| Profane Omen - Destroy! |
|
Als ich den Bandnamen Profane Omen las, dachte ich zunächst, einen Newcomer vor mir zu haben; doch weit gefehlt! Profane Omen aus dem Städtchen Lahti in Finnland existiert schon seit mehr als 10 Jahren und haben eine Menge Live-Erfahrung; das vorliegende Album ist bereits die Nummer 3, und nachdem Finnland laut Pressezettel bereits vollständig erobert ist, dachte man sich bei Spinefarm, dass man die wilde Horde nun auf den Rest der Welt hetzen kann. Das Mittel der Wahl soll dabei Thrash Metal mit der wilden Energie des Hardcore und einigen Melodic Metal Elementen sein. Erwartungsvoll also lege ich den Silberling in das CD-Laufwerk und bekomme gleich mal den ersten Song „A Force To Be Reckoned With“ um die Ohren gehauen. Doublebass, um sich beißende Riffs, eine sehr old-schoolige Produktion – und ein Mundharmonika-Solo?? Krass! Danach kommt das Gitarren-Solo um die Ecke, der in einen vergleichsweise ruhigen Part übergeht. Jules Näveri schreit und singt in bester Thrash-Manier, und ein letztes Solo stellt das Ende des Songs dar. „Wastehead“ kommt in einem etwas moderneren Stil daher und erinnert zeitweise gewissermaßen an „Bullet For My Valentine mit Eiern“. Das Solo wird mit einem schönen Bass-Teppich unterlegt, geht in einen Uffta-Part über, der wiederum in Doublebass wechselt, nur um wieder zum Chorus überzugehen. Nettes Detail übrigens: Die Textzeile Watch the Shitstorm arrive. „Predator“ beginnt mit Maiden-Drumrhytmus und Stakkatoriffs, überrascht mit längeren Drumbasspausen während der Strophen und steigert sich zu einem sehr tanzbaren (im Sinne von Pit-Action) Track. Das letzte Viertel des Tracks wird mit einem Break eingeleitet und mit Groove fortgeführt und am Ende schreit sich der Sänger die Seele aus dem Leib. „Feed On The Wasted“ beginnt langsam, fast leise, mit cleanen Gitarren, lautem Bass, einem fast verwegenem Schlagzeugspiel und steigert sich zu einem Mid-Tempo Groovemonster in der Tradition von Pantera und co.; das gesamte Tempo überhaupt bleibt bis kurz nach der Hälfte des Tracks sehr niedrig, steigert sich dann jedoch zu Teil 2 des Songs etwas. Das Finale wird einem Doublebassgewitter eingeleitet, und dann ist es schon vorbei. „Escape / Traceless“ begrüßt uns mit einem netten Riff, geht jedoch schnell in einen stilistisch reinrassigen old-school Thrasher über; irritierend an der Sache finde ich aber, das Chorus dann ziemlich ungelenk in melodische Gefilde abdrifted. Bei Strophe 2 wird noch kurz schwarzmetallische Raserei eingefügt – überhaupt fällt das Schlagzeugspiel in diesem Track extrem variabel aus. Mit Tribal-Drums und lässiger Gitarre geht „Bad Dreams“ los; in der Folge erinnert der Song in seiner gesamten Machart schon fast an Progressive Metal, da es viele stilistische Experimente und musikalische Feinheiten zu entdecken gibt, dennoch wirkt er in sich sehr schlüssig – irgendwo mittendrin gibt es sogar eine Spokenword-Passage und beim Solo einen schönen Part zum Rübe abschrauben. Der Übergang zum nächsten Song überrascht – mit sehr feinfühligem Gitarrenspiel am Anfang, zunächst akustisch, dann clean, und geht nahtlos in... ...