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Swallow The Sun – Emerald Forest and the Blackbird

sts-coverLabel: Spinefarm Records

Spielzeit: 66:50 Min.

Info: Facebook

Genre: Death/Doom Metal

CD kaufen: Amazon

VÖ-Datum: 03. Februar 2012


Wieder einmal nehme ich mir eine Spinefarm Veröffentlichung vor und meine Wahl ging an die Death/Doom Band Swallow The Sun. Ich muss zugeben, dass ich mich mit Doom Metal nie auseinandergesetzt habe und meine Interessen waren anderer Natur.
Swallow The Sun wurden für mich erst interessant, als sie ihr erstes Video zum neuen Album veröffentlicht haben und war fasziniert von dieser Komposition. Folgerichtig war es an mir, diese Band und ihr neues Werk kennenzulernen.
Von der Doom Landschaft nicht mehr wegzudenken, haben sich Swallow The Sun seit ihrer Gründung im Jahr 2000 eine treue Fangemeinde erspielt und ihre Platten sind in ihrem Heimatland Finnland sehr erfolgreich.
Ihre Musik wird als melancholisch und schwermütig beschrieben und ich schaffe erst mal die passende Atmosphäre dazu:

-Ich dimme das Licht, bis der Raum nur noch leicht belichtet ist
-Ich nutze die Nacht, um meine Zeilen zu schreiben; der Tag wäre nicht passend gewesen (es lebe das Klischee! ☺ - Sven)

Also flacke ich mich auf mein Sofa, stelle die Stereoanlage an und lausche dem Album.

Zunächst kommt mir ein Knistern entgegen und eine sanfte Summstimme lässt mich träumen. Doch dann erklingen die ersten Riffs und reißen mich aus meiner Ruhe. Konfrontiert werde ich mit schweren langsamen Riffs und gesprochenen Worten. Faszinierend, denn der Zugang zum Titeltrack wird enorm erleichtert. Der Death Anteil wird durch die nach drei Minuten vorkommenden Growls demonstriert. Die Keyboards geben dem Song eine symphonische Note und selbst bei fast 10 Minuten kommt dieser Song einem kurzweilig vor. Diesen Abwechslungsreichtum lob ich mir.

Die nächste Perle hört auf dem Namen "This Cut is the deepest" und es gibt diesmal eine Westerngitarre zu hören. Der Sänger beeindruckt mit einer schönen hohen Baritonstimme (so hört es sich jedenfalls für mich an) und die Melodie bekommt genug Zeit sich zu entwickeln. Ein gelungener Midtemposong. Es geht mit "Hate, lead the Way" weiter und nach einem kleinen Sturmgeräusch geht es Gitarrentechnisch ebenfalls stürmisch weiter. Die Growls haben hier wieder die Überhand und der Sound kommt hier richtig druckvoll rüber. Der Song klingt schon fast nach Black Metal, hat er für den Stil die charakteristischen Melodiezüge, ist aber im Umkehrschluss zu wenig düster dafür.
Bei "Cathedral Walls" hat sich die Band Nightwish Frontröhre Anette Olson ins Boot geholt, die ab der zweiten Minute zu hören ist. Mit gediegenem Tempo und sorgfältig gespielten Instrumenten zieht der Song einen in den Bann. Es wird zur Hälfte noch Growls und kraftvolle Riffs eingebaut und so wechseln sich die Themen des Liedes gekonnt ab. Empfehlenswert hierzu ist das dazu veröffentlichte Video.

