| Royale Metal Fest ´09 |
| Geschrieben von: Sven Meier |
| Dienstag, den 09. Februar 2010 um 20:18 Uhr |
Freitag, 09-01-2009Irgendwas Besonderes muss Dänemark haben, anders lässt es sich nicht erklären, weshalbwww.xxl-rock.de aka die HateRoadCrew quasi gefühlte alle vier Wochen hoch in den Norden pilgert, um dort langhaariger Beatmusik zu lauschen. Dieses Mal reizte uns das Royale Metal Fest in Aarhus, das zwar vom Line Up her nicht unbedingt der absolute Brüller war, aber die Aussicht auf ein entspanntes Wochenende mit unseren dänischen Freunden war einfach zu verlockend. Außerdem bekam Rike von der lieblichen Louise das Angebot, mit ihr zusammen das Merchandise der Bands in Aarhus zu verkaufen. Die Anreise war allerdings schon wieder ein Thema für sich: Erst durfte sich Rike von einer verhaltensgestörten Metronom-Angestellten eine Predigt über ID-Karten und angeblich nicht gültigen Bahn-Tickets anhören, was sich später...
bei der großen Schwester Deutsche Bahn als vollkommen haltlos herausstellte. Als dann noch der ICE kurz vor Fredericia die Hufe hochriss, machte sich langsam Panik breit. Laut Louise hätten wir gegen 15Uhr in der Voxhall eintreffen sollen, sind aber selbst erst dank der dänischen Bummelbahn um kurz nach 15Uhr am Hauptbahnhof gelandet. Naja, zum Glück haben wir dennoch alles rechtzeitig geschafft und konnten sogar noch unser Gepäck in Louises Appartement schaffen. An der Voxhall angekommen, lief uns im Backstage Eingang auch gleich Shining-Sänger und Selbstverstummlungsfanatiker Kvarforth über den Weg, der irgendwie einen sympathischen Eindruck machte. Sollten die Gerüchte und die Pressmeldungen über seinen angeblichen Suizidversuch doch nur eine Ente sein und der Knabe so einfach nur polarisieren wollte? Xxl-rock.de blieb ihm das Wochenende auf den Fersen… Die Voxhall entpuppte sich im Inneren als eine recht moderne, aber von der Atmosphäre etwas kalte Konzerthalle, die entfernt an den berliner Columbia Club erinnert. Die Bühne ist recht groß und der Zuschauerraum bietet Platz für ca. 800 Leute. Nachdem wir den Merchandisestand mit einigen Tonnen recht Endzeitmäßig aufgebaut hatten, eröffneten DestroyerBoy das Royal Metal Fest mit ihrem ersten Auftritt überhaupt. Ich muss ehrlich sein, erwartet habe ich dank des seltendämlichen Namens nix gutes, aber die Jungs können was und konnten mit ihrem Mix aus MetalCore und modernen Death Metal punkten. Nicht unbedingt weltbewegend, aber typisch dänisch und damit fast schon selbstverständlich gut. www.myspace.com/destroyerboymetal Das nicht alles gut ist, was aus Dänemark kommt, haben Manticoraeindrucksvoll unter Beweis gestellt. Farblos und irgendwie auch vollkommen überflüssig zockten die fünf Kopenhagener ihre Variante des – Achtung, bitte festhalten - „Denmarks Premiere Power Metals!“ inkl. enger Lederhosen und Synchronbangen. Das Manticora schon fünf Alben in der Hinterhand haben, gleicht einer Rohstoffverschwendung und ich bitte um Auflösung dieser Eierkneif-Band bei den Vereinigten Nationen. www.myspace.com/manticorarocks Nur wenig besser ging es dann mit den Pretty Maids weiter. Aber im Gegensatz zu den grauenvollen Manticora haben die Maids eine Geschichte und sind in Dänemark immer noch gern gesehene Gäste auf Festivals. Zwar fand ich die dänische Variante von Helloween immer etwas uncool, aber gegen die Klasse eines Songs wie „Future World“ kann man nicht anstinken. Sagt selbst Ex-HateSphere Brüllwürfel Jacob Bredahl, der während des gesamten Gigs der Maids zumindest leicht genickt hat. www.myspace.com/pmaids Zwischenzeitlich verkauften wir drei bis sieben Shirts von Shining, die in Dänemark wohl sehr angesagt sind. Zu uns gesellte sich neben dem HateSphere Superfan Allan auch The BurningSänger Johnny, der