| Venom – Fallen Angels |
|
Spielzeit: 57:42 Min Stil: Black Metal Info: Bandpage CD kaufen: Amazon VÖ-Datum: 25. November 2011 Neuveröffentlichungen von Legenden sind immer eine zweischneidige Sache: Während es viele Bands aus den Pioniertagen des Heavy Metal durchaus noch ihre Live-Qualitäten haben, sind aktuelle Studio-Alben von denselben Bands häufig genug entweder ein Graus oder einfach nur langweilig. Die Erwartungen, die ich diesbezüglich gegenüber dem neuesten Output von Venom hege, sind besonders zwiespältig: Die Band begründet ihren Legendenstatus in erster Linie eher durch ihr Image denn durch ihre Musik (sie haben mit „In League With Satan" das härteste Schunkellied der Welt rausgebracht...), und durch das überlebensgroße Charisma von Cronos. Selbiger ist beim aktuellen Output als Produzent tätig gewesen und gab zu „Fallen Angels" zu Protokoll, dass die „Arbeit am Album diesmal wie von selbst von statten ging (...everything came together so naturally...)." Ich bin skeptisch, warte das Ergebnis ab und lege die CD ein... ...und ein Schlagzeug leitet den ersten Track ein, „Hammerhead" genannt. Ein, nunja, recht simpler Track, der weder einen besonderen Spannungsbogen bietet, recht rumplig ist und nicht mal beim Solo so recht überzeugen kann. Dazu klingt der Bass von Cronos außerordentlich merkwürdig und trägt zu meiner Irritation bei. Als nächstes findet „Nemesis" einen schnelleren Einstieg. Zwar finden sich vereinzelt kleinere Kabinettstückchen im Bassspiel des Fronters, ein kleiner Soundschnipsel, der an ein schlecht eingestelltes Radio erinnert, kommt noch dazu, aber ansonsten gibt mir auch dieser Track nichts, zumal das Ende extrem nervig geraten ist. „Pedal To The Metal" klingt im Grunde genau so, wie der Titel des Songs es einem assoziiert, und wirkt ansonsten ein bisschen wie ganz alte Judas Priest, nur nicht annähernd so stilvoll. Ein weiterer Punkt: Bis jetzt hatten die Tracks alle ungefähr den selben Aufbau. Doch dazu später mehr. „Lap Of The Gods" beginnt mit einem mittelmäßigen Solo, verfügt im Einzelnen über einen Refrain mit leichtem Fremdschämfaktor - frei nach dem Motto: Reim dich oder ich fress dich - und streut zwischen drin ein sphärisches Zwischenspiel ein, welches aber das Tempo zu sehr raus nimmt. Als nächstes „Damnation Of Souls"; viel Doublebassdrum, viel rumgeschrubbere auf der E-Saite, kaum was dahinter. Schade. „Beggarman" geht Ansatzlos gleich danach los und offenbart ein unglückliches Rhythmusgefühl seitens des Drummers - das (obligatorische) Gitarrensolo beweist diesmal eine gewisse Klasse, kann aber das Gesamtwerk nicht mehr so richtig aus dem Dreck ziehen. Das Intro von „Hail Satanas" wirkt dann gleich so konstruiert und produziert, als hätte man die Schlagzeugfigur nur einmal aufgenommen und dann nur copy & paste betrieben. Ansonsten einigermaßen erträglich, da der Text nicht zu cheesy ist und das Zusammenspiel generell etwas besser klappt als bisher. Haut mich aber auch nicht vom Hocker. „Sin" wirkt einen Tick moderner als die bisherigen Tracks und dadurch nicht ganz so schwerfällig. Ab dem Zwischenspiel wird es wieder angestrengter, dass leicht abgedrehte Solo trägt nicht viel zur Stimmungsbildung bei. „Punk's Not Dead" klingt nach - richtig - Schrammelpunk und soll die Wurzeln des Thrash würdigen, aber ich kann mich nicht so recht entscheiden, ob diese Mission geglückt ist... Weiter geht es mit „Death Be Thy Name" und glänzt ebenfalls in erster Linie mit der Malträtierung der armen Saiten und lässt Abwechslung vermissen, ein kleineres Intermezzo gibt es trotzdem. „Lest We Forget" leitet mit spanisch angehauchter Gitarrenarbeit das Finale mit den letzten drei Tracks ein und ist als Überleitung zum nächsten Track zu verstehen, namentlich „Valley Of The Kings", in welchem sich Cronos zeitweise eines anderen Gesangsstils befleißigt und dadurch einen leichten Farbklecks in der ansonsten eher öden Songlandschaft setzen kann und zu allem Überfluss sogar kleinere Experimente in Richtung anspruchsvollem Schlagzeugspiel gewagt werden. Nicht ganz schlecht. Kommen wir zu letzten Track des Albums, der auch gleichzeitig noch Titelsong ist. Tief dröhnt der Bass los, eine Kirchenglocke ist zu hören, Blitze peitschen durch die Nacht - und mit Einsetzen der Gitarre wird klar, das scheinbar alle kreative Kraft vor und während der Aufnahmen in genau diesen einen Song gesteckt wurden. Spannungsbogen vorhanden, sauberes Spiel aller Instrumente, die Abmischung der Instrumente stimmt, die Riffs sind brauchbar, die Soli ebenfalls und die Lyrik ist bei weitem nicht zum davonlaufen. Verdammte Schande, alles in einen Track zu stecken. Schade, schade, schade... Und die Rückkopplungsorgie zum Schluss hätte man sich sparen können. Was soll ich sagen? Ich habe Venom rein technisch noch nie für die beste Band der Welt gehalten, doch hier haben sie es geschafft, unter der Ägide von Frontdenker Cronos ordentlich ins Klo zu greifen - sicher, ich kann schon die Stimmen hören, die „SAKRILEG" schreien ob der Unverfrorenheit, mit der ich eine lebende Legende einfach so abstrafe. Aber halt, ich kann nähere Gründe aufführen: 1. Die Produktion ist in einem extremen Ungewicht Richtung Bass. Sicher, es ist verlockend für einen Bassisten, „sein" Instrument in den Vordergrund zu stellen, allerdings muss man dann genug Übersicht behalten, um die Kollegen nicht in den Hintergrund zu mischen, was insbesondere dann der Fall war, sobald Cronos zu singen begonnen hat. Fazit: Der Umstand, dass Venom und insbesondere Fronter Cronos als lebende Legenden der Szene gelten und sämtliche „klassischen" Richtungen des Metal entscheidend beeinflusst haben, schützt selbstverständlich nicht davor, besonders kritisch beäugt zu werden. Und wenn ich ehrlich bin, kann ich aufgrund des fast vollständigen kreativen Blackouts, in welchem lediglich ein Zwischenspiel und der Titeltrack für klitzekleine Glanzmomente sorgen, kaum anders und muss zum ersten mal, seit ich bei XXL-Rock.com bin, aufgrund meiner massiven Enttäuschung die schlechteste Note zücken, die bei uns möglich ist.
Tracklist: 01. Hammerhead
|