„Acedia“ über, welches den Übergang aufgreift und zu einem sehr melancholischen und leicht düsteren Stück Musik weiter spinnt. Der Sänger zeigt sich von seiner zerbrechlichen Seite, die ihm gar nicht schlecht steht. Klavier ist auch zu hören, das Schlagzeug darf auch bald mit einsetzen; ab der Hälfte der Songs steigert sich die Ballade (ja, Ballade!), die verzerrten Gitarren werden angeworfen, ein kurzes Solo ertönt, nach kurzer Unterbrechung ein längeres Solo, das Ende des Tracks geht im Doublebass zum fulminanten Schluss über. „Bound To Strive“ legt dann los wie die Feuerwehr, fast so, als hätte man sich seiner eigenen Gefühle geschämt und muss sie ganz schnell in harten Riffs und Schlagzeugattacken ertränken. Vor uns haben wir ein extrem grooviges Stück mit kleinen, technischen Spielereien, einem coolen, lässigen Solo, und dennoch geht der Song – seltsamerweise – relativ spurlos an einem vorbei. Der letzte Track „Zombie Riders“ beginnt schon fast doomig und mit sehr tiefen Growls seitens des hauptamtlichen Stimmbandmalträtierers, geht aber recht bald in etwas schnelleren Thrash über, der leicht an Sodom erinnert. Interessanterweise wird ab diesem Zeitpunkt sehr viel clean gesungen, was jedoch dem Track sehr gut zu Gesicht steht. Zwischendrin kann man sogar stöhnende Zombies vernehmen, bald darauf das Solo, um sehr bald in den endgültigen Schluss der Platte einzumünden. Als ich die Platte erhalten habe, dachte ich, dass sie ein Selbstläufer wird, zum einen wegen der Hörproben, die ich mir im Vorfeld rein gezogen habe, zum anderen wegen der stilistischen Einordnung seitens der Plattenfirma. Und rein objektiv betrachtet würde ich auch nach wie vor sagen, dass diese Band für mich wie geschaffen ist, denn die Mucke, die wir hier vor uns haben, kann grob in der Schnittmenge zwischen Pantera, Trivium, Bullet For My Valentine und ein bisschen – aber nur ein bisschen! - Machine Head eingeordnet werden; dennoch hatte ich das ein oder andere Problem. Punkt 1: Die Produktion ist an und für sich schön old-school, wirkt allerdings angesichts der Richtung, die eingeschlagen wird – der moderne Thrash nämlich – fast anachronistisch. Eigentlich aber noch kein Grund, die Band schlechter zu bewerten. Punkt 2: Das Spiel der Band ist sehr variabel, was zunächst ja eine Stärke ist, im Fall von Profane Omen aber gleichzeitig zum Bumerang wird, da das Album insgesamt nicht vollständig in sich geschlossen wirkt. Der letzte Song z.B. passt nicht 100%ig mit dem Rest der Tracks zusammen, die Ballade wirkt auch nicht schlüssig platziert; von Hardcore-Einflüssen habe ich im übrigen nicht so wahnsinnig viel mitbekommen. Punkt 3: Das wichtigste Problem ist allerdings, dass mir irgendwie so der letzte Kick, die Seele ein bisschen fehlt, der zwingende Moment, der einen Song zu einem richtig guten Song macht; das konnte ich leider in keinem Track ausmachen. Dennoch will ich nicht bloß meckern. Handwerklich machen die Jungs ihre Sache richtig gut, das ein oder andere Solo hat richtig Drive, und manch ein Song hat sogar das Zeug zum Hit, muss sich allerdings erst mit der Zeit entwickeln. Zudem hat die Variabilität der Mucker in manchen Tracks auch richtig Spaß gemacht, speziell „Escape / Traceless“ und „Bad Dreams“ sind da zu nennen, die ich hiermit als die expliziten Tipps des Albums rausgeben möchte. Fazit: Profane Omen haben mit "Destroy!" ein gutes Album herausgebracht, welches jedoch gleichzeitig die songwriterischen Schwächen offenbart und nicht vollends überzeugen kann. Dennoch ist die Platte alles andere als ein Stinker und speziell für Fans von Pantera und Trivium zumindest zum antesten empfohlen. Michael Denkers ![]() Tracklist: 1. A Force to Be Reckoned With 2. Wastehead 3. Predator 4. Feed on the Wasted 5. Escape / Traceless 6. Bad Dreams 7. Acedia 8. Bound to Strive 9. Zombie Riders
|