demnächst mit der zweiten Platte seiner Band mächtig auftrumpfen wird. Die Voxhall füllte sich, der Vorhang wurde geöffnet und die kaputten Schweden von Shining betraten die Bühne. Mit Spannung erwartete ich eine krasse Show, aber irgendwie überzeugten die Blackies um Kvarforth „nur“ musikalisch. Vielleicht war es der Sentationseffekt, die Neugier und irgendwie auch die „Hoffnung“, dass auf der Bühne etwas Außergewöhnliches geschehen würde. Aber weit gefehlt. Shining boten einen gelungenen Querschnitt ihrer Werke, wobei der Schwerpunkt auf dem immer noch aktuellen Album „V – Halmstad“ lag und mit „Låt Oss Ta Allt Från Varandra“ ein mächtiger Hit abgefeuert wurde. Da ich während des Gigs hin und wieder zum Merchstand musste, konnte ich die komplette Show leider nicht sehen. Daher kann ich auch nicht bestätigen, ob einige Fans von Kvarforth Rasierklingen bekommen haben, um sich zu ritzen. Und da Rike nach dem Gig Blut auf dem Boden gesehen haben will, denke ich mal, dass ich doch das kranke „Hightlight“ verpasste habe. Strange… www.myspace.com/shininghalmstad Musikalisch und auch von der Ideologie um 180grad gedreht, boten die nachfolgenden Born From Pain das krasse Gegenstück. Da, während beiShining nur andächtig genickt wurde, regierte nun Kollege Mosh- und Criclepit. Die Co-Headliner genießen in Dänemark wohl einen besonderen Status, denn so ein großes Aufgebot an Fans habe ich bei den Holländern noch nie gesehen und selbst Napalm Death als Headliner mussten sich mit einer viel kleineren Menge zufrieden geben. www.myspace.com/bornfrompain Aber anscheinend war das der Grind Legende egal und legten mit „Skin Fast, Let Go“ vom „Smear Campaign“ Album gleich mächtig los. Es tat mal wieder so richtig gut, die doch schon etwas in die Jahre gekommenen Herren auf der Bühne zu erleben. Fronter und Hobby-Spastiker Barney und Shane, der mittlerweile mit den größten Scheitel der Grind-Szene spazieren trägt, sind einfach Originale und aus dem Business einfach nicht weg zudenken. Mit einem Vorgeschmack auf das neue Studiowerk „Time Waits For No Slave“ (ich denke, es wird „Diktat“ gewesen sein…) das am 29. Januar erscheinen wird, legten Napalm Death einen wahren Zungenschnalzer vor. Spätestens bei „Scum“ war dann eh alles zu spät und die Handvoll Fans vor der Bühne rasteten aus (unter ihnen Ex-HateSphere Drummer Anders, der mächtig abgedreht ist!) wie nichts Gutes. www.myspace.com/napalmdeath Vor diesem Orkan begaben sich die Kollegen von Shining in die Vorhalle und mit Staunen musste ich feststellen, das Frontgiftzweg Kvarforth, Freunden auch bekannt unter dem Namen Niklas, verdammt schüchtern ist und nur auf der Bühne die böse Wutz markiert. Vielleicht hat auch er bald sein Coming Out...? Schade, dass ich grad meine Cam nicht in der Hand hatte, als Rike von ihm geknuddelt wurde… Samstag, 10-01-2009 Nach einem entspannten Frühstück und gleichzeitig auch Mittag und Abendessen bei Burgerking ging es wieder zur Voxhall, um den letzten Festivaltag anzugehen. Blöd, dass zwei Tage immer so schnell vorbei sind. Aber es sollte doch recht anstrengend werden, zumindest für die Ohren. Denn im Gegensatz zum Vortag, wo es zwar mit Manticora einen Totalausfall zu verzeichnen gab, aber immerhin etwas mehr stilistische Abwechslung geboten wurde. Am zweiten Tag regierte Gevatter Geknüppel, und das nicht zu knapp! Den Anfang machten die Lokalmatadore Horned Almighty, die mit ihrem Old School Black Metal bei den Fans punkten konnten. Da ich die Jungs am Vortag schon kennen gelernt hatte, musste ich schon etwas schmunzeln, als ich die Truppe in voller Black Metal Montur inkl. Corpsepaint auf der Bühne sah. Anscheinend nahmen sich die Aarhuser selbst nicht all zu ernst, denn das Dauergrinsen von Will Smith/Dominic Horwitz