"Hearts wide shut" darf auch schön gediegen anfangen, der Gesang wechselt zwischen clean und growl und bieten die erfreuliche Vielfalt, die das Album bisher ausgezeichnet haben. Ein Fade-In läutet den nächsten Track ein, was mit nachdenklichen Riffs und Melodien weitergesponnen wird. Die Nacht scheint wahrlich die geeignete Tageszeit zu sein, denn die Intensität des mir dargebotenen Lied steigt deswegen auf ein recht hohes Level.
Mit "Labyrinth of London (Horror Pt.IV)" geht es nahtlos weiter. Die Band bolzt wieder mehr in ihre Saiten und der Beiname Horror, der übrigens zu einem mehrteiligen Thema gehört (so haben zwei der Vorgängeralben und eine EP jeweils einen "Horror" Track), passt sehr gut rein. Unter dem bedrohlichen Soundgewand gibt es wieder eine weibliche Stimme, die den Sänger gut unterstützt. Kurz gibt es auch einen ruhigen Teil - wohl als eine Art Verschnaufpause von der Flucht; die Sicherheit ist da. In der Tat dreht sich die Stimmung zum Schluss des Liedes hin zu weniger aggressiven Tönen bis das Finale den Horror wieder mitbringt.

Lied Nummer 8 fängt auch leise an und macht mit brutalen Riffs weiter, die erst mal alles weg mähen. Dennoch kommt die melodische Seite nicht zu kurz und beide Parts leben eine gesunde Koexistenz. Einen weiteren Epos bekomme ich mit "April 14th" zu Ohr und die düsteren Geräusche zu Beginn wirken unheimlich. In der Tat fühlt man sich in einen Dracula Film gefangen und wartet auf den Vampirfürst in der Hoffnung, nicht ausgesaugt zu werden. Worum es lyrisch geht entzieht sich zur Zeit meiner Kenntnis, jedenfalls geht es nicht um Vampire. Die unheimliche Atmosphäre bleibt während des ganzen Songs bestehen und lässt mich bedächtig werden.
Abschließend gibt es noch den Song "Night will forgive us" und es gibt keinen würdigeres Ende für dieses Werk. Die cleane Gitarre leitet die meiste Melodieführung und die anderen Instrumente bauen sich um den roten Faden auf. Selbst hier vereinigt die Band in einer Selbstverständlichkeit harte und ruhige Passagen miteinander und geht keine Kompromisse ein.
Sobald die letzten Töne erklingen, mache ich das Licht wieder heller und tippe meine Eindrücke.

Ich dachte immer, Doom Metal sei langweilig und abwechslungsarm; nicht für das feine Ohr geeignet. Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Swallow The Sun schaffen es, Death, Doom und auch Black Metal so gekonnt zu vereinigen, dass ich nicht mehr aus dem Staunen herauskomme.
Wie sagte Kollege Hemmer doch einmal - frei zitiert "Doom und Black Metal leben von ihren Emotionen" und diese Platte hat sehr viel Emotionen und eine faszinierende Detailverliebtheit. Hier stimmt einfach alles, nichts ist aufgesetzt und künstlich. Die Musik fließt, die Übergänge sind zu keiner Sekunde abrupt und der Song als Gesamtes wird in den Vordergrund gestellt. Zwar flascht mich nicht jeder Song derart, aber ich komme zu einem guten Fazit:

Düster, melancholisch, manchmal bedrohlich und traumhaft schön. So kann man "Emerald Forest and the Blackbird" am besten beschreiben. Mit einer Leichtigkeit reihen Swallow The Sun Trauer, Angst, Verzweiflung, Sehnsucht und Zurückgezogenheit aneinander und lassen den Hörer teilhaben in ihre Welt. Auch wenn ich jetzt noch nicht die Höchstnote geben kann so kann ich gewiss sagen, dass die Platte bei jedem hören wächst. Drum verdient die Platte ein beinahe an die Höchstnote kratzendes XL.

Ben Denkers

xl

Tracklist:

01. Emerald Forest and the Blackbird
02. This Cut is the deepest
03. Hate, lead the Way
04. Cathedral Walls (ft. Anette Olson)
05. Hearts wide shut
06. Silent Towers
07. Labyrinth of London (Horror Pt. IV)
08. Of Death and Corruption
09. April 14th
10. Night will forgive us

 

 
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