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Kambrium – Shadowpath

kambrium  shadowpathLabel: Massacre Records

Spielzeit: 50:28 Min

Stil: Epic Death Metal

Info: Homepage

CD kaufen: Amazon

VÖ-Datum: 25. November

 

 

Erneut kümmere ich mich um eine Band unter der Fittiche von Massacre Records, welche diesmal auf den Namen Kambrium hört und schon seit 2005 unterwegs ist. Nach einigen kleineren Besetzungswechseln (zweimal Gesang, einmal Schlagzeug) und einer kleinen Demo bringen die Jungs nach sorgfältigen sechs Jahren ihr Debüteisen an den Start.

Die ganze Chose läuft unter dem Banner „Epic Death Metal" - zumindest wird es mir so von meinem Windows Media Player suggeriert - und der Hauptsongwriter ist laut Homepage der Keyboarder. Gespannt drücke ich auf die Play-Taste...

...und werde erst mal bei „A Sinner's Remorse" von Streichern empfangen, die für einen eher beschaulichen Start sorgen, welcher aber natürlich nur angetäuscht ist. Was folgt, ist ein Track, der die Genre-Bezeichnung tatsächlich keine Lügen straft: Gitarren als Rhythmusgeber, Keyboard in prominenter Position, ein klar wahrnehmbarer Bass (!!), ein Drummer zwischen Zurückhaltung und Vollgas, der Sänger changiert zwischen Klargesang und Growling. Plötzlich wechselt die Melodie zu einem ausgiebigen Zitat aus Beethovens Fünfter, und in der Folge merkt man sehr deutlich, dass das Songwriting ganz klar klassische Einflüsse aufweist, was den Eindruck des epischen sehr verstärkt. Ab dem letzten Drittel wird etwas stärker in die Saiten und auf die Bassdrum gehauen, danach flechtet der Tastenmann noch orientalische Anklänge mit ein. Ein sehr abwechslungsreicher und komplexer Einstieg. Gelungen! „Shadowpath (Intro)" ist im Grunde genau das, was drin steht, nämlich ein Intro, allerdings sehr orchestral gehalten, und geht abrupt in...

... „Among The Lost" über, welches sehr flott und mit einem saftigen Riff einsteigt und mich sogleich zum ausgiebigen mitwippen anregt. In manchen Momenten erinnert mich dieser Song an manchen Track von Dimmu Borgir, nur längst nicht so ausgelutscht und wesentlich transparenter produziert. Der Sänger/Bassist beweist, dass er im krächzenden Sangesbereich ein gute Figur macht, die Instrumentalpassagen kommen ohne Soli aus und langweilen dennoch nicht. Das Riff wird abwechselnd von Gitarren und Keyboard getragen. Tipp!! „Arming For Retribution" geht in der Melodik sehr in die ägyptisch-orientalische Richtung, hält sich eher im Mid-Tempo auf, zieht aber ab und zu dennoch an und überrascht mit eingestreuten, deutschsprachigen Textpassagen. Zwischen drin ein Keyboardbreak und dann Stakkatoriffing der modernen Schule, welches Raum für ein kombiniertes Keyboard-Gitarren-Solo lässt. Danach gleiches Spiel, diesmal fällt das Keyboardbreak nur wesentlich länger aus und bildet den Teppich für das erste echte Gitarrensolo des Albums - kurz darauf darf geknüppelt werden, und ein orientalischer Riff begleitet uns aus dem Song heraus... Großartig!

„Thanatos" beginnt dann sehr Keyboardlastig, wird dann aber bald durch ein durchgetretenes Drumpedal kontrastiert, ein kleines Gitarrensolo kommt ebenfalls hinzu. Es wird geschredded, was das Zeug hält, jedoch schlägt der Song bald in einen langsameren Part um, der dem Keyboard wieder viel Raum lässt und bald darauf erneut eine Solo-Schlacht eröffnet. Hörenswertes Gitarren-Keyboard-Duell! Der Song darf vom Gitarristen mit einem schönen Lick beendet werden, den der Tastenmann aufgreift. Der nächste Song, „Feuer Gegen Feuer", verfügt trotz aller Tastenspielereien über eine dicke Death/Thrash-Schlagseite, die dem Track ein gewisses Arschtritt-Potential verleiht, welches keinesfalls durch die sehr keyboardlastigen Einschübe abgeschwächt wird. Ein kurzes Solo geht in einen Instrumentalpart über, der ein bisschen an deutsche Thrash-Schule erinnert, welches wiederum das zweite Keyboard-Gitarren-Duell einleitet. Das folgende Riff ist gar so dermaßen Thrash-lastig, dass es eine wahre Freude ist. Gegen Ende erhält der Song einen irritierenden Moment, als eine Flöte(!!) den Riff für den nächsten Part vorgibt. Cooles Teil!!