look-alike und Basser Ludger sah schon sehr grenzdebil-mäßig aus. www.myspace.com/hornedalmighty Nach diesem Kasperletheater musste Oberst, der hauptberuflich bei Mnemic[/b] den Bass schwingt und auf dem Royale Metal Fest den Moderator spielte, die Nachricht verbreiten, dass die eigentlich folgenden See You Next Tuesday im Stau stecken und mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht am Festival teilnehmen könnten. Macht aber auch nix, denn somit bot sich die Gelegenheit, dass unsere Freunde von Crocell spontan für die abwesenden Amis einspringen konnten. Wahrlich eine Überraschung und manchmal zahlt es sich doch aus, wenn eine Band komplett bei einem Festival auftaucht. Crocellnutzten diese Chance und zockten ohne Soundcheck (!) eine knappe halbe Stunde durch ihr Programm, wobei besonders die Opener „Behind The Veil“ und „Winter Is Coming“ zu begeistern wussten. Basser Onkel Kusse und Gitarrist Ken bangten nach Vorschrift und Sänger Magnus, der Abseits der Bühne immer sehr zurückhaltend wirkt, drehte derbe am Rad. Man, wann kommt diese Kappelle endlich mal nach Deutschland?Nach dem Gig zeigte sich Gitarrist Tommy leicht unzufrieden wegen einiger Spielfehler und ärgerte sich wegen seinem mordsmäßigen Kater, aber hey, scheiß der Hund drauf! Der Gig war klasse! Setlist: 1.Behind the Veil 2.We are the Dead 3.Winter is coming 4.The Chosen 5.Theifs whores and Heritics (New track) 6.Death Knell www.myspace.com/crocelldk Mit Goat (mit Oberst am Bass) gab es einen weiteren Überraschungsgast auf dem RMF, die in Dänemark wohl recht bekannt sind. Wobei ich mich ernsthaft frage, warum? Diese „Band“ ist ein reines Spaßprojekt und versuchte mit albernen Kostümen und Skimasken die Leute zu belustigen, was sie auch schafften. Aber für den Humor muss man wohl Däne sein… Mit erstklassigem Death Metal der New Yorker Schule wurden unsere Ohren mit den Klängen von Corpus Mortale verwöhnt. Die Kopenhagener waren mir bis dato vollkommen unbekannt, konnten aber die anwesenden Fans schnell begeistern. Mir war deren Death/Grind auf Dauer zwar zu einseitig und die Bühnenshow war auch kaum vorhanden, aber Interessierte sollten auf Myspace mal ein Ohr riskieren. Die Voxhall war zu diesem Zeitpunkt schon recht gut gefüllt und der Alkohol floss in Strömen. Interessanterweise wurden die Raucher vor der Halle hingewiesen, keine lustigen Zigaretten mit grünem Inhalt zu rauchen. Habe ich in Deutschland auch noch nie erlebt… www.myspace.com/corpusmortale Eigentlich hätten nach Corpus Mortale die Schweden Aeon folgen sollen, aber auch die steckten im Stau, so das Konkhra eine Stunde früher auf die Bretter mussten. Konkhra bildeten zusammen mit Invocator das Grundgerüst in den 90igern für die dänische Thrash Metal Szene und deren Comeback wurde von vielen erwartet. Auf dem Aalborg Metal Festival hatte ich leider nur den letzten Song gehört. Schande über mich, denn das, was Konkhra in Aarhus abgezogen haben, verdient das Prädikat Weltklasse. So und nicht anders muss eine (old school) Thrash Metal Show aussehen. Die Musiker zockten coole und verdammt harte Riffs runter, die Fans bangten as fuck und fertig ist ein perfektes Konzert. So einfach ist das manchmal. www.myspace.com/konkhra Generell muss ich sagen, dass der Sound in der Voxhall zwar sehr laut, aber nie übersteuert, sondern sehr klar und druckvoll aus den Boxen kam. Überhaupt sind die Konzerte in Dänemark soundtechnisch gesehen immer ein kleines Highlight für sich. Wenn ich da an die Markthalle und deren miserablen Klang denke, wird mir übel… Voll auf die Mütze gab es dann von Aeon. Neugierig war ich auf die mir bis dato unbekannten Schweden schon, denn deren MySpace Song „Living Sin“, den ich mir am morgen unseres Reiseantritts gegeben hatte, begeisterte