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Prey For Nothing – Against All Good And Evil

prey for nothing  against all good and evilLabel: Massacre Records

Spielzeit: 65:00 Min

Genre: Progressive/Melodic Death Metal

Info: MySpace

CD kaufen: Amazon

VÖ-Datum: bereits erschienen


Wieder einmal widme ich mich meiner Lieblingssparte, dem guten, alten Melodic Death. Was diesmal neu daran ist - für mich - ist die Tatsache, dass die hier besprochene Band aus Israel kommt und passenderweise Prey For Nothing heißt. Schon allein der Bandname wirkt wie ein Statement, bedenkt man die Herkunft der Musiker; und mit dem Albumtitel ihres zweiten Albums Against All Good And Evil baut man die implizite Message noch weiter aus.

Dass die Isrealis von Massacre gesignt wurden, erscheint mir, nachdem bereits das Debüt Anklang fand und sich auch völlig ohne Vetrieb ordentlich verkauft hat, konsequent. Meine Aufgabe ist es nun, das Zweitwerk auf Herz und Nieren zu prüfen und dabei heraus zu finden, ob die Begeisterung ins neue Jahr gerettet werden kann.

„Treachery" beginnt langsam, leicht bedrohlich, im Hintergrund rauscht eine solierende Gitarre.. Nach fast zwei Minuten setzen die Drums mit ein, das Thema wird variiert. Mit Beginn des Hauptthemas wird es vertrackt, die Stimme des Sängers trägt mit bei zu einer fast schon kranken Atmosphäre, nach dem ersten Chorus finden dezente Klänge einer cleanen Gitarre ihren Weg in mein Gehör, die jedoch bald wieder niedergedrückt werden. Unvermittelt zieht das Tempo an und bereitet den Boden für einen Instrumentalpart, der jedoch völlig ohne Solo auskommt. Ein Song wie ein Monument. „My Final Relapse" gibt sich im Anschluss handfester, kompakter, wesentlich heavier, ohne den technischen Anspruch zu vernachlässigen. Das Riffing erinnert zuweilen an den klassischen Göteborg-Sound, dabei aber einen Tick versierter. Die häufigen Riff-Wechsel erhöhen die Abwechslung enorm, die Stimme erinnert mich zuweilen an Mikael Stanne. Manche Rhythmuswechsel wirken zwar etwas trocken, aber das kann in diesem Zusammenhang sogar gewollt sein.

„Unmake You" ist lediglich als Zwischenspiel zu betrachten, der manch sickem Schlagzeug-Wechsel aufwartet und dann scheinbar „kaputt" geht und folgerichtig schnell vorbei ist. „Buried By The Light" weist dann als erster Track der Platte nahöstliche Einflüsse auf, das Hauptriff peitscht den geneigten Hörer voran, die Drums erweisen sich als sehr variabel, zwischendrin darf es etwas majestätischer werden, nur um schnell zum Hauptriff zurück zu kehren. Diese Parts wechseln sich in der Folge nochmal ab, bevor der Instrumentalpart übernimmt und den ein oder anderen interessanten Schlagzeug-Lick und das erste(!) echte Gitarrensolo des Albums zu bieten hat, welches dann auch gleich um so länger und krasser ausfällt. Süßliche Keyboardklänge begleiten uns aus dem Song heraus, der trotz seiner Länge erstaunlich kurzweilig wirkt.

„Chekhov's Gun" hält sich zunächst nicht mit Gesang auf, sondern startet nach kurzem Intro quasi direkt mit einem Solo, bevor der Sänger mitmischen darf. Das Tempo des Tracks ist vergleichsweise niedrig, was der Chose eine sehr getragene Grundstimmung verleiht. [Irritierend wirkt auf mich, dass der Song scheinbar, durch einige kaum nachvollziehbare Lautstärkewechsel, ein bisschen durcheinander gerät. → Möglicherweise kaputte Tonspur!] „Deciphering The Signal" gibt sich sehr Groove-orientiert, was im Albumverlauf erneut für ordentlich Abwechslung sorgt; das Solo ist kurz gehalten und macht platzt für einen saucoolen Schredding- und Blastbeat-Part, welcher wiederum zu einem gelungenen Solo führt. Der letzte Part holt noch einmal die technische Keule hervor, und alle Instrumente dürfen noch einmal zeigen, was sie drauf haben.

