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Deaf Havana - Fools And Worthless Liars

deaf havana fools and worthless liarsLabel: BMG/Rough Trade

Spielzeit: 44:15 Min

Genre: Alternative Rock

Info: MySpace

CD kaufen: Amazon

VÖ-Datum: 27. Januar 2012


Deaf Havana aus dem Vereinigten Königreich sind in ihrem Heimatland zwar durchaus erfolgreich, haben allerdings außerhalb ihres Wirkungskreises scheinbar einen schlechten Stand. Sind sie doch seit ihrer Gründung 2005 sehr fleißig und haben einige EP's und dazu ein volles Album eingespielt. Allerdings schafften sie es bisher nicht, ihre Musik auf das Festland zu befördern und damit ein neues Publikum zu erschließen. Mit diesem Longplayer, der schon Anfang November in Großbritannien erhältlich ist und bei uns erst 2012 einschwirren wird, wollen sie nun endlich den großen Wurf machen.

Die Platte selbst liegt bei mir im schönen Digipack auf dem Schreibtisch und auf dem Cover blickt mich mit trostlosen Augen ein blonder Junge an. Im Booklet befinden sich auch weitere Fotos mit ihm und zeigen so die Sehnsucht, die ihn zu plagen scheint. Transportiert wird hiermit ein gewisser Tiefgang und ich hoffe, diesen auch in der Musik zu finden.

Der Albumtitel wird im Introsong textlich bereits früh verwendet. Mit einem Countryeinschlag erzählt "The Past Six Years" von den Erfahrungen der Band in den letzten Jahren, der Refrain geht sofort ins Ohr und nimmt den Hörer in die Welt der Band mit. Bei "Youth In Retrospect" geht es schon rockiger zur Sache und ist damit auch vollends radiotauglich. Die Instrumente sind stimmig und keines davon spielt sich in den Vordergrund. Das kann man auch beim nächsten Lied raushören, der gleich zu Beginn Mitgröhlparts einstreut. Zunächst wirkt der Song etwas befremdlich, wird aber zunehmend besser und hörbarer. Der Sänger schildert hier den Willen, sich ständig verbessern zu wollen.

Es geht poppig weiter mit "Little White Lies". Die Melodie klingt ein wenig nach Schlager, was eher befremdlich ist und einen Tick zu fröhlich geraten ist. Ein Blick ins Booklet offenbart, dass es sich um ein quasi Liebeslied handelt. Nicht mein Geschmack.
Fast nahtlos geht es in das Lied Nummer 5 über, der durch den emotionalen Gesang gleich einen tiefgründigen Moment schafft. Die Stimmung verändert sich leicht, als der Sänger kräftiger singt und die Instrumente das Fundament dazu bereiten. Mit der ersten Single "I'm a Bore, mostly..." wird der Sound schmissiger und schafft dabei den Spagat zwischen Kitsch und Härte. Hier geht es um jemanden, der sprichwörtlich ein langweiliges Leben führt und sich wünscht, jemand anderes zu sein. Danach beschäftigt sich der Sänger im nächsten Song über die Zeit in der Schule, die keine guten Erinnerungen mit sich brachten. Untermalt wird das mit einem leicht verstörenden Klangteppich, der Wut, Ärgernis und Frust vermittelt.

"Filthy Rotten Scoundrel" kommt mit deutlicher Grungeschlagseite daher, dass man denken könnte in diesem Moment Soundgarden zu hören. Zur Mitte des Songs wird es wieder poppig, was jegliche Plagiatsvorwürfe entkräften dürfte. Das Folgelied hat ein 10 Worte umfassenden Titel und man darf sich wieder einmal in das Gedankengebäude des Sängers einfinden. In drei Minuten wird geschildert, wie sich das Leben doch rasch verändert und beim Nachdenken dies ins Bewusstsein gerät.
Ohne Pause geht es auch mit "Leeches" weiter, was klanglich manchmal etwas unausgereift klingt. Die Stimmung, die das Album bisher geschaffen hat, wird hier erst mal platt gemacht. Schade, denn damit verliert die Platte deutlich an Fahrt. Damit einher geht auch die Konzentration auf den Text flöten, der nicht weniger tiefgründig ist als die anderen.

Der Faden wird mit "The World Or Nothing" wieder aufgenommen und so kann man sich wieder ohne Bedenken auf die Musik einlassen. Gewidmed ist dieses Lied allen, die sich verloren fühlen auf der Welt. Ein Zweiminüter folgt im Anschluss und der bringt schnelle Parts mit. Transportiert wird hier die Festgefahrenheit eines manchen Menschen, von der Welt nichts sehen zu wollen und lieber daheim zu bleiben.
Zu guter Letzt wird es wieder gediegen, denn in "Fifty Four" geht es wieder um Zweisamkeit. Der Silberling wird mit einem pathetischen Unterton und einem Hauch Romantik beendet und somit blättere ich wieder einmal im Booklet und schaue mir die Bilder an, die noch darin abgebildet sind.

Man mag mir die Art und Weise, in der ich die Platte bespreche verzeihen, den hier handelt es sich nicht um Musik, die man einfach mal so nebenbei hören kann. Um "Fools And Worthless Liars" zu verstehen, muss man sich auf die Musik einlassen, sich Zeit nehmen und dies dürfte nicht jedermanns Sache sein. Einen Smähruf in Richtung "Emo!" wird sich so manch einer nicht verkneifen können, denn emotional sind viele der Lieder durchaus geraten, allerdings ohne dabei weinerlich zu sein.
Die Songs sind alle gut gelungen und bleiben im Ohr hängen. Bis auf "Leeches", welches meiner Meinung nach deplatziert ist gibt es nichts, was man dem Album vorwerfen könnte.

Mit Längsrille Nummer zwei schafft Deaf Havana ein streitbares Produkt, dass bei genauer Betrachtung viel Raum für besondere Momente schafft und den Hörer zu begeistern weiß. Mit einer Ausnahme befinden sich nur hochwertige Songs auf der Platte, die viel Tiefgang und Ehrlichkeit beinhalten. Dafür gibt es von mir ein

xl

Ben Denkers

Tracklist:

01. The Past Six Years
02. Youth in Retrospect
03. I Will Try
04. Little White Lies
05. Anemophobia
06. I'm a Bore, Mostly...
07. Hunstanton Pier
08. Filthy Rotten Scoundrel
09. Times Change, Friends Leave and Life Doesn't Stop For Anybody
10. Leeches
11. The World or Nothing
12. Nelson's County
13. Fifty Four

 

 
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