„Hollow Heart" entpuppt sich als eine Art Halbballade, die klar das Keyboard in den Vordergrund stellt und sich ansonsten sehr reduziert gibt. Die cleane Gesangstechnik des Bassisten ist zwar nicht technisch perfekt, aber überaus charismatisch. Gegen Mitte des Tracks gibt es einige schöne Gitarrenharmonien zu vernehmen, die einen Instrumentalteil einleiten, der ein wenig Abwechslung in den Song bringt. Kurz darauf wird die Instrumentierung zu Gunsten der Tasten stark zurück gefahren, jedoch wird bald darauf das Thema wieder aufgegriffen. Wenige Augenblicke und ein Bassdrumgewitter später beschränkt sich die Melodie auf die Nutzung von Flöte und Konsorten und endet bald. „Hiding In Sorrow" zieht den geneigten Hörer dann - emotional - noch weiter runter. Die Stars sind akustische Gitarren und akzentuiertes Schlagzeugspiel, die Melodie wird von den elektronischen Vettern des Saiteninstruments aufgegriffen, gesanglich passiert erst mal nichts, ist jedoch auch nicht nötig. Später kommt die altbekannte Flöte hinzu, die vom Bass begleitet wird. Die Rhythmusfraktion darf dann einen Zahn zulegen und damit ein Gitarrensolo unterstützen, die synthetischen Geigen kommen noch hinzu, und gemeinsam geht man mit diesem grandiosen Instrumental dem Finale entgegen...

...welches mit „The Eye Of Horus" beginnt und dementsprechend mit orientalik in Rhythmik und Riffs voll gestopft ist. Die sphärischen Stimmen, die den Song begleiten, machen aus dem Track ein fast spirituelles Erlebnis, lediglich der etwas aufgesetzt wirkende Geschwindigkeitswechsel läuft mir nicht ganz so rein - jetzt weiß ich aber, wie sich Hyperblasts anhören, wenn sie nicht überproduziert (bzw. getriggert) sind. Das letzte Drittel wird mit einem Tappingsolo eingeleitet, die Instrumentalfraktion darf sich noch einmal austoben. Als letztes kommt uns „Dewfall" entgegen, welches sich als sehr straighte Nummer ohne großartige Schnörkel, jedoch mit „Gangshouts"(?) präsentiert und sich damit als Cooldown kurz vor Schluss prädestiniert, obgleich weiterhin technische Kabinettstückchen zu bewundern sind - u.a. ein letztes Gitarrensolo, das mit kurzer Unterbrechung bis zum Ende geht.

Das Debüt von Kambrium sorgt für großes Erstaunen und gleichzeitig einer gewissen Bestätigung meiner Ahnung. Man merkt den Songs in den meisten Fällen an, dass die Band erst mit sechs Jahren Erfahrung zur Aufnahme ihres ersten Albums übergegangen ist: Viele Riffs, Übergänge und Rhythmuswechsel wirken durchdacht und zeugen von einer gewissen Grunderfahrung. Zwar sind an der einen oder anderen Ecke noch manche kleineren Fehler zu entdecken, manches Klischee konnte leider auch nicht vermieden werden („The Eye Of Horus" klang zeitweise nach diversen Sandalenfilmen...), dennoch überwiegen die positiven Aspekte bei weitem.

Einmal wäre da die bereits angesprochene und merklich vorhandene Erfahrung der Musiker, andererseits die perfekt zugeschnittene Produktion, die geerdet genug ist und gleichzeitig dabei so transparent, dass jedes Instrument zu jeder Zeit klar wahrnehmbar ist. Der Sänger beweist gesanglich als auch sprachlich Variabilität, auch wenn er an der ein oder anderen Stelle noch etwas ungelenk wirkt. Lediglich das Coverartwork könnte beim nächsten mal besser sein...

Fazit:

Das Debüt von Kambrium zeugt von einer Band, die sich eine eigene Nische geschaffen hat und großes Potential beweist. Wer es trotz oder gerade wegen manch eines ungewöhnlichen Instruments schafft, dennoch heavy und progressiv zu klingen, verdient sich bei mir viele Sympathien und darf meiner Ansicht nach zurecht auf eine grandiose Zukunft hoffen. Ihr Death Metal zwischen klassischen und orientalischen Einflüssen verdient sich von mir ein ordentliches

xl

Michael Denkers

Tracklist:

01. A Sinner's Remorse
02. Shadowpath (Intro)
03. Among The Lost
04. Arming For Retribution
05. Thanatos
06. Feuer Gegen Feuer
07. Hollow Heart
08. Hiding In Sorrow
09. The Eye Of Horus
10. Dewfall



 

 
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