mich. Aber leider konnten Aeon die Erwartungen für mich nicht so richtig erfüllen, da die Schweden wahrscheinlich den Weltrekord im NICHT stageacting brechen wollten und überhaupt das ICE-Gekloppe mit der Zeit etwas nervte. Ein paar groovige Moshparts hätten das Ganze sicherlich aufgelockert…www.myspace.com/aeon666 Misery Index hingegen bewiesen, dass man sowohl dem Grind frönen kann, als auch sehr abwechslungsreich zu Werke gehen kann. Mit dem sehr starken neuen Album „Traitors“ in der Hinterhand, legte der Vierer aus Washington D.C. los wie die Feuerwehr. Wie auf der aktuellen CD begann der Gig mit dem Doppelschlag „We never come in peace“ und „Theocracy“ und bildete zusammen mit dem Titeltrack „Traitors“ die Highlights. Zwischen den Songs kommentierte Fronter und Basser in Personalunion Jason das politische Weltgeschehen und äußerte sich sehr „freundlich“ zu seiner Heimat. Klasse Gig, klasse Band! www.myspace.com/miseryindex Da sich See You Next Tuesday, Aeon, Misery Index und Hate Eternal zurzeit auf Europatour befinden, durfte letztgenannte Band auch auf dem Royale Metal Fest nicht fehlen und bezog Stellung als Co-Headliner des letzten Festival Tages. Nichts gegen die Klasse von Hate Eternal, aber das altbekannte Problem dieser Band trat auch in Aarhus wieder auf: Hat man einen Song gehört, hat man alle Songs gehört. Die Amis prügelten sich durch ihr Set als wenn es kein Morgen geben würden und zauberten auch einiges an technischen Karbynettstückchen zu Tage, aber auf die Dauer war das Gekloppe einfach zu eindimensional. Nach vier ähnlich klingenden Bands, die sich alle dem Highspeed Death Metal verschrieben haben, sehnte ich mich fast schon nach meinem Ipod und dem darauf enthaltenen neuen Coldplay Album…www.myspace.com/haeteternal Langsam, aber sicher neigte sich das Royale Metal Fest dem Ende entgegen und mit dem Headliner Destruction betrat die einzige deutsche Band des Festivals die Bühne. Genau wie Napalm Death am Vortag hatten auch die Süddeutschen mit einem drastischen Zuschauerschwund zu kämpfen. Grob geschätzt waren gegen Mitternacht nur noch ca. 250 Dänen und zwei Deutsche anwesend…Destruction, die das aktuelle Album „D.E.V.O.L.U.T.I.O.N übrigens auch in Dänemark aufgenommen haben, machten das Beste aus der Situation und zogen ein cooles Best Of Programm ab. Neben den üblichen Standards „The Butcher Strikes Back“ und dem Rausschmeißer „Total Disaster“ überzeugten vor allem die neueren Stücke, die allesamt wieder etwas straighter und härter klingen. Kurz vor Ende des regulären Sets kackte Schmiers Bassanlage ab und die Techniker brauchten überraschenderweise eine beachtlich lange Zeit, bis das Langholz wieder ordentlich tönte. Schmier zeigte sich deutlich angepisst und wurde immer nervöser. Dafür schrie er die Vocals von „Nail To The Cross“ noch hasserfüllter ins Mikro. www.myspace.com/officialdestruction Zu Ende ging ein nettes Festival, das perfekt organisiert wurde und nur durch die mangelnde Abwechslung des zweiten Tages etwas anstrengender war. Schön war es auf jeden fall, neue und alte Bekannte und Freunde wieder gesehen zu haben und durch die Gastfreundlichkeit der Dänen hat man wirklich das Gefühl, willkommen zu sein. Immer wieder lustig sind die Kommentare der Dänen, wenn sie mitbekommen, das wir aus Deutschland kommen. O-Ton Jacob Bredahl: „Was macht Ihr denn schon wieder in Dänemark?“ Antwort: „Feiern!“ Ein fettes Hallo an: Louise (tak for alt!), Allan, Johnny (The Burning), Tommy und den kaputten Rest von Crocell, Heinz, Anders, JB, Martin, Rasmuss, Svejstrup, Björn (Dawn Of Demise), Alex, Monika und Signe (RagnaRock Fashion), Leif und dem Team des Royale Metal Fest |
| Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 12. Februar 2010 um 19:22 Uhr |