halben Stunde gabe es dann zum „Schluss" noch das monumentale, fast 20-minütige ‚Jotunheim', dass einen noch mal vollends gefordert hat. Stark!
Nicht minder anstrengend war danach der Auftritt von Primordial. Die Iren um den blutverschmierten Frontmann A.A. Nemtheanga schafften eine trostlose, triste und kalte Atmosphäre auf der Bühne. Und das ist absolut positiv gemeint! Der schwarz angehauchte Pagan Metal lud zum extensiven Headbangen ein und fand viele Anhänger in der Halle, die die Musik zu Recht mit anhaltendem Applaus feierten. Anspruchsvoll aber gut.
Nach diesen beiden Bands kamen Ensiferum aber gerade Recht, um das Metalvolk vor dem großen Finale noch mal wachzurütteln. Der von einer fast omnipräsenten doppelten Bassdrum geprägte Viking Metal ist genau richtig für diesen Fall. Die ergreifenden Melodien und eingängigen Refrains laden einfach zum Mitgehen ein. Die meisten folgten an diesem Abend der Einladung. Die neueren Songs, wie ‚Stone Cold Metal', wurden genauso gefeiert, wie das aus Anfangszeiten stammende ‚Old Man' und das wie immer abschließende ‚Iron'. Als besonderes Highlight wurde der Bonus Track von „From Afar", das Nordman-Cover ‚Vandraren', mit Týrs Heri Joensen am Gesang vorgetragen. Ein rundum gelungener Auftritt, der mit Leichtigkeit alles bislang gewesene in den Schatten stellte.
Danach folgte eine einstündige (!) Umbaupause, während der sich die Reihen in der RWE Halle schon merklich lichteten. Manche verloren wohl durch die lange Wartezeit auch die Lust. Und wofür das alles? Für Immortal natürlich. Die norwegische Panda-Truppe durfte an diesem Abend Headliner sein und fuhr dafür riesige Lautsprecherwände und eine gigantische Lichtshow auf. Gleich zu Beginn wurden bei ‚All Shall Fall' Pyros gezündet, die die Halle in einen angenehmen Schwefelduft hüllten. Groß, größer, Immortal, so schien es. Das Konzert selbst wirkte aber einstudiert und abgespult. Die Band gab alles und das noch ausharrende Publikum dankte es, wenngleich die Stimmung auch durchaus besser hätte sein können. Nach 90 Minuten Black Metal ging dann ein langer Tag zufriedenstellend zu Ende.

Alles in allem war das Black Troll Winterfest eine gelungene Veranstaltung. Die Organisation hat geklappt und auch die Halle war eine geeignete Location. Dass man das Gelände nicht verlassen darf, ist in einem Wohngebiet wohl leider ein notwendiges Übel. Wenigstens darf in der RWE Halle im Gegensatz zu anderen Konzerthallen mit Ausgangssperre (z.B. der Turbinenhalle in Oberhausen) nicht geraucht werden. An diesem Tag hielten sich bis auf wenige Idioten auch alle daran. Getränke gab es zu fairen Preisen, das Essen hätte aber definitiv besser und mehr sein dürfen.
15 Bands in über 14 Stunden ist allerdings eine Menge. Auf Outdoor-Festivals gibt es oft ein längeres Programm, man ist dem Ganzen jedoch nicht so ausgeliefert, wie in einer verhältnismäßig kleinen Halle mit Ausgangsverbot. So zehrt die Dauerbeschallung, auch von Bands, auf die man gerne verzichten würde, zeitweise doch an den Nerven. Die starken Shows, zu denen an diesem Tag definitiv SuidAkrA, Moonsorrow und Ensiferum gezählt werden müssen, entschädigen aber für den vorhandenen Ausschuss und haben das Black Troll Winterfest zu genau dem gemacht, einem Fest!

Christian Schrübbers

 

 
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