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Interview mit Evocation

Das schwedische Todeskommando Evocation hat dieser Tage mit ihrem Drittwerk „Apocalyptic" ein wahres Death Metal Monster veröffentlicht, das gekonnt die Räudigkeit der Stockholmer Riffs mit der melodiösen Seite Göteborgs verbindet. Nicht umsonst sackte auch bei uns dieses Meisterwerk die Höchstpunktzahl ein.
Wir unterhielten uns mit Sänger Thomas Josefsson.

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Zu allererst würde ich gern etwas über die Bandgeschichte erfahren. Wie seid ihr auf den Namen Evocation gekommen und verbirgt sich dahinter vielleicht eine Geschichte?
Das Line-Up ist über all die Jahre immer stabil geblieben, was heutzutage eher die Ausnahme, denn die Regel ist.

Hy, Wiebke. Als wir die Band 1991 gegründeten, haben wir wirklich lange und intensiv darüber gegrübelt, was ein cooler Bandname für uns sein könnte. Eines Tages durchforstete Marko (Palmén - Gitarre) seine Plattensammlung und stieß dabei auf den Asphyx Klassiker „The Rack", auf dem sich der Song „Evocation" befindet. Bei der nächsten Bandprobe schlug er den genannten Titel als Bandnamen vor und der Rest von uns konnte damit bestens leben. Bezüglich des Line-Ups: Hell Yeah! Wir sind sehr zufrieden, wie die Dinge im Augenblick sind und ich denke, dass wir stärker als jemals zuvor sind. Ich kann mir nicht vorstellen, die Band weiterzuführen, falls jemand mal aussteigen sollte.

Habt ihr eigentlich Probleme mit den Bands, die den gleichen Bandnamen benutzen?

Ich glaube nicht, dass wir jemals ernsthafte Probleme mit anderen Bands hatten, die den gleichen, oder einen ähnlichen Namen nutzen. Soweit ich weiß, sind wir auch die Einzigen, die regulär Platten veröffentlichen.

Evocation existieren nun schon seit über 19 Jahren und nun kommt euer dritter Streich „Apocalyptic" auf den Markt. Herzlichen Glückwunsch für diese Großtat.
Was können die Fans vom neuen Album erwarten und was sind die größten Unterschiede im Vergleich zu den beiden Vorgängern?

Nun, unsere Wege trennten sich ja bekanntlich im 1993 und 2005 kam es dann zur „großen Wiedervereinigung". Netto sind wir als Band eigentlich seit grad mal 7-8 Jahren wirklich aktiv. Die wichtigsten Änderungen sind in erster Linie die musikalische Entwicklung und unsere individuellen Leistungen, wir klingen mittlerweile ein wenig mehr technischer und eigenständiger. „Apocalyptic" klingt um einiges reifer als unser Erstling „Tales From The Tomb" und es ist nicht so punkig angehaucht wie „Dead Clam Chaos". Der Hörer kann eine Achterbahn durch Schmerz und groben Schmutz erwarten. Der Sound ist immer noch bis auf die Knochen Evocation, aber die Produktion ist viel besser als zuvor. Wir entwickeln uns auch als Produzenten weiter.
Als wir anfingen neues Material zu schreiben, hatten wir keine Ahnung, dass es sich so entwickeln würde, das kam alles während des Prozesses zum Vorschein.
Aber ich denke, dass dies ohne Zweifel bisher unsere stärkste und beste Errungenschaft ist und ich bin diesmal sehr, sehr stolz auf meinen Gesang und meine Lyrics. Mit anderen Worten: Wir haben endlich unsern Stil gefunden.

evocation 1Was inspiriert dich beim schreiben deiner Texte? Woher kommen die Ideen? Wie passt der Albumtitel ins Konzept der Scheibe?

Meistens schießen mir schon die ersten Ideen durch den Kopf, wenn ich einen neuen Song höre. Ich versuche ständig, meine Lyrics einfach und direkt zu halten, damit der Hörer sich seine eigenen Gedanken zu den Texten machen kann. Die Jungs verstehen es sehr gut, den perfekten Soundtrack zu meinen abgefuckten, manchmal sogar sehr dunklen Texten zu liefern.
Als wir die Songs fertig hatten, setzten wir uns zusammen und redeten über einen möglichen Albumtitel. Es stellte sich heraus, dass das Thema Apokalypse sehr häufig in meinen Texten auftauchte und somit entschied die Mehrheit, das „Apocalyptic" der perfekte Albumtitel sei. Der Titel ist stark und simpel. Aber wir meinen mit dem Begriff nicht das Ende der Welt, sondern viel mehr die Apokalypse in unseren Köpfen. Quasi ein Neuanfang oder Erleuchtung.
Mir stinkt es, was momentan in der Welt passiert und wie wir durch die Lügen der Medien kontrolliert werden. Wir bewegen uns langsam, aber sicher auf eine neue Weltordnung zu. Das Bankensystem versklavt uns immer mehr und die Menschen in der dritten Welt werden nur noch verarscht. Ich hasse all die Menschen, die diesen Planeten kontrollieren und habe meine Glauben an die Regierung und die Demokratie verloren.

