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Label: Ván Records
Spielzeit: 36:06 Min
Stil: Hardrock
Info: MySpace
CD kaufen: Amazon
VÖ-Datum: 04. November 2011
In Ermangelung eines besseren Musikgeschmacks unter der XXL-Rock-Belegschaft (Hüstle - Sven) - und ja, das ist eine total objektive Tatsache! - trat unser XXL-Chef mit der Frage an mich heran, ob ich mich nicht des neuen Albums der niederländischen Senkrechtstarter Vanderbuyst annehmen möge. Man hatte nach deren Debüt im letzten Jahr schon einige Lobeshymnen vernommen und dem klassischen bis harten Rock bin ich nun auch nicht gänzlich abgeneigt. Warum also nicht?! Die Band hat sich immerhin auf die Fahnen geschrieben, den Rock der 70er und 80er wieder aufleben zu lassen. Das Vorhaben hatten zwar schon andere mit mehr oder minder guten Ergebnissen, aber man soll ja nicht voreingenommen an solch ein Review herangehen. Also ab in den Musikspieler mit dem Teil.
„Black and Blue" startet auch gleich mit einer richtig schön dreckig klingenden Gitarre, dann ein Schrei und der Song startet sofort durch. Vanderbuyst haben nicht zu viel versprochen. Hier wird ungeschliffener, rotziger Hard Rock geboten, der an die glorreichen 70er Jahre erinnert. Ein mehr als vielversprechender Beginn. Das folgende „Into the Fire" beginnt gleich mit einem der vielen beeindruckenden Gitarrensoli, das die Richtung für diesen Song eindeutig vorgibt: wir sind in den 80ern gelandet, dem Jahrzehnt des AOR. Strophen, Prechorus, Refrain glänzen durchweg mit genialen Melodien, die das Stück zu einem lupenreinen Hit machen. Ganz groß. Zurück in den 70ern, empfängt einen „Anarchistic Storm" mit einer von Barry Van Esbroek vorgetragenen ‚Stargazer'-esken Drum-Einleitung. Passend zum Titel wirkt der Song etwas chaotisch und geht nur bedingt ins Ohr. Nicht schlecht, aber nach den ersten beiden Nummern fällt diese etwas ab. Danach folgt allerdings „String of Beads". Kurz: ein Meisterwerk! Der Song reißt einen mit seinem flotten Tempo und dem treibenden Rhythmus von Beginn an mit. Gitarrist und Bandgründer Willem Verbuyst liefert hier eine unglaubliche Leistung ab. Nach bewegenden fünf Minuten verklingt sein Instrument aber langsam... ...und wird von Schlagzeug- und Gitarrensalven abgelöst. „Leaving the Living" stellt in den Strophen die Frage nach dem Leben nach dem Tod, während einem im Refrain der Schädel mit einem Hammer eingeschlagen wird. Entsprechend hart präsentiert sich der Song, ohne dabei auf Melodie und Dynamik zu verzichten. Das hämmernde Intro wird gegen Ende erneut aufgegriffen und geht in einen regenbogenartigen Solopart über. Darauf folgen erneut die anfänglichen Drum- und Gitarrenschläge, bis der Sargdeckel endgültig zuschnappt. Nach dem etwas düsteren Vorgänger kommt „Reap the Fields" richtig locker und fröhlich daher. Die positive, motivierende Thematik wird perfekt über die Musik transportiert. Das Stück geht gut ins Ohr und lädt zum taktvollen Mitgehen ein. Klasse. Ein einsamer Gitarrenakkord erklingt und verhallt langsam. Bevor der Ton gänzlich verstummt legt die Gitarre in rasender Geschwindigkeit los, um kurz darauf vom Schlagzeug begleitet zu werden. „KGB" hat sich zum Ziel gesetzt, auch den letzten Nackenmuskel zum Einsatz zu bringen. Das Highlight stellt das fantastische, schnell gespielte Gitarrensolo dar. Ein beeindruckender Headbanger! Zitat aus dem letzten Song: „It's like that turtle, you'll never catch." Wie wahr. Für das Finale wird das eben noch höchste Tempo fast komplett herausgenommen. Nach leisen Engelsstimmen beginnt „Where's That Devil" mit schweren Gitarren, einem sehr prominenten Bass und der tief tönenden Stimme von Jochem Jonkman. Der Song wälzt sich langsam und zäh wie Lava düster und verhängnisvoll aus den Boxen. Das letzte Solo der Platte wird ebenso schleppend dargeboten, so dass man jeden einzelnen Ton genießen kann. Nach mehr als sechs Minuten monumentaler Schwermut gibt die Gitarre dann ihren letzten Laut von sich. Was für eine dichte Atmosphäre. Was für ein finaler Song. Was für ein Album!
Gute Alben müssen nicht lang sein. Was Vanderbuyst auf „In Dutch" in nur 36 Minuten abliefern, ist der beste Beweis dafür. Authentischer und ehrlicher kann man Old-School-Rock heutzutage nicht spielen. Kein glattpolierter Sound, kein Keyboard, kein unnötiger Bombast. Gitarre, Schlagzeug, Bass, mehr braucht es nicht, um Hard Rock würdig zu zelebrieren. Immer wieder wird man an die ganz Großen des Genres erinnert. Seien es Thin Lizzy, Rainbow oder Deep Purple, um nur ein paar zu nennen, die berühmten Vorbilder werden würdig zitiert, ohne dass die Band dabei wie eine mittelmäßige Coverband klingt. Die NWoBHM-Anleihen sind vollständig verschwunden, dafür konzentriert man sich auf puren Rock und schüttelt anscheinend mit einer Leichtigkeit geniale Nummern aus dem Ärmel, von der andere nur träumen können. Wem der Metal und Rock von heute leider viel zu oft zu steril und modern klingt, ist bei Vanderbuyst genau richtig. Mit „In Dutch" lassen die Jungs den glorreichen Hard Rock vergangener Zeiten auf beeindruckend glaubwürdige Weise wieder aufleben und liefern mit ihrem zweiten Album eine der besten Platten diesen Jahres ab, die nichts anderes als die Höchstnote verdient hat. Danke, Chef! (sehr gerne! - Sven)
Christian Schrübbers

Tracklist: 01. Black and Blue 2:57 02. Into the Fire 4:56 03. Anarchistic Storm 4:28 04. String of Beads 4:54 05. Leaving the Living 5:35 06. Reap the Fields 3:41 07. KGB 3:05 08. Where's That Devil 6:27 |