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Kamelot - Silverthorn

kamelot silverthronLabel: Steamhammer Records / SPV

Spielzeit: 53:53 Min.

Genre: Melodic Power Metal

Info: Facebook

CD kaufen: Amazon

VÖ-Datum: 26. Oktober 2012


Während ihrer mittlerweile mehr als 20-jährigen Bandgeschichte haben Kamelot in schöner Regelmäßigkeit Alben veröffentlicht, die man fast ausnahmslos als gelungen bezeichnen darf. Die Amerikaner konnten sich nicht zuletzt wegen dem charismatischen Sänger Roy Khan eine treue Fanschar erspielen. Der Sprung an die Spitze des Genres ist der Melodic-Metal-Truppe um Gründer Thomas Youngblood aber bislang nicht gelungen. Nach dem Ausstieg von Khan im letzten Jahr startet die Band mit ihrem nunmehr zehnten Studioalbum mit neuem Mann hinter dem Mikrofon den nächsten Versuch, den europäischen Power-Metal-Thron zu erklimmen.

Der Neue heißt Tommy Karevik, ist Schwede und konnte mit seiner Band Seventh Wonder bereits einige Erfahrungen sammeln. Und um es gleich vorwegzunehmen, er macht seine Sache ausgesprochen gut. Stimmlich hat Karevik einiges zu bieten, kann sich mit kraftvollem Gesang sowohl gegen die Instrumentierung behaupten, als auch sanftere Töne anstimmen, wie er in der Ballade „Song for Jolee" eindrucksvoll beweist, und harmoniert ausgezeichnet mit seinen weiblichen Gegenparts. Sein Timbre fügt sich perfekt in den Kamelot-Sound ein und passt - auch wenn es für einige jetzt vielleicht ketzerisch klingen mag - sogar besser, als dies Roy Khans Stimme tat (ohne dessen Qualitäten jetzt klein reden zu wollen). Ein perfekter „Ersatz" also.
Kareviks Kamelot-Debüt nennt sich „Silverthorn" und kommt mit düsterem Cover-Artwork daher, das zusammen mit dem lyrischen Konzept, welches sich mit einem jungen Mädchen befasst, das in den Armen ihrer beiden Zwillingsbrüder stirbt und dabei ein großes Geheimnis der drei Geschwister mit ins Grab nimmt, einen deutlich gothischen Eindruck vermittelt. Das Intro zeigt dann aber gleich, was einen auf „Silverthorn" musikalisch erwartet: melodischer Metal mit orchestralen Elementen, Chören, einer nicht zu kleinen Prise Bombast und ganz ohne Gothic. Dabei fügt sich alles gut zusammen, das Orchester hält sich meist dezent im Hintergrund, so dass die Songs nicht überladen wirken, was nicht zuletzt der wieder einmal ausgezeichneten Produktion von Sascha Paeth zu verdanken ist.
Das starke „Sacrimony (Angel of Afterlife)" überzeugt gleich zu Beginn mit exzellentem Symphonic Metal, mitreißendem Refrain und einem tollen Wechselspiel zwischen männlichen und weiblichen Gesangspassagen. Außerdem wird hier schon die Handschrift von Keyboarder Oliver Palotai deutlich, der diesmal verstärkt zusammen mit Youngblood für das Songwriting verantwortlich zeichnet.
Leider wird das hohe Niveau des Openers im weiteren Verlauf kaum noch erreicht. Zwar verstecken sich auf „Silverthorn" mit den hitverdächtigen „Torn" und „Solitaire" noch weitere wirklich gute Songs, überwiegend ist das Material aber zu spannungsarm und ausdruckslos. Gerade der Titelsong ist dabei unrühmlicher Höhepunkt der Langeweile.
Zu oft verliert man sich leider auch in kleineren kompositorischen Spielereien, die der erzählten Geschichte Tiefe geben wollen, den musikalischen Fluss des Albums jedoch hemmen. Die letzte Minute von „Sacrimony (Angel of Afterlife)", während der lediglich leiser Klagegesang und das Summen des Mädchens zu hören sind, nimmt beispielsweise die Fahrt, die das Album nach furiosem Start aufgenommen hat, gleich wieder heraus.
Lässt man das überflüssige Outro außen vor, bildet das dreigeteilte epische „Prodigal Son", welches sich nach stimmungsvollem Intro samt Orgel, Glocken und geflüsterten Stimmen aus der Zwischenwelt stetig steigert und über die gesamte Laufzeit von fast neun Minuten immer interessant bleibt, aber noch einen guten und versöhnlichen Abschluss.

Der Wegfall eines beliebten Sängers kann einer Band das Genick brechen. Im Fall von Kamelot wird dies aber sicher nicht geschehen. Dafür ist Tommy Karevik einfach zu gut. Er fügt sich nahtlos in die Band und deren Klangbild ein. An ihm liegt es dann auch definitiv nicht, dass den Floridianer auch mit „Silverthorn" der Sprung nach ganz oben verwehrt bleiben wird. Zu durchwachsen ist das Songmaterial, zu rar gesät die herausragenden Momente. Das Potential, das seit jeher in Kamelot schlummert, ist aber auch auf dem neuen Album unverkennbar. Mit neuem Sänger und einem vermehrt involvierten Palotai ist „Silverthorn" vielleicht der erste Schritt auf dem Weg zu ganz Großem. Man kann auf jeden Fall gespannt sein.

Christian Schrübbers

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Tracklist:

01. Manus Dei 02:12
02. Sacrimony (Angel of Afterlife) 04:39
03. Ashes To Ashes 03:58
04. Torn 03:51
05. Song For Jolee 04:33
06. Veritas 04:34
07. My Confession 04:33
08. Silverthorn 04:51
09. Falling Like The Fahrenheit 05:06
10. Solitaire 04:56
11. Prodigal Son 08:52
part I - Funerale
part II - Burden of Shame
part III - The Journey
12. Continuum 01:48

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