Das Coverartwork wurde vom polnischen Künstler Xaay angefertigt. Wie seit ihr auf ihn gekommen und hat er das Cover nach euren Wünschen hin gezeichnet oder war er sozusagen federführend?

Wir fanden Xaay über Blabbermouth.net. Marko suchte über deren Suchfunktionen nach geeigneten Coverkünstlern und stieß dabei schnell auf ihn. Als wir seine Arbeiten sahen, die er für Behemoth, Nile und Vader ablieferte, war uns schnell klar, dass dieser Mann unser Cover zeichnen muss! Wir arbeiteten mit Xaay auf die gleiche Weise zusammen, wie wir es mit den Coverkünstlern zuvor gemacht hatten. Es begann damit, dass wir ihm den Albumtitel zusandten, danach kam er mit einer rohen Idee, wovon wir fühlten, dass sie den richtigen Ton trifft. Danach war es nur ein Dialog zwischen uns mit kleinen Änderungen von unserer Seite von seiner ursprünglichen Vision für "Apocalyptic".

Auf YouTube habt ihr ein paar Making-Of Videos der Aufnahmen zum Album online gestellt. Offensichtlich hattet ihr im Studio eine Menge Spaß in den Backen.
Wo habt ihr das "Apocalyptic"-Werk eingespielt und wie lange dauerten die Aufnahmen?

Ja, wir haben immer eine Menge Spaß, wenn wir zusammen sind. Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb wir es schon so lange miteinander aushalten. Davon abgesehen war es schon ein hartes Stück Arbeit, das Album aufzunehmen. Da wir alle Vollzeit arbeiten und Familie haben, konnten wir meistens nur abends und an den Wochenenden aufnehmen, so dass sich die Recording-Sessions über einen Zeitraum von sieben Monaten hinstreckten.
Wie schon bei den beiden Vorgängern nahmen wir "Apocalyptic" in unserem eigenen „Evocation Studio" auf und produzierten das Album auch selbst, wobei Vesa (Kenttäkumpu - Gitarre) wie immer der Hauptproduzent war. Lediglich die Drums wurden von Roberto Laghi (u. a. In Flames, Hardcore Superstar, etc.) aufgenommen, weil wir dieses Mal mit einem professionellen Produzenten zusammenarbeiten und einen richtigen Killerdrumsound haben wollten. Und ich denke, das ist uns wahrlich gelungen.

Die offizielle Release-Party für „Apocalyptic" findet am 5. November in Schweden statt. Zuvor habt ihr Anfang September in Hamburg zusammen mit Facebreaker bereits einige neue Songs gespielt. Habt ihr irgendwelche besonderen Pläne für die Show?

Tja, ich würde gerne das ganze neue Album am Stück spielen, aber die anderen Pussys in der Band waren dagegen und möchten wie immer auch viele ältere Songs spielen.
Bei den Releaseshows zu den anderen beiden Scheiben spielten wir jeweils die Alben komplett, doch dieses Mal werden wir nur sechs neue Songs spielen und dazu die Hits von „Tales From The Tomb" und „Dead Clam Chaos".
Ich freue mich wirklich, die neuen Song endlich auch in unserer Heimat spielen zu können und ich hoffe, dass das neue Material genauso Arsch tritt, wie der alte Scheiß. Übrigens werden As You Drown und Inevitable End an diesem Abend supporten.

Wie bist du zum Metal gekommen und warum hast du angefangen, selbst Musik zu machen?

Als ich 1981 zum ersten Mal das „Live Wire" Video von Mötley Crüe sah, ist es um mich geschehen. Mötley Crüe sind quasi die Wurzel allen Übels. Ich fing an Gitarre spielen und später versuchte ich mich am Schlagzeug. Mein älterer Bruder hatte eine große Plattensammlung und durch ihn entdeckte ich die Klassiker von Black Sabbath, Van Halen oder Ted Nuget, die ich auch heute noch hin und wieder höre.
Death Metal ist allerdings der Stil, er mir am nächsten ist und mich durch alle Höhen und Tiefen im Leben begleitete.

Was hältst du von der aktuellen Death Metal Szene? Und was sind deiner Meinung nach die wichtigsten schwedischen Death Metal Bands?

