HateSphere - The Great Bludgeoning

hatesphere coverLabel: Napalm Records

Spielzeit: 36:53

Info: Facebook

CD Kaufen: Amazon

VÖ: 23. September 2011

To The Nines“ war ein starkes, aber gleichzeitig auch sehr schwieriges und wichtiges Album für die Dänen. Wenn man bedenkt, dass Chefhasser Pepe vor dem Songwriting von seiner kompletten Hintermannschaft verlassen wurde und ohne Label dastand, ist es schon recht verständlich, dass besagtes Werk etwas aus der Art schlug und irgendwie „anders“ klang als seine fünf Vorgänger. Auch wenn ich heute noch, 2 ½ Jahre nach der Veröffentlichung, zu meiner hohen Bewertung (XL/XXL) stehe, fehlte mir im Nachhinein einfach das gewisse Etwas. Nennen wir es einfach mal den HateSphere-Faktor. Das, was den typischen Sound der Dänen immer ausgemacht hat und 95 % aller anderen Bands auf diesem Planeten auf die hinteren Plätze verwies, fehlte mir. Übertrieben gesagt: „To The Nines“ klang zumindest in meinen Ohren gewissermaßen nach einem Solo-Album des Chefs. Durchaus erstklassig, aber eben nicht wie gewohnt nach HateSphere. Trotz alledem ist es bedauerlich, dass nach den Touraktivitäten zum Album 3/5 der Besetzung wieder die Papiere einreichte (unter ihnen auch der Jacob Bredahl Nachfolger Joller) und Pepe vor dem gleichen Problem stand, wie vor „To The Nines“.

Tja, und da ist es nun, das neue Album nach dem zweiten großen Knall. Ich schätze mal, dass viele Kapellen nach so einem Personalverschleiß einfach frustriert die Klamotten in die Ecken pfeffern würden, doch die Dänen sind beharrlich und das ist verdammt gut so.
Nach diesem ganzen Kuddelmuddel wurden neue Leute in die Band rekrutiert (Esse von As We Fight, Mercenary´s Taktgeber Mike Park und Gob Squad Basser Jimmy Nedergaard), das Album ein weiteres Mal bei Tue Madsen eingespielt (ja, über den sterilen Klang der letzten vier HS-Scheiben kann man sich getrost streiten!) und der zuständige Schreiberling von XXL-Rock zeigt sich vom Endergebnis (fast) restlos begeistert – so einfach kann es manchmal gehen.

Bereits das typische HS-Coverartwork von „The Great Bludgeoning“ deutet darauf hin, dass die Band mit ihrem siebten Arbeitsnachweis zurück zu ihren Wurzeln gehen möchte. In mir keimte sogar insgeheim die leise Hoffnung auf, dass Pepe und Co. ein zweites „Ballet Of The Brute“ verzapfen würden, doch soweit wollten die Dänen dann wohl doch nicht durch ihre eigene Historie stöbern. Fakt ist jedoch, das „The Great Bludgeoning“ größtenteils von der Stilistik und vom Sound am ehesten an den „The Sickness Within“-Kraftakt erinnert, als an das hässliche Entlein „To The Nines“. Kopfnüsse wie „Venom“, „Smell Of Death“ oder der Titeltrack hätten auch auf dem besagten Album eine schicke Figur gemacht und reihen sich nahtlos an die Großtaten des Albums ein. Schöne Sache.
Eben so schön ist die Tatsache, dass der von mir so vermisste HateSphere-Faktor wieder zu hören ist. Das Tempo ist auf den neun Tracks fast durchgängig hoch (lediglich „Resurrect With A Vengeance“ wirkt eher etwas doomig), Pepe knallt ein Schädelspalterriff nach dem anderen heraus - da drehst du durch.
Die Kardinalsfrage ist jedoch, wie sich der erneute Sängerwechsel auf den Gesamtsound auswirkt. Und ich darf Entwarnung geben: Esse klingt auf dem Album wie eine (Achtung!) Essenz aus seinen beiden Vorgängern am Mikro. Jawohl, richtig gehört. Der Bengel schafft das Kunststück, ähnlich rabiat wie Joller zu keifen und lässt dieses etwas dreckige, verrotzte, das in Bredahls Stimme immer präsent war, nie außen vor. Exemplarisch sei an dieser Stelle der Titeltrack genannt, in dem Esse fast schon 1 zu 1 wie der Doktor growlt, schreit und rotzt, ihn aber dennoch nicht komplett kopiert.

Also alles gut? Naja, fast. Wie bei fast jedem anderen Studiolangeisen der Dänen geht mir der glatt gebügelte Sound von Tue Madsen ziemlich auf die Eier. Das ist zwar nichts wirklich Neues und ich werde damit wohl leben müssen, aber die Rohheit und die unnachahmliche Power der Konzerte konnte halt bislang lediglich auf dem „Ballet Of The Brute“ Werk eingefangen werden. Hinzukommt, dass „Resurrect With A Vengeance“ wie ein kläglicher Versuch klingt, unbedingt der kleine Bruder von „Only The Strongest“ sein zu wollen, der er einfach nicht ist und einen richtigen Knaller der Marke „Sickness Within“ oder „Oceans Of Blood“ hätte dem Ganzen prächtig zu Gesicht gestanden.

Ich bin geneigt, ein kräftiges „YEAHH!“ Auszurufen, doch diese nicht ganz unerheblichen  Kritikpunkte sorgen dafür, das es „nur“ ein „yeahh!“ wird.
Insgesamt ist „The Great Bludgeoning“ eine sehr runde Angelegenheit, die durchgängig Spaß macht. HateSphere klingen anno 2011 wieder wie eine richtige Band und haben nach einer leichten (personellbedingten) Formschwäche zu ihrer alten Stärke zurückgefunden. Wenn nun das Line-Up etwas länger als gefühlte fünf Tage hält, darf man gespannt sein, ob die nächste Scheibe doch noch etwas stärker ausfällt.

Sven Meier

xl

Tracklist:
1. The Killer
2. Venom
3. Smell of Death
4. Decayer
5. The Wail of My Threnode
6. Resurrect with a Vengeance
7. The Great Bludgeoning
8. Need to Kill
9. Devil in Your Own Hell

 

 
Login Admin
Find us on Facebook