| Interview mit Evocation |
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Das schwedische Todeskommando Evocation hat dieser Tage mit ihrem Drittwerk „Apocalyptic" ein wahres Death Metal Monster veröffentlicht, das gekonnt die Räudigkeit der Stockholmer Riffs mit der melodiösen Seite Göteborgs verbindet. Nicht umsonst sackte auch bei uns dieses Meisterwerk die Höchstpunktzahl ein.
Das Line-Up ist über all die Jahre immer stabil geblieben, was heutzutage eher die Ausnahme, denn die Regel ist. Hy, Wiebke. Als wir die Band 1991 gegründeten, haben wir wirklich lange und intensiv darüber gegrübelt, was ein cooler Bandname für uns sein könnte. Eines Tages durchforstete Marko (Palmén - Gitarre) seine Plattensammlung und stieß dabei auf den Asphyx Klassiker „The Rack", auf dem sich der Song „Evocation" befindet. Bei der nächsten Bandprobe schlug er den genannten Titel als Bandnamen vor und der Rest von uns konnte damit bestens leben. Bezüglich des Line-Ups: Hell Yeah! Wir sind sehr zufrieden, wie die Dinge im Augenblick sind und ich denke, dass wir stärker als jemals zuvor sind. Ich kann mir nicht vorstellen, die Band weiterzuführen, falls jemand mal aussteigen sollte. Habt ihr eigentlich Probleme mit den Bands, die den gleichen Bandnamen benutzen? Ich glaube nicht, dass wir jemals ernsthafte Probleme mit anderen Bands hatten, die den gleichen, oder einen ähnlichen Namen nutzen. Soweit ich weiß, sind wir auch die Einzigen, die regulär Platten veröffentlichen. Evocation existieren nun schon seit über 19 Jahren und nun kommt euer dritter Streich „Apocalyptic" auf den Markt. Herzlichen Glückwunsch für diese Großtat. Nun, unsere Wege trennten sich ja bekanntlich im 1993 und 2005 kam es dann zur „großen Wiedervereinigung". Netto sind wir als Band eigentlich seit grad mal 7-8 Jahren wirklich aktiv. Die wichtigsten Änderungen sind in erster Linie die musikalische Entwicklung und unsere individuellen Leistungen, wir klingen mittlerweile ein wenig mehr technischer und eigenständiger. „Apocalyptic" klingt um einiges reifer als unser Erstling „Tales From The Tomb" und es ist nicht so punkig angehaucht wie „Dead Clam Chaos". Der Hörer kann eine Achterbahn durch Schmerz und groben Schmutz erwarten. Der Sound ist immer noch bis auf die Knochen Evocation, aber die Produktion ist viel besser als zuvor. Wir entwickeln uns auch als Produzenten weiter.
Meistens schießen mir schon die ersten Ideen durch den Kopf, wenn ich einen neuen Song höre. Ich versuche ständig, meine Lyrics einfach und direkt zu halten, damit der Hörer sich seine eigenen Gedanken zu den Texten machen kann. Die Jungs verstehen es sehr gut, den perfekten Soundtrack zu meinen abgefuckten, manchmal sogar sehr dunklen Texten zu liefern. Das Coverartwork wurde vom polnischen Künstler Xaay angefertigt. Wie seit ihr auf ihn gekommen und hat er das Cover nach euren Wünschen hin gezeichnet oder war er sozusagen federführend? Wir fanden Xaay über Blabbermouth.net. Marko suchte über deren Suchfunktionen nach geeigneten Coverkünstlern und stieß dabei schnell auf ihn. Als wir seine Arbeiten sahen, die er für Behemoth, Nile und Vader ablieferte, war uns schnell klar, dass dieser Mann unser Cover zeichnen muss! Wir arbeiteten mit Xaay auf die gleiche Weise zusammen, wie wir es mit den Coverkünstlern zuvor gemacht hatten. Es begann damit, dass wir ihm den Albumtitel zusandten, danach kam er mit einer rohen Idee, wovon wir fühlten, dass sie den richtigen Ton trifft. Danach war es nur ein Dialog zwischen uns mit kleinen Änderungen von unserer Seite von seiner ursprünglichen Vision für "Apocalyptic". Auf YouTube habt ihr ein paar Making-Of Videos der Aufnahmen zum Album online gestellt. Offensichtlich hattet ihr im Studio eine Menge Spaß in den Backen. Ja, wir haben immer eine Menge Spaß, wenn wir zusammen sind. Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb wir es schon so lange miteinander aushalten. Davon abgesehen war es schon ein hartes Stück Arbeit, das Album aufzunehmen. Da wir alle Vollzeit arbeiten und Familie haben, konnten wir meistens nur abends und an den Wochenenden aufnehmen, so dass sich die Recording-Sessions über einen Zeitraum von sieben Monaten hinstreckten. Die offizielle Release-Party für „Apocalyptic" findet am 5. November in Schweden statt. Zuvor habt ihr Anfang September in Hamburg zusammen mit Facebreaker bereits einige neue Songs gespielt. Habt ihr irgendwelche besonderen Pläne für die Show? Tja, ich würde gerne das ganze neue Album am Stück spielen, aber die anderen Pussys in der Band waren dagegen und möchten wie immer auch viele ältere Songs spielen. Wie bist du zum Metal gekommen und warum hast du angefangen, selbst Musik zu machen? Als ich 1981 zum ersten Mal das „Live Wire" Video von Mötley Crüe sah, ist es um mich geschehen. Mötley Crüe sind quasi die Wurzel allen Übels. Ich fing an Gitarre spielen und später versuchte ich mich am Schlagzeug. Mein älterer Bruder hatte eine große Plattensammlung und durch ihn entdeckte ich die Klassiker von Black Sabbath, Van Halen oder Ted Nuget, die ich auch heute noch hin und wieder höre. Was hältst du von der aktuellen Death Metal Szene? Und was sind deiner Meinung nach die wichtigsten schwedischen Death Metal Bands? Es ist schön mit anzusehen, dass die Bands, mit denen wir in den 90igern starteten, immer noch da sind. Die schwedische Szene ist heutzutage größer denn je. Es ist unglaublich, wie groß Kapellen wie In Flames, Soilwork, Arch Enemy, Dark Tranquillity oder auch Amon Amarth geworden sind und teilweise mit solchen Größen wie Judas Priest oder Iron Maiden spielen.
Ich höre fast alle Arten von Musik, haben aber keine bestimmten favorisierten Stil. Davon abgesehen, bewundere ich Bands wie Unleashed oder Bolt Thrower, die über all die Jahre im gleichen Line-Up unterwegs sind, kontinuierlich starke Platten veröffentlichen und Live unschlagbar sind. Letzten Sommer habe ich auf einem Festival Misery Index gesehen, die mich live einfach umgehauen haben. Das, was Sparky und Jarvis auf der Bühne abgezogen haben, war einfach unglaublich. Wird das neue Album auch als Vinyl erscheinen und welches Format bevorzugst du? Selbstverständlich wird es auch eine Vinylversion von „Apocalyptic" geben, die wirklich sehr großartig geworden ist. Persönlich stehe ich sehr auf den alten, lebendigeren Vinylsound, muss aber gestehen, dass CD´s einfach praktischer im Alltag sind. Wenn du einen Song vom neuen Album hervorheben möchtest, welchen und warum? Es ist ein Klischee, aber ich liebe wirklich alle neuen Songs sehr. Aber „Infany" mag ich im Moment am liebsten, weil er nicht so typisch für uns ist und trotzdem sehr düster und heavy daher kommt. Welche Bands würden dich reizen, den Tourbus zu teilen und auf welchen Festivals würdest du gerne noch mal spielen? Oh, man. Es gibt da draußen so viele, geile Bands, mit denen wir so gerne mal touren würden. Wenn Bolt Thrower jemals einen Nachfolger vom gottgleichen „Those Once Loyal"-Album veröffentlichen und touren würden, wären wir gerne der Anheizer. Oder falls Kreator einen Support bräuchten, wären wir sofort dabei. Es wäre ein Traum, Cannibal Corpse auf einer ihrer US-Touren zu begleiten. Wo seht ihr euch in 10 Jahren? In 10 Jahren? Hm... schwierige Frage. Wenn wir bis dahin nicht als Obdachlose auf den Straßen leben, werden wir uns sicherlich immer noch 100% Evocation widmen. Allerdings habe ich wenig Hoffnung, dass sich das Muisicbusiness wieder erholt. Die komplette Industrie liegt in Trümmern und die meisten Bands krebsen am Rande des Existenzminimums. Ich plane immer nur von heute auf morgen, aber vielleicht haben wir ja Glück und wir leben nächste Woche noch? Haben die deutschen Fans im nächsten Jahr die reelle Chance, euch auf den Festivals zu sehen? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Bislang steht zumindest noch nichts fest. Vielen dank für deine Zeit und das Interview. Die berühmten letzten Worte gehören dir: Ich habe zu danken. Es bedeutet uns eine Menge, dass es Leute da draußen gibt, die uns unterstützen. Last but not least: Don't let the fools guide you blind, motherfuckers Das Interview führte Wiebke Hörmann
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