Es ist schön mit anzusehen, dass die Bands, mit denen wir in den 90igern starteten, immer noch da sind. Die schwedische Szene ist heutzutage größer denn je. Es ist unglaublich, wie groß Kapellen wie In Flames, Soilwork, Arch Enemy, Dark Tranquillity oder auch Amon Amarth geworden sind und teilweise mit solchen Größen wie Judas Priest oder Iron Maiden spielen.
Die wichtigsten Vertreter unsere Szene sind ohne Zweifel natürlich die Originalen wie Entombed, Grave, Dismember, Grotesque bzw. At the Gates. Ich wette ohne Tompa Lindberg würden weder anders f. noch Mikael Stannw wissen, wie man auf die bühne geht, geschweige denn hätten sie sich lange haare wachsen lassen. Tompa und Grotesque/At the Gates hatten auch auf mich eine große Wirkung.

evocation 2Was für Bands hörst du privat? Hast du irgendwelche Idole? Welche Bands hatten Einfluss auf eure Musik?

Ich höre fast alle Arten von Musik, haben aber keine bestimmten favorisierten Stil. Davon abgesehen, bewundere ich Bands wie Unleashed oder Bolt Thrower, die über all die Jahre im gleichen Line-Up unterwegs sind, kontinuierlich starke Platten veröffentlichen und Live unschlagbar sind. Letzten Sommer habe ich auf einem Festival Misery Index gesehen, die mich live einfach umgehauen haben. Das, was Sparky und Jarvis auf der Bühne abgezogen haben, war einfach unglaublich.
Idol ist vielleicht zuviel gesagt, aber ich empfinde für George "Corpsegrinder" Fischer von Cannibal Corpse tiefen Respekt. Nicht nur als Musiker, sondern auch als Privatperson. Ein netterer und ehrlicherer Typ ist in diesem Geschäft schwer zu finden. Vor Leuten wie ihn, die andere Menschen, egal welchen Hintergrund sie auch haben mögen, immer gleich behandeln, ziehe ich meinen Hut.

Wird das neue Album auch als Vinyl erscheinen und welches Format bevorzugst du?

Selbstverständlich wird es auch eine Vinylversion von „Apocalyptic" geben, die wirklich sehr großartig geworden ist. Persönlich stehe ich sehr auf den alten, lebendigeren Vinylsound, muss aber gestehen, dass CD´s einfach praktischer im Alltag sind.

Wenn du einen Song vom neuen Album hervorheben möchtest, welchen und warum?

Es ist ein Klischee, aber ich liebe wirklich alle neuen Songs sehr. Aber „Infany" mag ich im Moment am liebsten, weil er nicht so typisch für uns ist und trotzdem sehr düster und heavy daher kommt.

Welche Bands würden dich reizen, den Tourbus zu teilen und auf welchen Festivals würdest du gerne noch mal spielen?

Oh, man. Es gibt da draußen so viele, geile Bands, mit denen wir so gerne mal touren würden. Wenn Bolt Thrower jemals einen Nachfolger vom gottgleichen „Those Once Loyal"-Album veröffentlichen und touren würden, wären wir gerne der Anheizer. Oder falls Kreator einen Support bräuchten, wären wir sofort dabei. Es wäre ein Traum, Cannibal Corpse auf einer ihrer US-Touren zu begleiten.
In den letzten Jahren waren wir auf so vielen Festivals zugegen und waren alle super! Das Metal Camp Festival hat natürlich immer ein sehr geiles Biling und dort möchten wir natürlich auch gerne spielen. Überhaupt sollten wir uns im Osten Europas mehr blicken lassen. Perfekt wäre es natürlich, auf jedem Festival in jedem Land zu spielen, was aber natürlich nicht machbar ist.

Wo seht ihr euch in 10 Jahren?

In 10 Jahren? Hm... schwierige Frage. Wenn wir bis dahin nicht als Obdachlose auf den Straßen leben, werden wir uns sicherlich immer noch 100% Evocation widmen. Allerdings habe ich wenig Hoffnung, dass sich das Muisicbusiness wieder erholt. Die komplette Industrie liegt in Trümmern und die meisten Bands krebsen am Rande des Existenzminimums. Ich plane immer nur von heute auf morgen, aber vielleicht haben wir ja Glück und wir leben nächste Woche noch?
Richtig cool wäre es, wenn wir bis dahin einen neuen, besseren Plattenvertrag abgeschlossen haben, der garantiert, dass unsere Scheiben auf der ganzen Welt in jedem Plattenladen zu finden sind. Und natürlich wäre es eine schöne Sache, wenn wir auch mal außerhalb von Europa touren könnten. Asien oder Osteuropa würden mich schwer reizen.

Haben die deutschen Fans im nächsten Jahr die reelle Chance, euch auf den Festivals zu sehen?

Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Bislang steht zumindest noch nichts fest.

Vielen dank für deine Zeit und das Interview. Die berühmten letzten Worte gehören dir:

Ich habe zu danken. Es bedeutet uns eine Menge, dass es Leute da draußen gibt, die uns unterstützen. Last but not least: Don't let the fools guide you blind, motherfuckers

Das Interview führte Wiebke Hörmann

 
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