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Hypocrisy
Geschrieben von: Administrator   
Sonntag, den 07. Februar 2010 um 21:50 Uhr

Hypocrisy in Hamburg/Markthalle

Geschlagene vier lange Jahre mussten die Hamburger Death-Metal Fans auf eine Rückkehr von Hypocrisy in der Hansestadt warten. Heutzutage eigentlich eine viel zu lange Zeit, aber dennoch konnten die Schweden, die mit „A Taste Of Extreme Divinity“ ein nettes neues Album im Gepäck haben, die Markthalle am vergangenen Sonntagabend (24.01.) recht ordentlich füllen. Getrübt wurde die Stimmung im Vorfelde nur durch die Absage der Dänen–Thrasher HateSphere.
Pünktlich zur Tagesschau schloss ich meine Augen, vernahm musikalische Klänge, die derbe nach Machine Head erinnerten und freute mich insgeheim auf einen netten Überraschungsact. Doch als ich meine Äuglein wieder öffnete, kam die Ernüchterung: Mutz und sein Freundeskreis Drone haben die Chance genutzt und sprangen kurzfristig für den freigewordenen Platz im Line-up ein. Tja, was soll ich großartig sagen? Ich bin mit absoluter Sicherheit kein Drone Fanboy und werde dies auch nie sein. Aber eines musste ich an diesem Abend mir und der Band eingestehen: Die Celler mögen zwar niemals einen Originalitätspreis einsacken, dafür – und das sei an dieser Stelle schon mal klargestellt – boten die Jungs die beste Show- weil Spielfreude hoch 10 - des Abends. Ne angenehm kurze halbe Stunde zockten Drone die Highlights ihrer beiden Longplayer „Head-on Collision“ und „Juggernaut“, ernannten Hamburg kurzerhand zur heimlichen Hauptstadt und fanden das Publikum unglaublich sexy. Danke, Mutz!
www.myspace.com/dronemetal

Dank der Absage von HateSphere rückten die finnischen Newcomer Survivors Zero im Line-up nach oben und durften damit direkt vor dem Headliner Hypocrisy spielen. Drei Tage nach dem Konzert frage ich mich immer noch, warum eigentlich? Survivors Zero, die wahrscheinlich nur durch die unwesentliche Prominenz ihres Bassers Tapio Wilska (ja, genau der Dicke, der sich immer noch rühmt, für die Dauer von nur einem Album bei Finntroll angestellt gewesen zu sein) an einen Plattenvertrag gekommen sind. Mittelmäßigen Death-Metal, der irgendwie an die Grosstaten der Kollegen aus den USA erinnern soll, wollten die Finnen mit bösen Grimassen spielen. Der Wille war da, doch das Fleisch ist schwach und die dargebotenen Songs ertönten wie tausendfach gehört. Da sind mir schon so einige Rülpser von Rike entgegen gekommen, die weitaus brutaler daher kamen als dieses musikalische 08/15 Geseiere von Survivors Zero. Das dachten sich wohl auch die meisten der ca. 300 neugierigen Nasen, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Halle befanden. Denn, wenn von 300 beinharten Metallern nur drei Freaks ihr Haupthaar freundlich schütteln, kommt einem fremdschämen schnell in den Sinn. Gönnen wir der Band aus dem Land der tausend Seen (und der tausend Bands) ihre fünf Minuten Ruhm, denn vielmehr werden wir nach dieser Tour hoffentlich nicht mehr hören.
www.myspace.com/SurvivorsZero

Tja, und somit lag es an der Schwedentodlegende, den Abend zu retten, doch auch Hypocrisy versagten auf ganzer Linie. Ob es nun daran gelegen hat, dass Hamburg der erste Spieltag der Tour war und sich die Musiker erst noch „finden mussten“ oder ganz einfach keinen Bock hatten, mit einem dicken Schädel vor ca. 600 zahlenden Gästen zu spielen? Keine Ahnung. Fakt ist allerdings, das der Sound von beginn an unterirdisch klang und sich erst zum Ende der Show deutlich verbesserte. Obwohl ich seit Jahren Fan der Schweden bin, scheiterte ich schändlich bei dem Versuch, den Opener zu Identifizieren – dem Soundmatsch sei dank. (Nachtrag: die Kollegen von Metal-Inside.de, die nach der Show mit den Schweden feiern waren, können berichten, das auf der Bühne ein Gitarrenamp seinen Geist aufgegeben hat und im Laufe der Show nicht mehr repariert werden konnte). Erst beim nachfolgenden „A Taste Of Extreme Divinity“ Hit „Hang Him High“ und dem Übersong „Fractured Millennium“ kam so etwas wie Stimmung vor der Bühne auf, denn Peter und seine Spießgesellen hatten wie oben schon erwähnt nicht gerade die Spielfreude für sich gepachtet und zockten ziemlich gelangweilt ihr Set runter. Selten habe ich ein Konzert erlebt, bei dem so viele Leute Schulterzuckenderweise und arg gelangweilt zur Bühne schielten. Und überhaupt Peter: Wenn man sich den mittlerweile 41-jährigen auf der Bühne so anschaut, merkt man, dass das ewige Feiern langsam aber sicher seine Spuren hinterlassen hat. In Hamburg wirkte Herr Tägtgren einfach nur müde und ausgezerrt. Sehr bedenklich, wenn man bedenkt, dass die Tour erst angefangen hat…
Einziger Pluspunkt dieser ansonsten sehr mittelprächtigen Show bot die von den Fans ausgewählte Setlist, die mit
u.a. „Fire in the Sky“, „A Coming Race“, „The Fourth Dimension“ oder „Weed out the Weak“ eine ganze Armada von Hits abfeuerte. Pünktlich zur Zugabe vernahm ich endlich wieder einen angenehmeren Sound und erfreute mich dem viel zu spät gespielten Mega-Hit „Roswell 47“, dem mächtigen „War-Path“ sowie dem obligatorischen Schlusssong „ The Final Chapter“.
www.myspace.com/hypocrisy

Fazit: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine gute Songauswahl macht noch lange kein gutes Konzert aus. Nehmen wir einfach mal an, Hypocrisy hatten einen schlechten Tag erwischt. Denn das es Peter und Co. besser können, kann jeder bezeugen, der die Schweden in der Vergangenheit schon einmal live erlebt hat.


Setlist Hypocrisy:
Intro
Valley of The Damned
Hang Him High
Fractured Millenium
Adjusting The Sun
Eraser
Pleasure Of Molestation/Osculum Obscenum/Penetralia - Medley
Apocalypse/The Fourth Dimension - Medley
Killing Art
A Coming Race
Let The Knife Do The Talking
Weed Out The Weak
Fire In The Sky
----
Intro
Roswell 666
Warpath
Final Chapter
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 17. November 2010 um 20:19 Uhr
 
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