„Axis Mundi" erweist sich mit seinem Klavierintro im Zusammenspiel mit der „singenden" Gitarre als atmosphärisch wertvolles Instrumental, dass den restlichen Instrumenten ungefähr der Hälfte noch einen Auftritt verschafft und dann mit Glockenläuten beendet wird. Mit „Homemade Holocaust" biegt das wahrscheinlich bislang brutalste Stück des Albums um die Ecke - allein das krasse Doublebassdrumintro spricht Bände. Über die gesamte Trackdauer wird ordentlich auf die Zwölf gegeben; das in der Mitte des Songs eine kurze Bridge das Tempo kurz rausnimmt, erhöht den aufgebauten Druck nur noch. Das Solo ist ganz großes Kino und wird zeitweise mit Hyperblasts unterlegt - selten ein dermaßen interessantes Solo gehört! Saugeile Nummer!

„Turning Shears To Swords" ist nicht nur die Umkehrung des kommunistischen Prinzips (Schwerter zu Pflugscharen. -Michael), sondern auch ein Song, der durch das ständig changierende Tempo geprägt ist, sich ansonsten aber erstaunlich straight gibt. So kommt das Zwischenspiel mit dem irren Rhythmuswechsel auch sozusagen aus dem Nichts und geht genauso schnell, wie es gekommen ist. Gegen Ende bedient man sich eines Instruments, dass mich ein wenig an ein Cembalo erinnert. Das finale Solo ist einfach, aber songdienlich. „Technocrat" wartet mit einem (fast) durchgängig gespielten Riff auf, dass auch den grundsätzlich gespielten Rhythmus sehr prägt, aber ansonsten relativ spurlos an mir vorbei rauscht. Lediglich das Solo weiß zu begeistern. „Spiritual Guillotine" beginnt sehr melancholisch, schwenkt dann in tiefe Verzweiflung über und zieht den Hörer mit zu einer Reise durch die Heimat der Musiker - zumindest meine ich das heraus gehört zu haben. Das Bass-Solo ist trotz der weiterhin spielenden Gitarren perfekt zu hören, das Gitarrensolo greift die Stimmung des Grundriffs auf und verstärkt sie ungemein.

Das titelgebende Finale beginnt zunächst mit „Against All Good", welches es schafft, die durch den vorherigen Track aufgebaute Stimmung noch weiter zu intensivieren. Die Riffs triefen vor dunkelster Agonie, welche selbst durch die immer wieder durchschimmernden Hoffnungslichter nicht aufgebrochen werden können. Bis etwa zur Mitte zieht sich der Song relativ Abwechslungsarm hin, jedoch dürfen die Instrumentalen sich daraufhin gegenseitig beweisen, wie gut sie sind. Dem schließt sich ein Akustikpart an, welcher sich als dezent optimistischer Gegenpart anbietet und bei dem sich der Sänger auch mit cleaner Stimme beweisen darf - und dabei keine schlechte Figur macht! Gegen Ende wird bereits der letzte Track „Against All Evil" eingeleitet, der wie Maschinengewehrfeuer auf den Hörer eindringt und fast ein bisschen wie ein Krieg klingt - man kann die Einschläge förmlich hören. Immer wieder bekommt man leichte Anflüge von Orientalik zu hören, der Solopart treibt die Auseinandersetzung zu ihrem Klimax, danach versinkt alles in Chaos.... Und die Bombe explodiert...

Wie es fast zu erwarten war, bedient sich die Band ihrer eigenen Wurzeln, wenn es um die Musik geht. Was ich jedoch nicht zu erwarten gewagt hätte, war die Umsetzung der titelgebenden Tracks: Man spürt förmlich, wie die Musiker ihre eigene Geschichte, ihre Erlebnisse musikalisch, textlich und seelisch verarbeiten; es wurden also nicht nur die musikalischen Wurzeln eingesetzt (was ja sehr dezent geschah), sondern auch die sozialen Wurzeln.

Dennoch ist nicht alles eitel Sonnenschein, denn manch ein Track wirkt aller Abwechslung zum Trotz dann doch recht ermüdend, ein oder zwei waren auch schwierig zu verfolgen. Der Rest des Albums ist aber sehr empfehlenswert und euch ans Herz gelegt.

Fazit:

Prey For Nothing servieren uns eine gelungene Melange aus Exotik, technischen Kabinettstückchen, ungewöhnlicher Instrumentierung, Brutalität, Melancholie und einen dezenten Melodieanspruch, der nur wenige Schwächen aufweist und dennoch aus diesem Grund nicht die Höchstnote beziehen kann. Deshalb

xl

Michael Denkers

Tracklist:

01. Treachery
02. My Final Relapse
03. Unmake You
04. Buried By The Light
05. Chekhov's Gun
06. Deciphering The Signal
07. Axis Mundi
08. Homemade Holocaust
09. Turning Shears To Swords
10. Technocrat

11. Spiritual Guillotine
12. Against All Good
13. Against All Evil

 

 
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