An Wochenenden stattfindende Konzerte im Hamburger Grünspan sind in der Regel immer früh zu Ende, da meistens eine weitere Veranstaltung in den kultigen Räumlichkeiten stattfindet. Einerseits toll, weil man sich danach noch auf die anderen wichtigen Dinge im Leben konzentrieren kann (z.B. für den kollektiven Vollsuff auf dem Kiez...), andererseits müssen besonders in der Vorweihnachtszeit viele potentielle Konzertgänger auch an Samstagen schuften und das zeitige Erreichen des Clubs gerät zum schwierigen Unterfangen. Das, und auch die Tatsache dass momentan in der Hansestadt fast täglich attraktive Konzerte stattfinden, wird wohl eine tragende Rolle gespielt haben, weshalb das Span nicht mal ansatzweise am vergangenen Samstag ausverkauft war. Für eine Band wie Fear Factory sollte es eigentliche keine unlösbare Aufgabe sein, eine 600er Halle in einer Millionenstadt zu füllen.
High On Fire zeigten sich von der mageren Kulisse jedenfalls unbeeindruckt und zockten ihren Sludge-Stiefel mit freiem Oberkörper und bunten Bilderchen auf dem selbigen ordentlich runter. Die Begeisterung für die Amis, die entfernt nach „einfacheren" Mastodon klangen, hielt sich im Publikum arg in Grenzen. Wirklich überraschend ist das nicht, wenn man bedenkt, dass die musikalischen Ausrichtungen von High On Fire und Fear Factory bzw. die der Fangruppen unterschiedlicher nicht hätte sein können. Eine interessante Band, die man durchaus im Auge behalten sollte, jedoch auf die vollkommen falschen Tour aufgesprungen sind.
Das, was dann folgte, war irgendwie... komisch. Um es kurz zu machen: Fear Factory konnten den guten Eindruck, den sie bei den Sommerfestivals hinterlassen haben, zu keiner Zeit beim Tourauftakt Hamburg bestätigen. Dabei fing eigentlich alles ganz ordentlich an. Mit „Mechanize" und „Industrial Discipline" vom aktuellen Album gelang Burton C. Bell und Co. ein netter Einstieg, die Lichteffekte waren dezent, aber effektvoll gestaltet und auch der Sound klang für Grünspanverhältnisse sehr klar. Aber spätestens bei „Smasher/Devourer" nervte der teilweise arg schiefe Klargesang von Burton ohne Ende, was sich konsequent durch den gesamten Gig durchzog. Tja, schade. Daher passt es fast schon folgerichtig, dass ausgerechnet Drumlegende Gene Holgan als einziger (!) so etwas Ähnliches wie Stageacting im eigentlichen Sinne abzog. Mit einer unglaublichen Gelassenheit prügelte Holgan sich durchs Set, zeigte den anwesenden Drummern mal eben so, wo der Frosch die Locken hat und schien dabei kaum angestrengt zu wirken. Dieser Mann war mit Abstand der fähigste Musiker des Abends und ihm bei der Arbeit zuzusehen, war allein das Eintrittsgeld schon wert. Daran hätten sich seine Mitmusiker ein Beispiel nehmen können, doch die fanden es viel interessanter, auf der Stelle zu stehen und hin und wieder die Rübe zu schütteln. Böse Zungen anderer Konzertbesucher behaupteten, dass dies auch verständlich sei, wenn man sich die beleibten Körper von Stroud und Cazares anschaut. Fakt ist, das der berühmte Funke an diesem Abend schlicht und ergreifend einfach nicht überspringen wollte. Erst als die Angstfabrik die „Demanufacture"-Klassiker (u. a. den Titelsong, „Self Bias Resistor") spielte, wurden die knapp 400 Anwesenden so richtig wach und zappelten sich durch die Halle und mit dem Titelsong des Debütalbums wurde auch die Old School Fraktion zufrieden gestellt. Nach dem unumgänglichen „Replika" (inkl. einer „genialen" Gesangsleistung von Burton) war der Spuk auch schon wieder vorbei und noch vor 22 Uhr wurden die Leute zum Feiern auf den Kiez entlassen.
Achja: Die angekündigten Daath wurden Ersatz- und Kommentarlos gestrichen. Wahrscheinlich wurden auch die Amis Opfer des strengen Zeitplanes.
Sven Meier
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