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Wenn Volbeat auf Tour sind, bestreiten die Dänen mittlerweile keine Konzerte mehr, es sind Events daraus geworden. Ob man nun möchte, oder nicht. Fakt ist, dass sich Michael Poulsen und Co. den Erfolg durch kontinuierliches touren, qualitativ relativ hochwertigen Platten und glaubwürdiges Auftreten redlich verdient haben. Von einem so genannten Hype im eigentlichen Sinne kann man bei den Dänen, trotz dezenter Überpräsens, nicht sprechen. Es ist rückblickend sehr interessant, wenn man bedenkt, dass sich Volbeat allein in der Hansestadt innerhalb eines Jahres vom Miniclub (Ballroom), über die Markthalle in die Große Freiheit gekämpft haben. Als jedoch im Rahmen der aktuellen Tour die Alsterdorfer Sporthalle gebucht wurde, fragte ich mich schon, ob das nicht etwas zu hoch gepokert wäre.
Tja, falsch gedacht liebe Gemeinde. Schon Monate vor dem Konzert konnte der Veranstalter mit dem Dollarzeichen in den Augen das allseits beliebte „Sold Out“-Schild an die Tore der Sporthalle zimmern. Nicht weniger als 7.000 Menschen quetschten sich also an diesem gemütlichen November Abend in die deutlich weniger gemütliche Sporthalle und es war faszinierend mit anzusehen, wer sich so heutzutage auf einem Konzert der Dänen blicken lässt. Da schwingt zur Rechten die vernachlässigte Hausfrau zusammen mit dem Assipunk das Tanzbein und zur Linken schlürft der Bankkaufmann gemeinsam ein Bier mit dem Rockabilly Typen, der anscheinend im falschen Jahrzehnt geboren wurde. Gleichzeitig zieht die Band aber auch jene an, die sich sonst nur bei Fußballspielen und/oder bei Onkelz Konzerten rumtreiben, aber trotzdem gut und gerne ihr Geld für überteuertes Merchandise an den 3 (!) T-Shirt Ständen lassen dürfen. Mit anderen Worten: Volbeat sind nun endgültig im Mainstream angekommen. Na, herzlichen Glückwunsch. Andererseits spricht es enorm für die Band und deren erlesenen Geschmack, dass sie passend zur etwas härteren Ausrichtung des aktuellen Studioalbums „Beyond Hell/Above Heaven“ mit Entombed die Mitbegründer des schwedischen Death Metals und die Quasi-Newcomer The Kandidate (Kenner werden wissen, dass die Vorgängerkapelle Downward Candidate bereits vor Jahren in Dänemark mit Volbeat unterwegs waren) in den Tourbus einluden.
Als dann pünktlich zur Tagesschau The Kandidate loslegten, war die Halle schon angenehm gefüllt. Aber wie nicht anders zu erwarten war, schienen sich nur die wenigsten für den Thrash/Death/HardCore-Mix der Dänen um den ex-HateSphere Brüllwürfel Jacob Bredahl zu interessieren. Der typische Volbeat-Anhänger ist halt auf beiden Ohren taub und im Grunde nur auf seine Faves fixiert. Während Bredahl und Co. sich auf der großen Bühne und mit viel zu wenigen Lichteffekten und zu leisem Sound abmühten, konnte ich belustigt feststellen, dass sich einige Mädels auf den Rängen sogar die Ohren zuhielten. Oh mein Gott… The Kandidate zogen sich jedenfalls sehr achtbar aus der Affäre und zockten neben den Mini Hits vom Debütlangeisen (u. a. „Strength Through Diversity“ und „Give Up All Hope“) drei neue Songs, die noch um einiges ausgereifter klangen, als die bekannten Songs. Als bekennender HateSphere Anhänger war es für mich eine Wohltat, deren ex-Fronter endlich mal wieder als Sänger (das Intermezzo bei Last Mile zählt nicht) auf der Bühne zu erleben. Bredahl hat nichts, aber auch gar nichts von seiner Ausstrahlung und Charisma verloren und ich denke, dass mit The Kandidate noch einiges auf uns zu kommen wird.
Nach 30 Minuten war der Spuck vorbei, und man konnte ein dezentes Aufatmen der Volbeat Getreuen wahrnehmen, doch der eigentliche Spaß sollte mit Entombed noch folgen. Obwohl die Schweden für diese Tour ihre Setlist entschärfen mussten (so manchen dürfte konsequentes Fehlen der Bandklassiker übel aufgestoßen sein), waren die Volbeat Fans ein weiteres Mal überfordert. Entombed wurden zwar um längen besser aufgenommen als der Opening Act, doch so richtig konnten der kauzige Lars Göran (er ist und bleibt der Ozzy des Death Metals!) und Co. nur bei ihren Anhängern überzeugen. Entombed zeigten sich vom Desinteresse der Unwilligen zum Glück völlig unbeeindruckt und zockten gelassen ihr Set runter, das sich schwerpunkttechnisch mit der Death N´Roll-Phase der „Wolverine“ und „To Ride, Shoot Straight And Speak The Truth“ Alben konzentrierte. Wie oben schon erwähnt verzichtete die Schwedentod Legende auf die wirklich harten Songs und auch das Outro vom gottgleichen „Left Hand Path“ wurde lediglich im Anschluss von „Chief Rebel Angel“ angespielt. Schade, aber nicht wirklich überraschend, wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Anwesenden Death Metal meidet wie der Teufel das Weihwasser und das Entombed auf dieser Tour „nur“ Support sind. Dennoch ein schöner Auftritt meiner Alltimefaves.
Tja, dann war es Zeit für den Headliner und um es kurz zu machen: Volbeat kamen und, wie sollte es auch anders sein, siegten natürlich. Unter lautem Jubel und Gegröhle legten die Dänen mit dem Doppelschlag „The Mirror And The Ripper“ und „Maybellene I Hofteholder“ eine Punktlandung nach Maß hin. Auch wenn ich kein Anhänger der Dänen bin, muss ich schon zugestehen, dass es schon irgendwie beeindruckend war, wie 7.000 Freaks bei Smash Hits wie „Sad Man's Tongue“ (inkl. DIO Huldigung) oder „Mary Ann's Place“ abgehen wie ein Zäpfchen im Hochsommer. Dennoch hielt sich meine Begeisterung für das dargebotene in Grenzen, bis Ober-Assi LG von Entombed ein weiteres Mal die Bühne betrat und den wohl härtesten Song Volbeats, „Evelyn“, in Grund und Boden grunzte. Recht so! Unterm Strich wurde den Fans das geboten, was sie haben wollten: Hits, Spaß in Tüten & Melodien für Millionen. Ich stand dem Ganzen jedenfalls etwas gleichgültig gegenüber und behaupte einfach mal, dass Volbeat irgendwie …wie immer waren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Abschließend möchte ich noch einmal festhalten, dass die Supportbands deutlich weniger Licht und Sound zugesprochen bekamen, als der Hauptact. Das ist zwar heutzutage immer noch Tagesgeschäft, aber mit solch faulem Zauber müssen auch Volbeat nicht tricksen. Und über die Situation an der Getränkeausgabe möchte ich lieber den Mantel des Schweigens hüllen. Service am Kunden geht halt anders…
Sven Meier
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